Mittwoch, 25. März 2015

Das Blog, eine unterbezahlte Werbeplattform?


Gestern kam in einer meiner Blogger-Gruppen die Diskussion auf, ob der Wert von Bloggern unterschätzt würde. Einige waren der Meinung, wir seien "unterbezahlt" bzw. für die Verlage eine enorm kostengünstige Werbeplattform, die mit ein paar läppischen Gratisbüchern und Vergünstigungen abgespeist wird, während großangelegte Werbekampagnen, Flyer, Lesezeichen und so weiter den Verlag wesentlich teurer zu stehen kämen. Dabei klang es unterschwellig ein wenig, als fühlten sich einige Blogger von den Verlagen als günstige Werbeplattform ausgenutzt. 



Ich habe in der Gruppe vehement widersprochen und möchte das auch hier tun. Natürlich nützen unsere Blogs den Verlagen (und gegebenenfalls auch den Indie-Autoren). Deswegen bemühen sich die Verlage auch sehr um die Blogger und geben ihnen das Gefühl, dass sie immens wichtig sind. Einerseits sind sie das natürlich auch. Andererseits ist es der einzelne Blogger und die einzelne Rezi eben nicht. 

Die Wirkung einer einzelnen Rezension ist eher gering
 
Ich habe noch nie ein Buch aufgrund einer Rezi in einem Blog gekauft. Ich lese auch eher Rezensionen von Büchern, die ich selbst schon gelesen habe, um zu sehen, wie andere das Buch empfunden haben. Oder ich lese Rezensionen zu Büchern, die ohnehin auf meiner Wunschliste stehen. Dabei habe ich mich aber noch nie von schlechten Rezis vom Kauf abschrecken lassen. Ich bilde mir dann meine Meinung lieber selbst. Ich gehe hauptsächlich nach Klappentext, Leseprobe und Empfehlungen von engen Freunden. Bei meinen eigenen Büchern habe ich noch keinen Einfluss guter Rezensionen auf die Verkaufszahlen beobachten können. Schlechte Rezensionen sind da vielleicht wieder ein anderes Thema. Aber das Risiko, dass Blogger ein Buch verreißen, besteht ja für den Verlag immer. Die Masse macht es. Ein Buch, das überdurchschnittlich oft im Internet erwähnt wird, wird natürlich schneller wahrgenommen und dadurch auch eher gekauft. Der einzelne Blogger leistet also eher einen geringen Beitrag, wenn man es in Verkaufszahlen betrachten will. 

Wer liest ein Blog? Wen erreicht die Werbung dort?

Wer liest ein Buchblog? Meiner Erfahrung nach sind es in erster Linie andere Buchblogger. Das ist also eine eigene Szene, ein eingeschränkter Kundenkreis. Meistens sind es eher jüngere, internetaffine Leser, die auch eine geringere Hemmschwelle gegenüber dem Ebook haben. Das ist aber noch lange nicht das Gros der Buchkunden. Im Ebook-Bereich, beim Kinder- und Jugendbuch und im All-Age-Sektor sind Blogs sicherlich eine sehr wichtige Werbeplattform. Meiner Erfahrung nach verfolgt der Großteil der potenziellen Kunden allerdings keine Buchblogs, schreibt auch keine Rezensionen bei Amazon und Co, sondern kauft die Bücher im Handel bzw. bestellt sie später online. Die Platzierung im Buchhandel ist daher wesentlich wichtiger, gerade im Printbereicht. Auch Aktionen im (Online-)Buchhandel, Plakate, Banner und so weiter haben wesentlich mehr Wirkung. 

Was haben die Blogger vom Bloggen? 

In erster Linie bloggt man ja für sich selbst. Man möchte sich und seine Meinung selbst darstellen, weil man glaubt, man habe der Menschheit etwas Interessantes oder Wichtiges mitzuteilen. Ich möchte hier meine Erfahrungen, meine Liebe zum Lesen und meinen Blick auf die Buchwelt teilen. Die meisten Bücher, die ich hier rezensiere, habe ich übrigens selbst gekauft. Erst in der letzten Zeit habe ich auch schon mal Rezensionsexemplare angefordert, wenn mich ein Buch speziell interessiert. Wenn ich über Bücher schreibe, die auf ein allgemeines Interesse stoßen und über Themen, die die Lesewelt interessieren, bekomme ich Besucher und Leser auf meiner Seite. Die Hits könnte ich mir theoretisch auch bezahlen lassen, indem ich Bannerwerbung schalte, aber ich mache das aus Spaß an der Freud. Ich bin interessiert daran, interessanten Content zu haben, der Leser anzieht. Gerade auch Gewinnspielaktionen bringen Leser und den Bloggern wird dafür von den Verlagen oft Material zur Verfügung gestellt. So bekomme ich die Leser, die ich gern hätte und mache nebenbei Werbung für die Bücher der Verlage. Allerdings nur, wenn ich auch wirklich hinter dem Buch stehe. Denn Bücher, die mir nicht gefallen, empfehle ich nicht. Für die Buchmesse in Frankfurt habe ich ein Ticket für den gesamten Messe-Zeitraum, kostenloses Parken (mit Shuttlebusservice) und Zugang zum Pressebereich bekommen, weil ich mich als Bloggerin habe akkreditieren lassen. Die Verlage sind Bloggern gegenüber sehr zuvorkommend und schmeißen mit Gratisbüchern und anderen Goodies um sich. Als Autorin (außer man gehört zu den Top-Sellern und bekannten Größen) kann ich davon nur träumen. Da bekommt man mit Glück ein Tagesticket vom Verlag. Und hofiert wird man nun auch nicht gerade. 
Ich bin also der Meinung, dass es eine symbiotische Win-Win-Beziehung zwischen dem Blogger einerseits - der mit seiner Meinung gesehen und ernst genommen werden will und möglichst viele Leser haben möchte - und dem Verlag andererseits, der möchte, dass Titel und Autor möglichst oft im Internet genannt werden. 

Ich kann also nicht unbedingt behaupten, dass ich mich ausgenutzt oder unterbezahlt fühle oder dass die Verlage unseren Wert als Blogger nicht zu schätzen wissen. Wie seht ihr das?

Kommentare:

  1. Meckern auf hohem Niveau nenne ich das. Denn genau das tun die meisten Blogger doch.
    Ich finde es nur schade, dass die Verlage viel zu viel auf die Zahlen schauen und weniger auf den Qualität der Beiträge. Aber das ist eine ganz andere Diskussion!
    Danke für diesen Beitrag!

    Viele Grüße,
    Lena

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    1. Ja, das stimmt. Aber ich glaube, es geht auch eher drum, dass ein Titel besonder häufig auftaucht. Angeblich kauft man ein Buch eher, wenn man den Titel zehn Mal gelesen (also gesehen) hat.

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