Sonntag, 14. September 2014

Sonntagsbrunch mit der Autorin Anne Gard


Zum ersten Mal lade ich heute auf dem Wortwucher zum Sonntagsbrunch und freue mich ganz außerordentlich, dass eine besonders liebe Kollegin bei mir zu Gast ist. Und zwar wird heute die Autorin Anne Gard mit uns brunchen. Ihr Debütroman „Liebe auf den letzten Klick“ erschien im Juli 2014 als Ebook bei Forever by Ullstein, dem digitalen Imprint der Ullstein Buchverlage.

Autorin Anne Gard

Liebe Doro, ich fühle mich geehrt, dass ich den Auftakt machen darf! Herzlichen Dank für die Einladung.


Liebe Anne, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee?
Milch, Zucker, schwarz?
Herzhaft oder süß?
Warm oder kalt?


Ich hätte gern einen richtig heißen Kaffee, um ganz schnell wach zu werden. Ohne Zucker, aber mit Milch. Da fällt mir doch gleich ein Spruch ein, den einer meiner Flirtpartner als Motto gepostet hatte: „Frauen wollen einen Mann, der so ist wie heißer schwarzer Kaffee. Dann geben sie Milch hinzu, damit er nicht mehr so schwarz ist, Zucker, damit er nicht mehr so bitter ist, und kaltes Wasser, damit er nicht mehr so heiß ist. Und dann wundern sie sich, welch lauwarme Brühe noch übrig ist.“
Könnte sein, dass er recht hat.


1. In deiner Biografie lese ich, dass du zum Teil in Amerika aufgewachsen bist. Verrätst du uns, wo dort und ob du immer noch Bezug zu den USA hast? 

Meine Kindheit war ein einziges, aufregendes Abenteuer und ich danke meinen Eltern aus tiefstem Herzen, dass sie mir immer ein gemütliches und behütetes Zuhause geboten haben – egal ob auf dem europäischen Kontinent oder dem amerikanischen. Meine Mutter ist als junge Frau nach dem Zweiten Weltkrieg nach Amerika ausgewandert . Für die damalige Zeit war eine ledige, abenteuer- und reiselustige Frau mehr als nur ungewöhnlich.
Mein Vater war Ungar und ist ebenfalls nach dem Krieg ausgewandert. Auf der Suche nach einer neuen Heimat und einem neuen Leben, begegneten sich meine Eltern inmitten von New York auf einer Party, auf der sie sich Hals über Kopf ineinander verliebten, während sie zu Musik von den Andrew Sisters und Nat King Cole tanzten. Für mich ist ihre Liebesgeschichte der Beweis, dass man auch in schlechten Zeiten das Gute finden kann. Der Krieg hatte in beiden Leben seine Spur hinterlassen, aber dieser Krieg hatte sie letztendlich auch zusammengeführt.
Da die Sehnsucht nach der deutschen Heimat stets präsent war, gingen wir als ich drei Jahre alt war zurück nach Deutschland, mit sieben siedelten wir wieder nach Amerika um und mit 14 zogen wir endgültig nach Deutschland zurück.
Ich empfand die vielen Neuanfänge als Bereicherung. Natürlich lässt man Freunde zurück, aber ich hatte meine Familie als beständigen Faktor in meinem Leben. Egal, wo wir lebten, sie war für mich da. Und viele Freundschaften haben bis heute gehalten.
Anfangs vermisste ich natürlich die amerikanische Heimat, trotzdem wollte ich unbedingt a real german girl sein. Also nahm ich nach einer weiteren schlechten Deutschnote den Grammatikduden zur Hand. Deutsche Sprache, schwere Sprache, aber heute kenne ich den Unterschied zwischen Akkusativ und Dativ (hoffentlich!) und ich beherrsche auch ein perfekt gerrrrollllendes ‚R‘. Wer sich davon überzeugen möchte, kann sich gern meine Leseprobe auf YouTube anschauen.


2. Dein Roman „Liebe auf den letzten Klick“ ist deine erste Veröffentlichung, aber keineswegs dein erstes Buch. In deiner Schublade schlummern noch einige Manuskripte. An welchem hängt dein Herz besonders und warum?

An meinem allerersten Buch, „Eine praktische Frau“, ein regionaler Emanzipationskrimi. Er handelt von Isolde Singhammer, Ehefrau des Schlierseer Bürgermeisters, der plötzlich bewusst wird, dass ihre Ehe doch nicht das Beste sein kann, was ihr je passiert ist. Und so beschließt sie, nicht mehr brav und artig in diese Welt zu passen, sondern die Welt passend zu machen. Da Isolde eine praktische Frau ist, wird sie trotz des unfruchtbaren Ehemannes schwanger, muss sich dann aber durch einen Dschungel verzwickter Ereignisse kämpfen, um ihrer kleinen Tochter ein schönes, behütetes Leben bieten zu können. Es geht um den Sinn des Lebens und was man bereit ist, für sein Glück zu tun, vor allem wenn man an einem Punkt angekommen ist, an dem man sich endgültig für die eine oder andere Richtung entscheiden muss.
Da es mein erster Roman ist, hängt mein Herz besonders daran und irgendwann ist die Zeit sicher reif für Isoldes Auftritt.


3. In „Liebe auf den letzten Klick“ geht es um Lizzy Rosenmüllers Erlebnisse beim Online-Dating und es geht dabei ja auch recht deutlich zur Sache. Wie waren die Reaktionen deines Umfelds auf die erotischen Szenen in deinem Buch oder ahnen sie gar nichts davon, was du schreibst?

