Sonntag, 21. Dezember 2014

Sonntagsbrunch mit der Autorin Halo Summer



Heute freue ich mich ganz besonders, eine Autorin begrüßen zu dürfen, die eine Lichtgestalt für alle Self-Publisher und Indies sein dürfte, da ihre Geschichte Hoffnung macht, dass man auch jenseits der ausgetretenen Branchenpfade ganz erfolgreich wandeln kann. Im August 2011 veröffentlichte Halo Summer den ersten Band ihrer Sumpfloch-Saga, die mittlerweile sechs Bände umfasst. Unterdessen arbeitet Halo an Band 7; ein Spin-Off mit dem Titel Taim - Die Spur des weißen Tigers kam Ende Oktober heraus.

Autorin der Sumpfloch-Saga: Halo Summer




Liebe Halo, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee?
Milch, Zucker, schwarz?
Herzhaft oder süß?
Warm oder kalt?


Tee mit Milch ohne Zucker, bitte. Und alles Essbare gerne herzhaft und warm!

1. Du bist sehr fleißig und hast in den drei Jahren nicht nur die Sumpfloch-Saga, sondern auch zwei Rabenschwärze-Bände verfasst. In deiner Vita lese ich, dass du auch noch Kinder- und Jugendmagazine betreust und Comics übersetzt. Wie lange schreibst du täglich, um all das zu schaffen?

Die Rabenschwärze-Bände und Band 1 der Sumpfloch-Saga hatte ich schon in der Schublade, als ich vor drei Jahren anfangen habe, Bücher selbst zu veröffentlichen. Danach war viel Disziplin notwendig, um beides – meine Aufträge und das Schreiben neuer Bücher – innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens zu schaffen. Ich habe nachts und am Wochenende gearbeitet, um nichts zu vernachlässigen. Zum Glück liefen die Bücher bald so gut, dass ich es mir erlauben konnte, Magazine abzugeben oder Aufträge nicht anzunehmen und mir dadurch zusätzliche Zeit zum Schreiben zu erkaufen. Mittlerweile habe ich mich ganz aufs Schreiben verlegt, arbeite also nur noch als Schriftstellerin. Ich arbeite immer noch täglich, auch am Wochenende, aber je nach Lust, Laune und Stadium eines Buches können das drei oder vierzehn Stunden am Tag sein, die ich am Schreibtisch verbringe.

2. Als du den ersten Band der Sumpfloch-Saga verfasst hast, hattest du da schon über Veröffentlichung nachgedacht oder hast du erst einmal nur für dich geschrieben?

Ich wollte immer Bücher schreiben, die auch gelesen werden. Eine Geschichte, die niemand liest, erwacht nicht zum Leben; sie bleibt im Grunde unerzählt und das ist ein sehr trauriger Zustand, sowohl für die Geschichte als auch für die verhinderte Schriftstellerin. Trotzdem habe ich immer weitergeschrieben, in der Hoffnung, dass meine Geschichten eines Tages auf irgendeine wunderbare Weise doch noch zu ihren Lesern finden. Durch die Self-Publishing-Plattform von Amazon ist das Wunder dann tatsächlich wahr geworden.

3. Hast du eine Lieblingsfigur in der Sumpfloch-Saga? Wenn ja, welche deiner Romanfiguren hat es dir besonders angetan?

Ich müsste jetzt mindestens zehn Namen aufzählen, deswegen lasse ich das lieber. Ich schätze, mit den Romanfiguren ist es wie mit eigenen Kindern: Man sieht in jeder einzelnen Figur etwas ganz Besonderes und ist so vernarrt in sie, dass man gar nicht objektiv sein kann. Wenn mir ein Leser schreibt, dass er diese oder jene Person absolut nicht leiden kann, dann spricht das zwar grundsätzlich für die Lebendigkeit der Charaktere, da sie so heftige Emotionen auslösen, aber ich bin dann auch stellvertretend für meine Figuren beleidigt. Sie sind alle liebenswert – ausnahmslos :-) Und deswegen sind sie alle meine Lieblinge.

4. Wie schwer fällt es dir, dich von der Reihe zu trennen? Wird der neunte Band tatsächlich der letzte werden? Auf was dürfen sich die Leser danach von dir freuen?

Ich lasse es mir offen, ob die Reihe am Ende acht oder zehn Bände hat, aber momentan sind neun Bücher geplant und wahrscheinlich bleibt es dabei. Ich schließe weitere Spin-Offs nicht aus. Die Vorstellung, über einzelne Personen in der Vergangenheit oder Zukunft noch mehr zu berichten, tröstet mich über das nahende Ende der Geschichte hinweg. Andererseits fürchte ich mich als phobisch veranlagter Mensch immer davor, dass ich die Saga womöglich nicht fertigschreiben kann, weil ich mit dem Flugzeug abstürze oder so etwas. Man weiß ja nie. Also werde ich in der Hinsicht erst richtig beruhigt sein, wenn der letzte Satz geschrieben und veröffentlicht ist.

