Montag, 8. Dezember 2014

Lesung in der virtuellen Realität: Conny live auf Second Life

Bild: Oli Pennell
Am Nikolausabend hatte ich das seltene Vergnügen, in einer virtuellen Welt aus meinem Chicklit-Roman "Conny und die Sache mit dem Hausfrauenporno" zu lesen (Forever by Ullstein, Juli 2014). 

Für mich eine absolute Premiere. Meine erste öffentliche Lesung - und meine erste virtuelle Lesung in einem. In den Jahren von 2007-2010 war ich eine Weile in Second Life recht aktiv in Sachen Tarot, habe Vorträge gegeben (meistens auf Englisch) und Tarot-Beratungen. Aber eigene Texte vorzutragen - das ist für mich immer noch neu. Ich habe festgestellt, dass es mich weit nervöser macht, als anderweitig öffentlich zu sprechen. Aber dieses Mal hielt sich die Nervosität in Grenzen. Ob es an der Virtualität lag oder am freundlichen Empfang und dem netten Publikum - oder an beidem - es war jedenfalls eine wundervolle Erfahrung. Stattgefunden hat das Ganze im Second Life Stuttgart in einer liebevoll gestalteten Küchenkulisse von ClaireDiLuna Chevalier.
Bild: Oli Pennell - Kulisse: ClaireDiLuna Chevalier
Anders als der Titel vermuten lässt, ging es natürlich überhaupt nicht pornös zu. Schließlich geht es in meinem Roman nicht wirklich um "Porno", sondern um eine alleinerziehende Mutter, die in ihrer Freizeit unter Pseudonym erotische Literatur für Frauen (á la Shades of Grey) verzapft - salopp gesagt: Hausfrauenporno. Ihr neuer Verlagschef - durch und durch Marketing-Mensch - hat eine gewagte Idee, um ihre Bücher zu promoten und Conny gleichzeitig zu ermöglichen, ihre Anonymität zu wahren: Ihrem Pseudonym wird einfach ein attraktives männliches Gesicht verpasst. Ein gutaussehender Enddreißiger mimt fortan in der Öffentlichkeit den Erfolgsautor - was Conny in zunehmendem Maße ärgert. Schließlich sind es in Wahrheit ihre Bücher! 
Während ihr der Hype um den angeblichen Autor mächtig auf den Geist geht, gestaltet sich auch der Rest ihres Lebens turbulent mit zwei aufgeweckten Kindern, einem Teilzeitjob, einem anhänglichen neuen Nachbarn, einem E-Mail-Flirt mit einem Unbekannten und nicht zuletzt der "Selbsthilfegruppe": Connys drei besten Freundinnen Steffi, Kirsten und Anja. Die sehr unterschiedlichen Freundinnen schlagen sich ebenfalls mit diversen Problemen herum. Steffi versucht erfolglos schwanger zu werden. Der beruflich erfolgreichen Gefäßchirurgin Kirsten fehlt der Mann zum großen Glück und sie versucht es mit Power-Dating und Dating-Portalen im Internet und Anja - die Emanze der Truppe, die nicht viel von festen Bindungen hält, schliddert ohne es so recht zu wollen mitten in eine Beziehung mit einem Kollegen. Als ob das nicht genug wäre, erhält Conny plötzlich rätselhafte Drohbriefe - wer steckt dahinter? Ist ihr Email-Flirt womöglich in Wahrheit ein psychopathischer Stalker? Hat sie einem Schüler zu schlechte Noten verpasst? Oder ist es einfach ein harmloser Jungenstreich?

Bild: BukTom Bloch - Second Life Stuttgart
Soweit zum Inhalt. Wie muss man sich denn nun eine virtuelle Lesung vorstellen? Die Fotos geben einen kleinen Eindruck davon, wie es in Second Life aussieht. Im Prinzip ist es wie ein Computerspiel. Man kann sein virtuelles Ich - den Avatar - lenken, mit Menschen und Gegenständen interagieren und eben auch chatten. Das geht entweder schriftlich - per Tastatur - oder mit Mikro (oder Headset) per Voice-Chat. So kann man live aus dem heimischen Wohnzimmer lesen, während die Zuhörer gemütlich vor ihren eigenen Geräten sitzen. Eigentlich super praktisch. Ähnlich funktionieren auch Live-Konzerte in der virtuellen Realität, dabei wird allerdings meistens Streaming-Media-Technologie verwendet. Ich habe schon wirklich tolle Musiker in Second Life erlebt. 

Ich fand die Lesung wirklich angenehm und war schon nach kurzer Zeit überhaupt nicht mehr nervös. Das Publikum war sehr nett und freundlich und interessiert. Ganz toll! Es ergaben sich sogar witzige Namensparallelen zwischen zwei Buchcharakteren und den Realnamen der Veranstalter (Kueperpunk Korhonen und Zauselina Rieko von der SL-Autorengruppe "Brennende Buchstaben"). 

Definitiv eine Erfahrung, die nach Wiederholung schreit, zumal Second Life in der Fortsetzung meines Romans (voraussichtlich Februar 2015 bei Forever by Ullstein) sogar eine nicht ganz unerhebliche Rolle spielt.


Bild: Oli Pennell - Zuschauerraum
Vor mir las Jens Eggert auf der postapokalyptischen Lesebühne von Jan-Tobias Kitzel aus seinem dystopischen Werk "Bad Medicine". Leider konnte ich nicht bei der gesamten Lesung online sein. Die Ausschnitte, die ich mitbekommen habe, klangen allerdings sehr spannend. 

Rückblick von Kueperpunk Korhonen
Bericht von BukTom Bloch
Bericht von Markus Gersting
Bericht von Sabine Schäfers


Jens Eggert mit "Bad Medicine" auf der postapokalyptischen Lesebühne
Ein wunderbarer Lesungs-Abend für den mein Dank den Veranstaltern und dem tollen Publikum gleichermaßen gilt!



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