Meine Kinder wissen immer, was Mamilein in ihrer Schreibkammer treibt. Offenheit finde ich sehr wichtig. Allerdings habe ich ja, wie schon erwähnt, auch andere Bücher geschrieben. Abgesehen von dem Krimi, auch einen Mädchenroman und ein Sachbuch über „Menschen, die Gutes tun“ und eines über „Menschen, die anders leben“. Grundsätzlich hänge ich Lizzys Geschichte nicht an die große Glocke. Nur ein paar enge Freunde haben das Buch gelesen. Ein bisschen peinlich war es, als ein Freund das Buch heruntergeladen hat. Aber nur im ersten Moment. Letztendlich gehen alle ganz offen mit meinem Buch um.

4. Liest du selber gern erotische Geschichten? Was sind deine bevorzugten Genres?

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich alles lese, wirklich ALLES – selbst die Gebrauchsanweisung zu meinem Bügeleisen! Ich habe Phasen, in denen ich schwerpunktmäßig Krimis oder Thriller lese, dann wieder Sachbücher oder Biografien, Liebesgeschichten oder Humoriges. Vor Jahren habe ich mit Leidenschaft die Bücher von Ingrid Noll gelesen. Dann war Emily Brontë dran. Und zuletzt habe ich Anaïs Nins ‚Im Delta der Venus‘ verschlungen. Da braucht Lizzy gar keine rote Ohren bekommen, denn was Anaïs Nin erlebt hat, und noch dazu in den vierziger Jahren, ist um einiges – nun ja – sagen wir frecher. Anaïs Nin war mit Henry Miller liiert, der 1940 aus Geldnot für einen anonymen „Sammler“ Erotika schrieb. Auch Nin begann für diesen Sammler zu schreiben. Und so entstand dieses Buch.
5. Viele Leser haben Ressentiments gegenüber dem Ebook. Was entgegnest du Ihnen?
Ich persönlich genieße dieses aufregende Prickeln, wenn ich ein Buch entdecke, das ich auf der Stelle lesen möchte und dank Ebook auch sofort lesen kann. Meist beschäftigt man sich ja aus einem bestimmten Grund mit diesem oder jenem Buch. Sich dann sofort ins Lesevergnügen stürzen zu können, ist ein Gefühl wie Weihnachten. Und wer hätte nicht gern öfter Weihnachten?

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

‚Die Bücherdiebin‘ von Markus Zusak war eine Offenbarung – wie der Tod das Leben schildert, in all seiner Pracht, all seinen Farben, ließ mich vieles in einem ganz neuen Licht sehen.

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Das Einssein mit mir selbst. Deswegen schreibe ich am liebsten nachts – soweit es natürlich die täglichen Verpflichtungen erlauben. Der Zauber dieser Stunden, die nur mir ganz allein gehören, ist berauschend… Keine Kinder, kein Telefon, kein Klingeln an der Tür. Die Stille im Haus, die Dunkelheit vor meinem Fenster. Ich liebe die Nacht.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Der Zeitfaktor. Der Tag hat nicht genügend Stunden, für all die Geschichten, die ich zu Papier bringen möchte.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?
 

Jedes Mal! Chaos pur! Ich schreibe ein Exposé, dann eine detaillierte Kapitelübersicht. Ich nehme mir vor, mich an meine Vorgaben zu halten. Und was passiert? Die Charaktere haben ihren eigenen Kopf und machen mir das Leben schwer. Aber irgendwie finden wir immer wieder zueinander, auch wenn sie zuerst in eine ganz andere Richtung laufen, als ich sie gern dirigiert hätte.

10.  Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Bisher hatte ich das Glück, nur Rezensionen mit 4 bis 5 Sterne zu bekommen. Wichtig ist in meinen Augen, dass die Kritik nicht beleidigend ist und auch das Positive erwähnt wird, dann kann man sich objektiv mit den Verbesserungsvorschlägen auseinandersetzen. Mir ist ein ehrliches, konstruktives Feedback sehr wichtig, denn ich will ja lernen und mich verbessern. Ich bekam auch schon mal die Rückmeldung, dass ein richtiger Prinz in Lizzys Leben fehlen würde. Er taucht zwar auf, aber erst am Ende des Buches. Da muss ich wohl ein ernstes Wörtchen mit Lizzy reden. Wer weiß, vielleicht lässt sie sich auf mich ein und im nächsten Buch trifft sie anstatt Frösche nur Prinzen. Auf diese Fortsetzung freue ich mich schon jetzt! Und auf jeden, der mich auf Facebook besucht. Bis bald!


Kommentare:

  1. Vielen Dank für dieses tolle Interview :-) Schön zu lesen, dass auch andere "Nachteulen" sind
    Liebe Grüße Hanne
    (habe deinen Blog über den 1. Blogger-Kommentiermarathon gefunden)

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  2. Klasse Interview. Habe ich gern mit Spannung gelesen, obwohl ich NICHT alles lesen - und schon gar keine Betriebsanleitungen ;) Ich freue mich, die Autorin kennengelernt zu haben und auch auf regen Austausch mit ihr. Danke für das Interview. Liebe Grüße Christina

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  3. Bei der ersten Frage musste ich herzhaft lachen. Da ist echt viel Wahres dran. xD
    Aber auch die anderen Fragen habe ich mit großem Interesse gelesen. Du hast dir verdammt gute ausgedacht. :)
    Hab einen schönen Sonntag.
    GlG
    Kitty ♥

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  4. Wunderschönes Interview, vielen Dank dafür. Mich hat die Antwort auf die erste Frage auch richtig zum Schmunzeln gebracht... :-)

    Liebe Grüsse
    Carmen

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