5. Hast du einen heißen Tipp für andere Self-Publisher? Wie kann man es schaffen, aus der Masse der Veröffentlichungen herauszustechen?

Als ich mit dem Veröffentlichen angefangen habe, war es noch viel leichter, für die Leser sichtbar zu werden, denn es gab noch nicht so viel Konkurrenz auf dem Self-Publisher-Markt. Vor drei Jahren waren ein schönes Cover und ein spannender Text ohne Fehler alles, was man brauchte, um weit vorne im Ranking zu landen. Jetzt ist das die Mindestanforderung. Es gibt Maßnahmen, mit denen man sein Buch pushen kann – Leserunden, Werbung, Gratis-Aktionen – aber die greifen nur, wenn das Buch bei sehr vielen Lesern den richtigen Nerv trifft, sodass sie anfangen zu lesen, nicht mehr aufhören können und das Buch begeistert weiterempfehlen. Und das lässt sich nicht planen. Dazu gehört neben mitreißenden Ideen und gewissenhafter Arbeit eben auch großes Glück.

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Ich glaube, ich möchte nur meine eigenen geschrieben haben. Es gibt Bücher, die ich sehr liebe und bewundere – so zum Beispiel „Herr der Ringe“ oder  „Harry Potter“ – aber die haben andere Leute geschrieben und das ist gut so. Sie haben mich damit bereichert und inspiriert und meinen Horizont erweitert. Meine eigenen Bücher sind Antworten auf all die schönen Bücher und Filme und Musikalben, die mich bisher glücklich gemacht haben.

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Ich kann mir schreibend Ebenen und Dimensionen des Lebens erschließen, die mir sonst verschlossen bleiben würden. Ich tauche ein in andere Welten, Charaktere, Zusammenhänge und Beziehungen. Ich bewege mich dabei durch die Köpfe und Körper anderer Geschöpfe und fühle mit ihren Herzen. Und all das versuche ich in Worte zu fassen. Das ist das Schöne, aber auch das Anstrengende daran: dass so viele Gefühle in angemessene Worte gepackt werden müssen.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Die Angst vor dem weißen Blatt Papier – oder in meinem Fall der leeren Word-Datei – und mein innerer Schweinehund. Es kostet mich immer wieder Überwindung, ins Nichts zu springen und etwas, das nicht greifbar existiert, in einen Text zu verwandeln. Mal klappt es gut, mal ringe ich mit Problemen. Manchmal bin ich so vom Schreibfieber gepackt, dass es mir nicht ganz so schwerfällt, loszuschreiben. Aber generell gibt es da eine innere Hürde, wenn ich mich morgens an den Schreibtisch setze. Und immer die Versuchung, mich mit sinnlosen Dingen abzulenken, statt es anzugehen.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Ich denke, umso lebendiger ein Charakter ist, desto mehr Eigenleben entwickelt er. Und da kann es auch schon mal passieren, dass er plötzlich Dinge tut oder fühlt, die einen überraschen. Es gibt ja Schriftsteller, die ihr ganzes Buch akribisch durchplanen. Solche Bücher werde ich nie schreiben. Es würde mich langweilen, das Schreiben wäre kein dynamischer, lebendiger Prozess mehr. Ein bisschen Planung ist notwendig, aber ich bin auch immer bereit, meinen Plan abzuwandeln oder komplett umzuwerfen, wenn es die Geschichte erfordert. Alles, was lebendig ist, widersetzt sich einem zu strengen Plan.

10.  Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Ich bin da absolut nicht gelassen und werde es auch nie sein. Solange ich mich über Lob freue, wird mir Tadel Kummer bereiten. Ich weiß natürlich, dass man nur etwas dazulernen kann, wenn man Kritik ernst nimmt. Äußern sich also zehn Rezensenten zu dem gleichen Problem, denke ich darüber nach. Ansonsten bin ich einfach nur geknickt, wenn jemand meine Bücher nicht mag und darüber herzieht. Wobei ich in der Hinsicht wirklich verwöhnt bin. Andere Autoren müssen viel mehr Kritik, Beschimpfungen oder Häme einstecken als ich. Bisher hatte ich großes Glück. Die meisten meiner Leser meinen es gut mit mir und teilen meine Begeisterung. Wir sind alle Sumpfloch-Fans und das verbindet.

Liebe Halo, von mir bekommst du auf jeden Fall einen dicken Sack Lob. Beim ersten Band war ich noch skeptisch und dann wurde ich ganz tief eingesaugt in die Welt von Sumpfloch und freue mich mit jedem neuen Band, dass ich wieder dort sein darf. Die Reihe gefällt mir richtig gut und es freut mich besonders, dass du es aus eigener Kraft geschafft hast. Das macht sicherlich vielen von uns Mut. Danke, dass du heute hier warst und dich meinen Fragen gestellt hast. 

Hier geht es zu meiner Buchbesprechung von Flüsterland und Zauberzeit (Band 6 der Sumpfloch-Saga)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen