Mittwoch, 11. Februar 2015

Von egozentrischen Künstlern und dem Haifischbecken Literaturszene


Eckdaten zum Buch:

Autor/in: Robert Galbraith (aka Joanne K. Rowling)

Titel: The Silkworm - A Cormoran Strike Novel (2)


Erscheinungsjahr: 2014

Genre: Krimi


Länge: 455 Seiten

Thema: Brutaler Mord in der Literaturszene


Plot in einem Satz: Cormoran Strike lässt sich von Leonora Quine anheuern, um ihren verschwundenen Ehemann zu suchen, den mittelmäßig erfolgreichen Schriftsteller Owen Quine, doch schon bald wird aus dem Vermisstenfall ein Mordfall, der es in sich hat.




Cover: Nicht spektakulär, aber passend zur Stimmung und zum Setting

Erster Satz:  'Someone bloody famous,' said the hoarse voice at the other end of the line, 'better've died, Strike.'

Inhalt: Einige Monate nach dem erfolgreichen Abschluss seines ersten Falls um das Supermodel Lula Landry läuft Cormoran Strikes Detektivunternehmen einigermaßen erfolgreich. Doch die ewigen Beschattungen von Ehebrechern beginnen Strike zu langweilen und er nimmt einen wenig lukrativen Fall an. Die Ehefrau eines mittelmäßig erfolgreichen Schriftstellers beauftragt Strike, ihren Mann zu suchen, der seit zehn Tagen verschwunden ist. Wie sich herausstellt hat Owen Quine kurz vor seinem Verschwinden ein Buch verfasst, in dem er mit Kollegen, Agenten und Verlegern abrechnet. Das Buch wimmelt vor wenig schmeichelhaften und sehr leicht erkennbaren Darstellungen bekannter Personen und bietet reichlich Sprengstoff. Als Strike schließlich die grausam zugerichtete Leiche des Schriftstellers findet, mangelt es nicht an Verdächtigen. Gemeinsam mit Assistentin Robin macht sich Strike daran, den Mörder zu finden, während die Polizei hauptsächlich die Ehefrau ins Visier nimmt.

Was mir gefallen hat:

Ich mag die Dynamik zwischen Robin und Cormoran. Natürlich mag ich als alter London-Fan auch die Kulisse und die besondere Stimmung, die dadurch entsteht. Cormoran ist ein interessanter Ermittler - mit seiner Behinderung (ein Bein wurde ihm amputiert) und seiner Vergangenheit im Militär und seiner schwierigen Beziehung zu seinem Rockstar-Vater und seinem komplizierten Privatleben ist er ein runder und interessanter Charakter, und vor allem die Spannung zwischen ihm und Robin macht den Charme dieses Ermittler-Duos aus. Robin kämpft darum, mehr als nur eine "Sekretärin" zu sein. Sie möchte ermitteln. Doch da muss sie sich noch mit ihrem Verlobten Matthew auseinandersetzen. Robin ist mir in dieser Hinsicht ein wenig zu nachgiebig, aber sie tritt jetzt schon an einigen Stellen entschiedener auf als noch im ersten Teil. Die schrägen Charaktere in der Literaturszene fand ich gelungen, hätte mir aber mehr Tiefe gewünscht. Den kritischen Blick auf egozentrische Künstler, Literaturagenten und Verleger fand ich sehr unterhaltsam.

Was mir nicht gefallen hat:  

Das Erzähltempo ist wie schon beim Kuckuck recht langsam und für mich hat das Buch etwas Altmodisches. Ich fand die Story insgesamt ein wenig zu konstruiert, auch wenn sie spannend zu lesen war. Schon bei der ersten Begegnung mit dem wahren Mörder hatte ich gleich zwei wesentliche Teile der Auflösung im Kopf, die sich dann auch bestätigten. Mir fehlte eigentlich nur die Verbindung und das Motiv. Letzteres war dann meiner Meinung nach sehr überzogen.Bei den Charakteren habe ich eine Weile gebraucht, bis ich sie auseinanderhalten konnte, weil sie insgesamt zum Teil sehr ähnlich sind beziehungsweise relativ blass bleiben. Trotzdem ließ sich das Buch locker herunterlesen und war unterhaltsam.

Wem würde ich das Buch empfehlen?

Der Mord ist schon recht drastisch beschrieben und erinnert eher an einen Thriller, daher sollte man nicht allzu empfindlich sein. Ansonsten ist der Roman aber eher etwas für klassische Krimi-Leser, die auch mit einem langsameren Erzähltempo und wenig Action zurechtkommen. Der Roman lässt sich gut zwischendurch lesen.

Kommentare:

  1. Hallo! :)

    Ich habe das Buch (deutsch) erst ausgelesen und auch gestern rezensiert. Wieviele Sterne würdest du denn gefühlmäßig vergeben? Bei mir sind es 4 geworden.
    Und allgemein kann ich sagen, dass mir "Der Seidenspinner" eine Spur besser gefallen hat, als "Der Ruf des Kuckucks". Mit der Auseinanderhaltung von Chard, Fancourt und dem dritten, der mir gerade nicht einfällt, hatte ich meine Schwierigkeiten, aber ansonsten fand ich die Charaktere auch recht schräg UND allesamt (bis auf Strike und Robin) mehr oder weniger unsympathisch.
    Was mich an dem Ganzen nur ein bisschen verwundert hat: wodurch konnte Strike dem Mörder auf die Schliche kommen? Ich habe nicht wirklich nachvollziehen können, wie er darauf gekommen ist, dass es genau dieser in Frage kommende Charakter ist...

    Wirst du weitere Bücher/Fälle mit Strike und Robin lesen, wenn sie eines Tages erschienen sind? ;)

    Alles Liebe ♥,
    Janine

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    1. Gefühlsmäßig würde ich auch 4 Sterne geben. Wobei ich ungern Punktwertungen gebe, weil ich denke, dass Bücher, die mir persönlich nicht gefallen, anderen vielleicht trotzdem super gefallen können. Ich versuche immer eher der Frage nachzugehen: Wem könnte es gefallen? Ich würde auch weitere Strike-Fälle lesen. Mit den Charakteren ging es mir übrigens wie dir auch. Ich fand sie zum Teil echt schwer auseinanderzuhalten. Du schreibst in deiner Rezi, dass man nicht genau weiß, wie Strike auf den Mörder kommt. Ich glaube, es ist vor allem die Tatsache, dass dem Mörder eine bestimmte Information fehlte und er sich dadurch verraten hat. Schwer zu erklären ohne zu spoilern. ;-) Ich hatte einen Teil der Auflösung schon sehr früh, aber eher dadurch, dass bestimmte Dinge sehr auffällig erwähnt wurden und ich mir dachte, dass sie eine Rolle spielen. Das kann man natürlich nur als Leser. :-D

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    2. Danke für deine Antwort. ;)
      In den paar Jährchen, in denen ich schon den Büchern verfallen bin, habe ich meine Rezensionen immer im Bewertung geschrieben. Aber ich denke auch darüber nach, das in Zukunft einfach wegzulassen, da ich finde, dass eine gute Begründung, warum das Buch persönlich gefallen, oder eben nicht so gut gefallen hat, viel wichtiger ist, als die Sternevergabe. Ich probiere das in Zukunft vielleicht einfach mal, die Bewertung wegzulassen. :)

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