Sonntag, 22. Februar 2015

Sonntagsbrunch heute mit der Autorin Emily Bold

Ich freue mich ganz besonders, heute mit einer lieben Kollegin brunchen zu dürfen, die ich sogar schon kurz live und in Farbe auf der Buchmesse bei unserem Forever Meet & Greet begrüßen durfte. Sie ist eine der bekanntesten deutschen Self-Publisherinnen und hat bereits fünfzehn deutsche und sechs englischsprachige Bücher erfolgreich auf den Markt gebracht. Hauptsächlich hat sie sich der Romantik verschrieben – ihre Spezialität sind Liebesromane und Historische Liebesromane. Herzlich Willkommen, Emily Bold.

 
Liebe Emily, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee? Cappuccino oder Kakao – Tee nur sehr selten.
Milch, Zucker, schwarz? Meinen Cappuccino trinke ich leicht gesüßt, Kakao ohne Zucker.
Herzhaft oder süß? Eher herzhaft ;)
Warm oder kalt? Kalt, bitte.

1. Deiner Biografie entnehme ich, dass du eine reiselustige Person bist (allerdings fliegst du offenbar genauso ungern wie ich). Was sind deine liebsten Reiseziele?

Ungern ist dabei absolut untertrieben. Ich bin mir sicher, dass die Lufthansa meinen Sitz im Flugzeug nach dem Flug in die USA austauschen musste, da dieser aufgrund meines panischen „Festkrallens“ irreparable Schäden hatte.
Deswegen reise ich bevorzugt mit unserem sehr komfortablen Wohnwagen. Meine Lieblingsziele sind ganz klar England bzw. Schottland, Italien, Frankreich – aber auch durchaus Ziele in Deutschland. Amerika würde mich trotz aller Flugangst auch nochmal reizen – dafür lasse ich mir aber noch ein paar Jahre Zeit.

2. Wie kommt man dazu, historische Liebesromane zu schreiben? Hast du dich schon in der Schule besonders für Geschichte interessiert?

Nein, mit der Schule hat das nichts zu tun. Wenn man einen derartigen Roman liest, gefällt er – oder eben nicht. Mir haben die Geschichten um Intrigen, Leidenschaft, Ehre und Ritterlichkeit von Anfang an gefallen, und ich glaube, ich habe davon hunderte verschlungen. Was also lag näher …

3. Die Windham-Reihe, Darkest Red und The Curse sind Trilogien. Was ist für dich der Reiz an einer Trilogie und welcher Band ist schreibtechnisch gesehen der Schwerste?

Der Reiz an Trilogien liegt für mich darin, dass meine Protagonisten von mir die Möglichkeit bekommen, sich weiterzuentwickeln, und dass sie von sich neue Seiten preisgeben. Die Entwicklung von Samantha aus The Curse über die drei Bände gesehen ist doch erstaunlich, finde ich: vom schüchternen Mädchen zur jungen Frau, die um ihr Schicksal kämpft. Ich glaube, eine derartige Entwicklung in nur einem Buch zu verpacken wäre mir schwer gefallen.
Für mich ist es am Schwersten, den letzten Teil einer Reihe – das Finale – zu schreiben, denn hier heißt es nicht nur für den Leser, Abschied zu nehmen, sondern auch für mich. Und fast immer fiel mir dieser Abschied wirklich schwer.

4. Du hast erfolgreich selbst publiziert. Im Oktober 2014 hast du allerdings auch ein Ebook bei Forever, einem digitalen Imprint der Ullstein Buchverlage herausgebracht (Ein Kuss in den Highlands). Was hat dich zu diesem Schritt bewogen?

Ich stehe mit Ullstein bereits seit 2012 in Kontakt. Allerdings hat sich die gemeinsame Zusammenarbeit u. a. aufgrund von Projekten mit Amazon Publishing verzögert. Das Ebook mit Forever ist der erste Teil, ein Taschenbuch für die Ullstein Buchverlage im Herbstprogramm 2015 der zweite Teil unserer Zusammenarbeit.
In erster Linie geht es mir darum, neue Leser zu erreichen, die noch nichts von mir und meinen Büchern gehört haben. Außerdem ist es natürlich eine große Entlastung, wenn ich mich nicht um Marketing, Covergestaltung, Lektorat usw. kümmern muss – da bleibt für mich mehr Zeit, um zu schreiben.

5. War es eine große Umstellung, mit einem Verlag zusammenzuarbeiten?

Es ist ja nicht meine erste Zusammenarbeit mit einem Verlag – insofern: nein J Im Allgemeinen: ja, durchaus. Denn obwohl das „Abgeben“ von Aufgaben oder Kompetenzen entlastet, bedeutet es gleichzeitig in gewisser Weise auch einen Kontrollverlust.

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube nicht, dass ich mir diese Frage je gestellt habe. Vielmehr bewundere ich Autoren dafür, so grandiose Geschichten, wie Harry Potter oder A Game of Thrones erdacht zu haben. Selbst hätte ich das aber nicht schreiben wollen, denn obwohl ich Romanreihen mag, würde ich mich doch zwischendrin immer danach sehnen, eine neue Idee anpacken zu können.

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Das Verlassen der Realität. Beim Schreiben kann ich mutiger sein, als ich eigentlich bin und kann Dinge erleben, die mich selbst wohl an den Rand der Verzweiflung treiben würden. Das fühlt sich nach absoluter Freiheit an.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Meine Finger. Die sind langsamer, als meine Gedanken und ich vertippe mich ständig. Das nervt, besonders dann, wenn eine Szene eigentlich schon fertig in meinem Kopf ist, und nur noch raus will. Dann wünschte ich mir schnellere Finger.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Das passiert mir ständig. Allerdings finde ich das meistens nicht allzu schlimm, denn die so erzeugte Eigendynamik macht eine Story oft noch viel interessanter, finde ich. Trotzdem muss ich ab und an mal ein strenges Wort bei meinen Charakteren fallen lassen, damit sie mir nicht auf der Nase herumtanzen.

10.  Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Ich kann mich an meine erste schlechte Rezension erinnern, bei der ich geweint habe. Heute trifft mich das nicht mehr so sehr. Ich versuche, Kritik (wenn sie sachlich gehalten ist) für mich zu nutzen, um mich in diesem Bereich zu verbessern – das scheint mir der vernünftigste Weg.

Ich danke dir, liebe Emily, dass du dich meinen Fragen gestellt hast. Ich wünsche dir weiterhin so viel Erfolg. Auf dass die Inspiration nie versiegen möge.

Vielen lieben Dank an dich, liebe Doro J

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