Sonntag, 11. Januar 2015

Heute beim Sonntags-Brunch zu Gast: Krimi-Autorin Gitta Edelmann


Ich freue mich sehr, heute mit einer lieben Kollegin brunchen zu dürfen, die sich in vor allem dem gepflegten literarischen Verbrechen verschrieben hat. Sie ist Mitglied der „Mörderischen Schwestern“ und bringt schriftstellerisch gern schon mal jemanden um die Ecke. Da ich auf der Frankfurter Buchmesse das Vergnügen hatte, sie persönlich kennenzulernen, konnte ich mich aber davon überzeugen, dass sie privat ganz harmlos wirkt.  Herzlich Willkommen, Gitta Edelmann.



Liebe Gitta, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen: 

Kaffee oder Tee?
Tee, bitte.


Milch, Zucker, schwarz?
Am liebsten mit Milch.

Herzhaft oder süß?
Zuerst herzhaft, danach süß ;-)

Warm oder kalt?
Von beidem etwas?

1. Deiner Biografie entnehme ich, dass du eine reiselustige Person bist. Du hast auch als Übersetzerin im Ausland gearbeitet. Hättest du dir vorstellen können, dass du dort „hängenbleibst“?
 

Ja, durchaus. In Brasilien nicht unbedingt, in Rio de Janeiro habe ich mich doch immer als sehr „anders“ empfunden. Das war zwar spannend, aber ich hätte dort z.B. keine Kinder großziehen wollen.
Später habe ich mit meinem Mann und unserer ältesten Tochter in Edinburgh gelebt und dort meine zweite Tochter bekommen. Da wäre ich am liebsten länger geblieben als die zwei Jahre, die mein Mann dort seine Stelle hatte. Ich habe mich in Schottland sehr zuhause gefühlt und wäre auch später gerne wieder nach Großbritannien gezogen.


2. Du schreibst besonders gern Krimis – sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Was ist der besondere Reiz an einem Kinderkrimi, und was ist der Unterschied zum Krimi für Erwachsene (mal abgesehen vielleicht von Gewaltdarstellungen und Schwere der Verbrechen)?

Meine Kinderkrimis richten sich meist an Kinder ab 8, ich habe auch schon Rätselkrimis für Erstleser ab 6 geschrieben. Natürlich geht es in diesen Geschichten nicht um Mord und grobe Gewalt, sondern um Diebstahl, Entführung eines Tieres, illegales Sprühen oder Ähnliches. Die Hauptsache ist, dass ein Rätsel zu lösen ist, dass die ermittelnden Hauptfiguren Kinder sind und dass der Kinderkrimi neben Spannung auch eine gewisse Leichtigkeit und positive Grundstimmung hat. Die Sprache muss gerade für Leseanfänger einfach und klar aber nicht banal sein. Kinder wirklich anzusprechen hat einen großen Reiz, denn Kinder sind gnadenlose Leser. Wenn ihnen ein Buch nicht gefällt, lesen sie es nicht. Wenn es ihnen aber gefällt, sind sie das allerschönste Publikum!

3. Du gibst auch Schreibworkshops (zumeist im Bildungszentrum des Wissenschaftsladens in Bonn). Was sind dabei deine besonderen Schwerpunkte? 


Zum einen gebe ich verschiedene Workshops zu einzelnen, wichtigen Aspekten des Schreibens, von der Inspiration und dem Anfangen („Ich wollte immer schon mal … schreiben“) bis zu Figurenentwicklung, Dialoge-Schreiben, Krimis oder Kinderliteratur. Außerdem gebe ich seit 1 ½ Jahren Coaching-Kurse, bei dem ich mich mit den Teilnehmerinnen (derzeit sind es nur Frauen) einmal im Monat treffe, um ihre eigenen Texte in der Gruppe zu besprechen und ihnen beim Schreiben über längere Zeit zur Seite zu stehen. Zwischen diesen Terminen tauschen wir uns per email aus.
Im Sommer biete ich eine Intensiv-Woche als „Geschichtenschmiede“ in der Sommerakademie in Alfter an und gelegentlich werde ich von einer Bibliothek oder einer Schule direkt gebucht.
Mein Schwerpunkt ist dabei immer, Menschen in ihrem eigenen Schreiben zu unterstützen, auf sie einzugehen, sie zu fördern, ohne sie zu verbiegen. So eine Art Hilfe zur Selbsthilfe!


4. Du hast aktuell gerade einen sehr schönen England-Krimi herausgebracht (Canterbury Requiem - HIER findet ihr meine Buchbesprechung). Hast du eine besondere Affinität zu den britischen Inseln?

Oh ja. Seit meiner ersten Reise nach England, als ich 17 war, habe ich einen „soft spot“ für die Insel, der sich natürlich durch die Jahre in Edinburgh noch gefestigt hat. Ich habe glücklicherweise eine Freundin, die in Canterbury wohnt und die ich zur Recherche für meine England-Krimis besuchen kann. In diesem Jahr war ich im Herbst außerdem einige Tage in Oxford.
Was mir dort so gefällt, kann ich gar nicht so ganz beschreiben, aber es fängt damit an, dass ich als Teetrinkerin überall problemlos guten Tee serviert kriege ;-).


5. Wie sang Bill Ramsey noch so schön? „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“. Trifft das auf dich zu? Wenn du Zeit zum Lesen findest, bist du dann auch eine Krimiverschlingerin oder bevorzugst du andere Genres?

Ich lese viele Krimis, aber nicht nur. Ein besonderes Lieblingsgenre habe ich eigentlich nicht, ich liebe  es abwechslungsreich: Historisches (auch Sachbücher), Fantasy/Science Fiction, den einen oder anderen Liebesroman, gerne mal (englische) Klassiker oder Gedichte, außerdem natürlich Kinder- und Jugendbücher. Ohne zu lesen kann ich gar nicht einschlafen!

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Harry Potter. Nicht nur wegen des finanziellen Erfolgs, sondern auch, weil ich die Welt, die Joanne Rowling geschaffen hat, so wunderbar durchdacht finde. Ich habe die ersten Bücher mit meinen Kindern zusammen gelesen und bin angeregt dadurch überhaupt erst zum Schreiben gekommen.

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?
 

Die Freiheit des Denkens. Ich kann mir für meine Geschichten alles ausdenken, was ich will, und kann das dann durchs Schreiben wieder aus dem Kopf kriegen, also Platz machen für Neues.
Und wenn ich eine tolle Idee habe oder mir eine Szene gelingt und ich in einen Schreib-Flow komme, ist das ein Glücksgefühl, nach dem man süchtig werden kann.


8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Zeit und Ruhe dafür zu finden, das braucht einige Organisation. Ich arbeite nachmittags noch in einer Offenen Ganztagsschule als Betreuerin und bin außerdem u.a. im Vorstand des Verbands Deutscher Schriftsteller in NRW. Also muss ich mir feste Schreibzeiten einteilen und viel Disziplin aufbringen, um Abgabetermine einzuhalten. Außerdem muss ich natürlich neue Ideen in Konzepte verwandeln und an den Verlag bringen. Das ist manchmal schwierig, ein bisschen wie Hausfrau-Sein – die Arbeit ist eigentlich nie fertig.


9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Oh ja. Und wenn das passiert, weiß ich, dass die Figur „lebt“. Manchmal muss ich dann den Plot ein wenig umstricken, aber das tu ich gerne, weil ich weiß, dass die Szene stimmig ist. Ella Martin, meine Hauptfigur aus Canterbury Requiem, ist besonders lebendig. Sie hat mich in meinem letzten Canterbury-Urlaub zum Kaufen von pinkfarbenen Schuhen verführt. Inzwischen hat sie sogar eine Homepage und ein Facebook-Profil … ;-)

10.  Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Natürlich trifft Kritik immer, es gibt wohl jedem einen kleinen, unangenehmen Stich, wenn sie negativ ist. Ich atme dann tief durch und trete in Gedanken einen Schritt zurück, schaue, woran es liegt, dass meine Geschichte nicht gefallen hat, oft steht es zwischen den Zeilen. Kann ich beim nächsten Mal etwas verbessern? Oder ist die Leserin enttäuscht, weil sie normalerweise etwas ganz anderes liest und falsche Vorstellungen hatte? Das kommt relativ häufig vor. Oder mag der Leser einfach meinen Stil nicht? Es ist ja alles Geschmackssache. Solange die Kritik sachlich begründet wird, kann ich damit gut leben.
Über positive Kritik freue ich mich natürlich sehr, vor allem, wenn ein Aspekt so angekommen ist, wie ich es mir gedacht habe.
Manchmal ist eine Rezension aber einfach zum Lachen. Über meine „Kleinen Morde für Zwischendurch“ wurde einmal geschrieben: „Sehr schöne Geschichten, aber sie sind zu KURZ!“ Okay, es ist ein Kurzkrimiband …


Ich danke dir, liebe Gitta, dass du dich heute meinen Fragen gestellt hast und freue mich schon auf den nächsten England-Krimi aus deiner Feder. 

Ich danke dir für den Brunch – und jetzt gehe ich frisch gestärkt wieder an genau dieses Manuskript. „Canterbury Serenade“ soll ja im Herbst erscheinen und es gibt da gerade einige Verwicklungen …

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen