Sonntag, 21. September 2014

Schreibtipp #4


Schreibtipp #4: Farben helfen, Strukturen aufzudecken

Wenn einem nicht gerade eine Deadline im Nacken sitzt und die Zeit drängt, sollte man sich wirklich die Mühe machen und den eigenen Text ausdrucken und in mehreren Durchgängen mit verschiedenen Farben markern. Am besten wählt man zusätzlich unterschiedliche grafische Elemente (Wellenlinien, Kästchen, Unterstreichung, Kringel), damit man die Markierungen schnell mit dem Auge erfassen und auseinanderhalten kann.
Ich habe eine ähnliche Überarbeitungsmethode vor längerer Zeit einmal bei Andreas Eschbach entdeckt und sie für meine Bedürfnisse etwas abgewandelt und vereinfacht. 

Beim ersten Durchgang kann man die Szenenanfänge markieren, indem man zum Beispiel den ersten Absatz einkringelt oder durchstreicht. 

Bei einem zweiten Durchgang markiert man alle Adverbien und Adjektive.

Beim dritten markiert man Füllwörter, Abtöner und Abschwächer wie "irgendwie", "doch", "ziemlich", "sehr", "ja". 

Man kann in einem weiteren Durchgang lange Sätze am Rand kenntlich machen. 

Ich markiere mir auch immer alle Redeeinleitungen bei Dialogpassagen.

Passivkonstruktionen kann man ebenfalls in einer eigenen Farbe unterstreichen oder einkästeln. 

Gerne markiere ich auch "während" und "als", weil sie Handlungen anzeigen, die zur selben Zeit ablaufen und ein einfacher Hauptsatz es in vielen Fällen auch tut. 

Nun gehe ich durch meine Markierungen und überlege zum Beispiel, ob der Szeneneinstieg gelungen ist oder ob man vielleicht noch etwas streichen kann. 

Ich überlege bei Adverbien und Adjektiven, ob man sie nicht vermeiden kann. Zum Beispiel klingt es besser, wenn man treffendere Verben findet. Anstatt "sie hob ruckartig den Kopf" zum Beispiel "ihr Kopf schnellte in die Höhe" oder "ihr Kopf zuckte hoch". 

Die meisten Füllwörter oder Abtöner kann man einfach streichen. Ich bin leider ein "irgendwie" und "ja"-Junkie. Auch Wendungen mit "sehr" kann man meistens mit einem treffenderen Adjektiv verbessern.

Lange Sätze versuche ich zu teilen. 

Redeeinleitungen versuche ich abwechslungsreich zu gestalten oder aber durch Tätigkeitsbeschreibungen zu ersetzen. Dann weiß man wer spricht und hat gleichzeitig noch etwas Handlung in einer längeren Dialogpassage. 

Passivkonstruktionen wirken schnell steif und statisch. Oft lassen sie sich durch Aktivformulierungen ersetzen. 

Es ist sehr zeitaufwändig, lohnt sich aber. Der Text klingt hinterher erheblich besser. Natürlich kann man das nicht immer machen. Aber wenn man es gelegentlich macht, hilft es auch, Schwächen aufzudecken (wie meinen übermäßigen Gebrauch von Füllwörtern und Abtönern). 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen