Sonntag, 26. Oktober 2014

Sonntagsbrunch mit der Autorin Evelyn Boyd



Heute bruncht mit mir Mystery-Autorin Evelyn Boyd. Ihr Debüt „Herz aus Stein?“ erschien beim Cora-Verlag und wurde 2014 in einem Dreifachband noch einmal aufgelegt. 2013 und 2014 folgten zwei Romane bei Carlsen impress (Kjell – Das Geheimnis der schwarzen Seerosen und Das verwunschene Karussell). Gerade diesen Monat ist das Dreamland-Grusel Hörspiel "Die Macht des Mondes" erschienen, zu dem Evelyn das Skript verfasst hat. Neben bekannten Sprechern wie Christian Rode, Martin Keßler, Gabrielle Pietermann, Dietmar Wunder und Christian Stark hat auch die Autorin eine kleine Rolle. Die Arbeit am zweiten Teil ihrer Seerosen-Saga hat sie abgeschlossen. Das Buch wird voraussichtlich im Winter 2014/2015 bei im.press erscheinen. Wir dürfen gespannt sein. 


Ich freue mich sehr, sie heute beim Sonntagsbrunch begrüßen zu dürfen.


Liebe Evelyn, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee?  

Regelmäßig Kaffee, aber gerne (vor allem in dieser herbstlichen Zeit) auch mal eine Kanne Tee. Am liebsten Ingwer- und Fencheltee mit Honig.
Milch, Zucker, schwarz? 
Milch - viel Milch, kein Zucker.
Herzhaft oder süß? 
Herzhaft.
Warm oder kalt? 
Der Kaffee? Heiß! Richtig heiß!

1.  Du bist laut Biografie eine waschechte Hamburger Deern. Was verbindest du mit Hamburg und inwiefern hat dich deine Heimat geprägt?

Ich liebe meine Heimatstadt, die ich immer noch als die schönste Stadt der Welt empfinde, auch wenn ich aktuell an der Küste wohne. Ganz besonders toll ist es, dass es in Hamburg so viel Wasser gibt. Nicht nur den Hafen bzw. die Elbe, sondern z.B. auch die Alster und viele Kanäle, die der Stadt ein ganz besonderes Flair geben. Hamburg hat ja bekanntlich mehr Brücken als Venedig. Ich liebe es spazieren zu gehen und dabei auf das Wasser zu gucken. Diese Nähe zum Wasser hat mich sehr geprägt und als ich einige Zeit mal in einer Stadt gewohnt habe, wo es im weiteren Umfeld keinen größeren See oder Fluss gab, habe ich es richtig vermisst. Außerdem empfinde ich die Hamburger als offene Menschen. In Hamburg lebt auch meine Familie und viele meiner Freunde, so dass ich natürlich auch weiterhin dieser Stadt tief verbunden bin. 

2.  Dein Roman „Kjell – Das Geheimnis der schwarzen Seerosen“ spielt in Schweden und die Beschreibung der Umgebung wirkt sehr realistisch. Warst du selbst schon einmal dort?

Ja, meine Geschichte spielt an einem Ort in Schweden, an dem ich tatsächlich mehrere Jahre meine Ferien verbracht habe. Es existiert also tatsächlich alles so wie in meinem Buch beschrieben: der kleine Ort mit dem ICA Markt; die Seenplatte, der wundervolle Naturstrand, den wir immer unsere Karibik genannt haben, wenn wir dort mit dem Boot anlegten, um schwimmen zu gehen; das rote Schwedenhaus, die alte Holzbrücke zum Wald, unter der in der Abenddämmerung immer die Fledermäuse über dem Wasser nach Insekten jagen; sogar der versteckte, schwarze Waldsee mit dem moorigen Geruch und wer weiß, vielleicht ja sogar Kjell ;)

3.  Steckt ein bisschen Evelyn Boyd in deinen Heldinnen Sofie (Kjell) und Caitlin (Das verwunschene Karussell)?  Oder seid ihr gänzlich verschieden?

Irgendwie steckt immer ein wenig von einem selber in den Protagonisten - denke ich. Schließlich erschafft man die Figuren mit seiner Phantasie. So fließt auch ein Teil der eigenen Seele mit in die Personen ein. Aber natürlich sind meine Heldinnen keine Abziehbilder von mir. Sie haben vielleicht einige Wesenszüge von mir, manche von meinen Freundinnen und dann wieder auch völlig andere Charaktereigenschaften, die sich beim Schreiben quasi von selber entwickeln. Durch diesen Mix entstehen völlig eigene Persönlichkeiten. Von den beiden genannten Figuren ist mir Sofie vermutlich noch am ähnlichsten. Sie liebt Skandinavien, die Natur und hat einen Hang dazu, sich in emotional unzugängliche Jungs zu verlieben ;)

4.  Liest du selbst gern Mystery? Was sind deine bevorzugten Genres?

Ich liebe Mystery und Romantasy! Ich lese alles mögliche aus dem Genre, aber natürlich auch andere Genres. Gerne lese ich auch Krimis und Jugendbücher.

5.  Du bist Autorin bei Carlsen impress, einem digitalen Imprint. Viele Leser haben Ressentiments gegenüber dem Ebook. Was entgegnest du Ihnen?

Das ist immer noch ein Problem. Viele Leser lesen nur gedruckte Bücher. Sie wollen die Seiten fühlen, am Buch riechen und es beim Lesen einfach spüren. Einige stehen dem neuen Medium kritisch gegenüber. Das kann ich auch verstehen. Aber natürlich hat auch ein Ebook Vorteile und die muss man erst mal für sich entdecken. Ich weise gerne darauf hin, wenn man mich fragt, aber ich würde niemanden, der nur gedruckte Bücher lesen will, mit Macht überzeugen wollen. Das muss jeder für sich selber entscheiden. Ich persönlich finde eine Mischung schön. Ich liebe mein Bücherregal und lese gerne in der Wanne das klassische Buch. Aber für das Ebook spricht auch einiges. Man bekommt es sofort, wenn man es online bestellt und muss nicht erst auf den Postboten warten. Wenn ich am Sonntag Lust auf ein neues Buch habe, dann hole ich es mir schwups auf meinen Reader und schon kann ich lesen! Für mich der größte Vorteil. Man kann zudem gaaaaanz viele Bücher dabei haben, wenn man in den Urlaub fährt, beim Arzt wartet oder in der Bahn sitzt und muss sich nicht abschleppen. Es gibt viele richtig gute Ebooks von tollen Autoren super günstig. Gerade von den neuen Imprint Labels der großen Verlage werden tolle und preiswerte Ebooks angeboten, und es gibt wirklich viele verschiedene Geschichten bei Im.press zu einem Wahnsinns Preis. Was bekommt man denn sonst schon noch für ca. 3 bis 4 Euro?

6.  Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Harry Potter

7.  Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Beim Schreiben erlebe ich die Geschichte mit den Protagonisten zusammen. Es ist wie ein Abenteuer, wie ein Urlaub von der Realität und alles, wirklich alles ist möglich! Man kann Gargoyles besiegen, Trolle treffen und sogar die Liebe eines Wassergeistes gewinnen...

8.  Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Ich lenke mich, vor allem zu Beginn eines neuen Manuskripts, zu gerne mit anderen Dingen ab. Gerade Facebook, Youtube und endlose Telefongespräche mit Freunden sind immer große Versuchungen. Wenn ich aber in der Geschichte drin bin, dann fließt es förmlich aus mir heraus. Die Figuren entwickeln quasi ein Eigenleben und bestehen darauf, dass ich die Geschichte weiter schreibe. Hilfreich ist für mich immer eine Deadline. Ich brauche immer etwas Zeitdruck, damit ich mich nicht so leicht ablenken lasse.

9.  Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Ja, das passiert mit häufiger mal. Die Protagonisten entwickeln ihren eigenen Kopf und nehmen mich dann mit auf das Abenteuer. Während ich mir noch denke, nein, du sollst jetzt lieber nicht mit dem Typen mitgehen, tun sie es einfach und ich muss dann zusehen wie ich im Rahmen meines Plots damit umgehe. Die Protas sind wirklich manchmal echt schwierig *lach*.

10.   Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Konstruktive Kritik ist eher hilfreich. Bei konstruktiven Vorschlägen versuche ich, in mich zu gehen und für mich zu fühlen, was stimmt davon, was kann ich besser machen, was kann ich umsetzen und was nicht? Aber es gibt natürlich auch Kritik, die nicht hilfreich, sondern verletzend ist. Dumme Kommentare und unqualifiziertes Niedermachen erlebt wohl jeder Autor, gerade über das Medium Internet in Form von Rezensionen immer mal wieder (z.B. solche Bemerkungen wie: Ich mag das Genre nicht oder ich mag es nicht, wenn Autoren in der Ich-Form schreiben. Habe das Buch deshalb nicht weiter gelesen 1 Stern.) Da fragt man sich als Autor schon, welchen tieferen Sinn solche Bewertungen und Äußerungen haben. Warum war es dem Leser oder eben Nicht-Leser ein Bedürfnis, solch eine negative Rezension zu schreiben? Hat der keine anderen Hobbys?
In solchen Fällen ist es schon schwer, sich davon nicht niedermachen zu lassen, sondern weiter zu schreiben. Schließlich kann man es nicht es nicht jedem recht machen. Zum Glück gibt es auch viele Menschen, die einen bestärken und sich auf das nächste Buch freuen. Und genau für diese Leser erscheint im Winter 2014/2015 auch der zweite und abschließende Teil von Kjell. Ich persönlich mag diesen zweiten Teil sogar noch lieber als den ersten Band und bin sehr gespannt auf die (hoffentlich) schönen Rückmeldungen von den Lesern. :)

Ich danke dir, dass du dir die Zeit für uns genommen und ein bisschen aus deinem Schreibstübchen geplaudert hast. Ich freue mich schon auf den zweiten Band deiner Seerosen-Saga und auf weitere Projekte aus deiner Feder. Ich wünsche dir dabei auch weiterhin viel Erfolg.

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