Samstag, 25. Oktober 2014

Short Fiction Saturday 25. Oktober 2014


Heute möchte ich mal wieder einen Kurztext mit euch teilen. Ursprünglich habe ich ihn in Englisch verfasst, habe ihn dann aber später noch einmal übersetzt. Das Original hänge ich einfach mal an, weil bei der Übersetzung ja doch immer ein bisschen was verloren geht.


Schnee-Engel

Das Schlimmste war diese innere Unruhe. Sie konnte in diesem Haus voller Fremder einfach nicht ruhig bleiben. Sie starrte in die Nacht hinaus und beobachtete den Schnee, der in dicken Flocken vom Himmel fiel, während ihre Finger die filigranen Zweige und Farnwedel nachzeichneten, die der Frost an ihre Fensterscheibe gemalt hatte.
Ihre Füße kribbelten. Ein Gefühl wie Ameisen, die überall auf ihrem Körper herumkrabbelten. Sie musste sich bewegen. Sie war es leid herumzusitzen. Sie hasste diesen Ort, der so voller fremder Geräusche und Gerüche war, die sie einfach nicht einordnen konnte.
Die anderen sprachen unaufhörlich über Dinge, die sie nicht verstand. Sie sprachen mit gedämpften Stimmen – sprachen über sie. Alle freundlich und stets lächelnd – doch Kummer und Sorge standen ihnen in die Gesichter geschrieben.
Dann hin und wieder ein bekanntes Gesicht – wie der Hauch eines angenehmen Dufts der vorbeiweht, während jemand sich in der Menge an einem vorbeidrängt. Doch kaum hat man sich umgedreht, ist er schon wieder verschwunden.
Auf Zehenspitzen schlich sie die Treppe hinunter und dachte an Weihnachtsmorgen, an denen sie ins Wohnzimmer geschlichen war, um ihre Geschenke zu zählen. Fäustlinge und kratzige Mützen, heiße Schokolade und Schneeballschlachten. Zarte Schneeflocken, die auf der Zunge zergingen, der Duft von Zimt und Apfelsinenschalen. Das Geräusch, das Stiefel machten, wenn sie durch überfrorenen Schnee stapften, knackig und knuspernd wie die Kruste auf einer Crème Brûlée. Und Schnee-Engel! Wie sie es liebte Schnee-Engel zu machen! Es drängte sie nach draußen zu gehen – irgendwohin - dieses Haus und seine fremden Gesichter hinter sich zu lassen. Sie konnte sich an den unaufdringlichen Geruch von Vaters Zigarren erinnern, der den Vorhängen anhaftete. Sie sehnte sich nach etwas Vertrautem, nach etwas, an das sie sich klammern könnte. Etwas, das ihr das Gefühl geben konnte keine Fremde mehr zu sein und das ihre rastlosen Glieder beruhigen würde. Schnee-Engel. Sie lächelte.
Vorsichtig versuchte sie die Glastür zu öffnen aber sie wollte sich einfach nicht bewegen. Frustriert und wütend schlug sie mit den Fäusten dagegen, dass das Glas zitterte. Verzweifelte Tränen liefen ihr über die Wangen, während sie die Stirn und ihre Handflächen gegen das kühle Glas presste.
Schritte hinter ihr auf der Treppe – das Licht wurde angemacht.
„Was tust du denn hier?“
„Ich möchte nach draußen“, schluchzte sie. „Es schneit. Ich kann es nicht ausstehen, hier zu sein.“
„Du kannst jetzt nicht nach draußen.“ Die Stimme klang nun gequält. „Nicht im Nachthemd. Wir gehen morgen zusammen spazieren, ich verspreche es dir. Wir könnten zu Gittis Kaffeehaus laufen und Waffeln essen.“
„Ich will keine Waffeln!“ Ihr ganzer Körper wurde von heftigen Schluchzern geschüttelt. „Ich will nach Hause!“
„Aber Omi, du bist doch zu Hause.“ Die Stimme hinter ihr zerfloss in Tränen. Sie fühlte eine warme Hand auf ihrer Schulter. „Komm, ich bringe dich wieder in dein Bett.“


Snow Angels

The worst part of it was her restlessness, she just couldn’t stay calm in this house full of strangers. Staring out into the night she watched the snow fall in thick flakes, her fingers tracing the delicate branches and ferns the frost had painted onto her window.
Her feet felt itchy. Ants all over her body, she needed to get moving. She was sick of sitting around. She hated this place, so full of unfamiliar sounds and smells she just couldn’t place.
The others always talking about things she didn’t understand or talking in hushed voices, talking about her. All friendly and smiley but sorrow and anxiety were etched into their faces. Every now and then a familiar face – like a whiff of perfume that you like when somebody brushes past you in the crowd, and when you turn your head it’s gone.
Tiptoeing down the stairs she remembered Christmas mornings, sneaking downstairs to count the presents, woollen mittens and scratchy bobble hats, hot cocoa and snow ball fights. Snowflakes melting on her tongue, the smell of cinnamon and orange peel, the sound your boots made breaking through the surface hoar – crisp like the crust on crème brûlée.
And snow angels! How she loved making snow angels. She was aching to get outside, go someplace, leave this house and its strange faces, she remembered the faint smell of father’s cigars clinging to the drapes. Yearning for something familiar, something to hold on to, something that made her feel less of a stranger, something that would calm her restless limbs. Snow Angels. She smiled to herself. Carefully she tried to slide open the glass doors but they just wouldn’t move. Desperate she banged her fists against doors, making the glass shake. Crying in frustration she pressed her palms and forehead against the cool glass, tears slinking down her cheeks.
Steps hurrying down the stairs behind her – somebody flicking on the light.
“What are you doing??”
“I want to go outside”, she cried. “It’s snowing. I can’t stand being here.”
“You can’t go out now”, the voice said sounding pained. “Not in your nighty. I’ll take you for a walk tomorrow, I promise. I could take you to Susan’s Coffee House and we could have waffles.”
“I don’t want waffles”, she sobbed, her whole body shaking. “I want to go home.”
“Nana, you are home”, the voice dissolved in tears. She felt a hand on her shoulder “Come on, let’s get you back to bed”.

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