Sonntag, 7. Dezember 2014

Sonntagsbrunch mit der Jugendbuchautorin Kari Erlhoff



Heute freue ich mich ganz besonders, eine sehr vielseitige Autorin zum Brunch begrüßen zu dürfen: Kari Erlhoff. Unter ihrem Geburtsnamen Kari Ehrhardt hat sie drei Jugendbücher veröffentlicht und ist insbesondere als Autorin zahlreicher Bände der Jugendkrimiserie „Die drei ???“ bekannt geworden. Daher lässt sich vielleicht auch ihre große Affinität zum Hörspiel und multimedialen Projekten erklären. Denn sie schreibt auch Hörspiel-Skripte und wirkt in der Redaktion des Internet-Portals AUDIYOU mit. 



Liebe Kari, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:
Kaffee oder Tee?

Kaffee!

Milch, Zucker, schwarz?

Milch, 1,5% Fett, kein Milchschaum

Herzhaft oder süß?

Gemischt: Eine Laugen-Croissant mit Frischkäse und Marmelade wäre toll.

Warm oder kalt?

Heißer Kaffee, kalte Brötchen

1. Du schreibst nicht nur Bücher, sondern bist als freie Autorin, Texterin und Online-Redakteurin tätig, gibst Kurse und Workshops. War das Schreiben schon immer dein Traumberuf?

Ja und nein. Als Kind habe ich eher von einem eigenen Ponyhof geträumt, dann von einer Karriere als Comiczeichnerin. Später habe ich meinen Traumjob als Pressereferentin gefunden. Das Schreiben hat mich dabei aber immer begleitet. Erst als Hobby, dann als Nebenberuf und schließlich als Haupterwerb. Trotzdem: Von morgens bis abends nur Schreiben wäre mir zu monoton. Ich brauche den Austausch mit anderen Menschen. Daher gebe ich ja auch die Workshops und mache Lesereisen.

2. Deine Jugendbücher zeichnen sich für mich besonders durch ihre ungewöhnlichen, oft leicht verschrobenen Charaktere aus. Welcher deiner Jugendbuchcharaktere ist dir beim Schreiben besonders ans Herz gewachsen und warum?

Bei Finn und Collie hatte ich gleich mehrere Jahre, um sie kennenzulernen. Immerhin habe ich schon 2009 mit der Arbeit an „Giraffen in Finnland“ begonnen und das fertige Buch dann erst im Herbst 2013 abgegeben. Trotzdem mag ich auch die vorsichtige Maja aus „Reise mit Kaktus“.  Sie ist zwar anders als ich, trotzdem konnte ich mich beim Schreiben besonders gut in sie und ihre Sorgen und Nöte hineinversetzen. Und dann ist da noch die quirligen Aphrodita aus „Alles Anders“. Meine allererste Jugendbuchheldin. Ich fürchte, ich kann einfach keine eindeutige Antwort auf die Frage geben. Sie liegen mir alle gleichermaßen am Herzen – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

3. Seit 2008 gehörst du zum Autorenteam der Jugendkrimiserie „Die drei ???“, mit der die meisten unserer Generation – vor allem in der Hörspielform – aufgewachsen sind. Kannst du die alten Hörspiele immer noch unbeschwert genießen oder hörst du sie inzwischen zu sehr mit dem beruflichen Ohr?

Von richtig entspanntem Genuss kann da leider keine Rede mehr sein. Die drei ??? sind jetzt mein Job. Ich mag diesen Job sehr, aber ich kann Justus, Peter und Bob nicht auch noch in meine Freizeit holen. Zudem werte ich beim Hören ständig die Geschichte aus. Ist gut gekürzt worden, wie funktioniert die Auflösung, wie ist der Spannungsverlauf aufgebaut, gefällt mir die Grundidee, ... Daher höre ich die Hörspiele fast nur noch für berufliche Zwecke. Es gibt hin und wieder aber Ausnahmen. Neulich war ich zum Beispiel im Planetarium in Hamburg, um mir die 3D-Folge „Grab der Inkamumie“ von meinem Kollegen Christoph Dittert anzuhören. Das hat sehr viel Spaß gemacht.

4. Verrätst du uns, woran du aktuell arbeitest?

Gerade habe ich ein neues „Die drei ???“-Buch beendet.  Es wird allerdings erst im Herbst 2015 erscheinen. Einen Titel hat der Verlag noch nicht ausgesucht, aber ich habe schon Coverentwürfe gesehen. Ansonsten arbeite ich gerade für die Hör-Seite Audiyou.de an einem großen Medienprojekt für Kinder.

5. In deinem Jugendbuch „Giraffen in Finnland“ (Carlsen, März 2014) geht es um die ungewöhnliche Freundschaft zwei sehr verschiedener Mädchen, die auf den Prüfstand gerät. Was gehört für dich zu einer richtig guten Freundschaft?

Tja, was gehört für mich zu einer guten Freundschaft? Sicherlich die üblichen Werte wie Ehrlichkeit, „zuhören können“, „füreinander da sein“ und der ganze Kram. Aber für mich ist es auch sehr wichtig, dass man über die selben Sachen lachen kann. Ähnlicher Humor ist einfach super.

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

„Rico, Oskar und die Tieferschatten“. Aber da ist mir Andreas Steinhöfel zuvorgekommen.

 7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?
Der Kaffee in den Schreibpausen ... oder der Tag, wenn das fertige Buch im Briefkasten liegt. Aber natürlich macht auch der Schreibprozess Spaß. Er ist nur streckenweise recht anstrengend.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Das Kino im Kopf in Sprache umzusetzen. Das Problem sollte man als Schriftsteller eigentlich nicht haben, aber ich habe zunächst eine stark visuell geprägte Vorstellung von meiner Geschichte. Hinzu kommt auch schon mal ein ganzer Soundtrack, der zu den Bildern passt. Worte kommen dann erst viel später dazu.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Dauernd. Gerade neulich erst ist jemand spontan zum Bösewicht geworden.

10.  Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Kritik trifft mich schon. Und ich nehme sie grundsätzlich ernst. Meine Kollegin Evelyn Boyd hat hier beim Frühstücksbrunch aber schon richtig gesagt, dass es zwei Sorten von Kritik gibt: Konstruktive Kritik und destruktives Pöbeln.
Kritik ist wichtig für Autoren. Sie ermöglicht uns, sich weiterzuentwickeln, sich zu verbessern und die Wünsche der Leser besser kennen zu lernen. Aber in der anonymen Welt des Internets ist Kritik schwer einzuschätzen. Wenn man nicht weiß, von wem die Kritik kommt, weiß man auch nicht, aus welchen Motiven die Person ihre Rezension schreibt. Hinter der knallharten „Oma Irmi007“ könnte ja der schlimmste Feind aus der Schulzeit stecken. Abgesehen davon leben wir in einer Zeit, in der dauernd alles von allen bewertet wird.  Früher haben das Journalisten für Feuilletons und Testberichte getan. Heute bewertet Tante Trude ihre Waschmaschine, Familie Meier die Ferienpension auf Usedom und Heinz Mustermann die neue Bohrmaschine. Es werden Sterne und Likes vergeben, Rankings erstellt und Meinungen abgegeben. Nicht jede Meinung ist ehrlich, nicht jeder Tipp hilfreich und letztendlich muss man als Autor (und auch als Leser) entscheiden, welche Kritik man als nützlich empfindet. Das wiederum ist nicht ganz leicht. Ich übe das noch ;-)


Übrigens! Zu Karis Jugendroman Giraffen in Finnland könnt ihr euch jetzt bei Carlsen ein kostenloses epub oder wahlweise pdf von "Bittersüße Mondschatten" herunterladen. Das ist die (nicht ganz ernstgemeinte) Vampirserie, zu der Romanheldin Collie (beste Freundin der Protagonistin Finn) Fan-Fictions schreibt. Ich habe sehr gelacht.

Dir, liebe Kari, vielen Dank, dass du dir Zeit für den Sonntags-Brunch genommen und dich meinen Fragen gestellt hast.

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