Samstag, 2. August 2014

Wochenendfrage bei Wortwucher



Und noch einmal eine Frage fürs Wochenende rund ums Thema Buch:

Mal so unter uns Pfarrerstöchtern. Habt ihr schon mal die Liste eurer Lieblingsbücher mit etwas "kulturell Wertvollem" geschönt? 

Ich bin studierte Germanistin und Deutschlehrerin und fühle mich manchmal sehr in der Pflicht, ein gutes Beispiel abzugeben. Trotzdem gebe ich lieber offen und ehrlich zu, dass ich sehr gerne Jugendbücher, Liebesromane, Thriller lese. Schon berufsbedingt lese ich natürlich auch Klassiker und Lektüre, die für "kulturell wertvoll" gehalten wird. Und einiges davon habe ich auch mit Vergnügen gelesen - auch mehrfach. Ich mag Fontane und Hesse und kann auch Goethe, Schiller, Kafka und Brecht etwas abgewinnen. Doch die große Mehrzahl dessen, was ich lese, ist Unterhaltungsliteratur. Ich bin da also kein besonders gutes Beispiel - oder vielleicht doch. Denn ich lese gern und viel und finde, dass Lesen auch eine wichtige Kulturfähigkeit ist und bleibt. Ich glaube, dass vieles, das trivial erscheint, manchmal gar nicht so trivial ist und einiges, das als "große Literatur" betrachtet wird, auch nicht so viel weniger trivial. Auch große Literatur kann und sollte den Leser unterhalten. Wenn man nebenbei noch zu tiefschürfenden Gedanken angeregt wird, ist das umso besser. Ich bin zum Beispiel erklärter Fan von E.T.A. Hoffmann - mal von der altertümlichen Sprache abgesehen, die für Schüler oft eine Barriere bedeutet, sind zum Beispiel Das Fräulein von Scuderi oder Der Sandmann hochspannend und gute Unterhaltung. Die Unterteilung in "U" und "E" finde ich deswegen eigentlich ziemlich blöd - geht mir aber auch bei Musik so. Ich lese eben, was mir gefällt und wenn andere mich deswegen für ein niederes Wesen halten möchten - bitte. Steht ihnen frei.
Also behaupte ich lieber nicht, dass ich etwas andere lese. Sonst bekommt man später nur furchtbar abgehobene und langweilige Bücher geschenkt.

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