Sonntag, 1. März 2015

Sonntagsbrunch heute mit der Autorin Dorothea Stiller

Heute gibt es einen etwas ungewöhnlichen Sonntagsbrunch. Anlässlich des Erscheinens von "Einmal, keinmal, immer wieder" (am 6. März) brunche ich nämlich mit der Autorin Dorothea Stiller... also, mit mir selbst. Ich habe eine Weile hin und her überlegt, ob das nicht ein bisschen blöd ist, ein Autoreninterview mit sich selbst im eigenen Blog zu posten, aber hey... viele meiner besten Ideen entwickle ich, indem ich beim Autofahren Selbstgespräche führe. Ich bin ja schon froh, dass es heutzutage Handys mit Freisprechanlage gibt. Wahrscheinlich denken die Leute einfach, ich telefoniere, dabei erläutere ich mir gerade vermutlich eine neue Romanidee, meine Unterrichtsvorbereitung oder gehe meine "to do"-Liste durch. Also frei nach dem Motto "I'm schizophrenic and so am I" werde ich mich also einfach mal selbst interviewen. Damit es nicht ganz so verrückt wird, habe ich meine Leserinnnen und Leser gebeten, mir Fragen zu schicken. Vielen Dank also an euch für die interessanten Fragen. 


Zunächst wie gehabt, die traditionellen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee?
Früher habe ich mehr Tee getrunken, heute bin ich aber kaffeesüchtig

Milch, Zucker, schwarz? nur Milch (sowohl beim Kaffee als auch beim Tee)
Herzhaft oder süß? eher herzhaft
Warm oder kalt? kalt

1.Du bist zweifache Mutter und hast noch einen "Brotjob" als Lehrerin. Wie schaffst du es da noch Bücher zu schreiben? Wie organisierst du dich, damit es klappt?
 


Da ich so wahnsinnig war, gleich zwei intensive Korrekturfächer zu studieren, habe ich neben dem Job wenig Zeit, zu schreiben. Da bleiben korrekturfreie Wochenenden, die Sommerferien (Osterferien, Herbst- und Weihnachtsferien sind bei mir immer Korrekturmarathon) und die Abende, an denen ich entweder nicht vorbereiten muss oder schnell damit fertig bin. Aktuell bin ich aber noch in Elternzeit. Im ersten Jahr nach der Geburt meines Sohnes habe ich Pfeiffersches Drüsenfieber bekommen und war seitdem irgendwie dauerkrank, auch während der zweiten Schwangerschaft. Gleichzeitig gab es familiär noch einiges zu regeln, seit mein Vater verstorben ist. Daher habe ich mich entschieden, noch ein halbes Jahr anzuhängen, obwohl meine Tochter mittlerweile auch in die Kita geht. Der positive Nebeneffekt ist, dass ich den Luxus habe, einige freie Vormittage zum Schreiben zu haben. Wenn ich im August wieder anfange zu arbeiten, wird sich mein Arbeitstempo, was das Schreiben angeht, wohl etwas verringern.

2.Deine Romanfigur Conny ist ebenfalls Lehrerin und hat zwei Kinder. Wie viel von dir steckt eigentlich in Conny?
 


Das ist eine der häufigsten Leserfragen. Viele halten wegen der Parallelen Connys Geschichte für autobiografisch. Die schnöde Wahrheit ist, dass ich mich vor der Recherchearbeit gedrückt habe. Ich wollte mich auf die Story konzentrieren. Eigentlich sollte Conny nämlich Verlagsmitarbeiterin werden. Da hätte ich aber viel über die Arbeitsabläufe, Termine und Routinen recherchieren müssen, um den Arbeitsalltag halbwegs realistisch zu gestalten. So ist Conny also einfach meine Kollegin geworden. Einige Erfahrungen teilt sie mit mir - den Alltag mit Kindern, den ewigen Kampf gegen die Pfunde - andere dann wieder nicht. Einige Geschichten sind inspiriert durch Geschichten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, ein paar auch durch eigene Erfahrungen, aber mit großer künstlerischer Freiheit - und dann ist vieles auch einfach frei erfunden.

3.In Connys neuem Abenteuer "Einmal, keinmal, immer wieder" treibt sie sich unter anderem in einer virtuellen Realität herum. Wie bist du auf diese Idee gekommen?
 


Als Mitte der 2000er der große Hype um die virtuelle Welt "Second Life" losging, wollte ich mir das Ganze mal anschauen. Eigentlich, weil ich ein interessantes Unterrichtsthema im Bereich "Medien" witterte und mir ein Bild machen wollte, warum es so gehypet wurder. Dann entdeckte ich, dass die virtuelle Welt faszinierende Möglichkeiten bot (Kunstausstellungen, Lesungen, virtueller Unterricht, Live-Konzerte). Außerdem habe ich eine Menge interessanter Leute kennengelernt (zu vielen habe ich immer noch Kontakt) und konnte endlich mal wieder mein Englisch entrosten. Ich habe dann eine Weile Tarotkurse dort gegeben, Vorträge gehalten und Kartenberatungen gemacht, um Praxiserfahrung für meine Beraterprüfung beim Tarotverband zu bekommen. Inzwischen habe ich natürlich keine Zeit mehr für virtuelle Welten, aber es war eine interessante Zeit.

4."Einmal, keinmal, immer wieder" ist die Fortsetzung zu "Conny und die Sache mit dem Hausfrauenporno". Warum steht das nicht im Klappentext?

Das haben einige Vorableser gefragt. Es war eine bewusste Entscheidung, keine "Fortsetzung" im eigentlichen Sinne zu schreiben. "Einmal, keinmal, immer wieder" ist vielmehr eine neue Geschichte um die bekannten Charaktere, die zeitlich nach "Conny und die Sache mit dem Hausfrauenporno" spielt. Allerdings muss man das erste Buch nicht gelesen haben, um die neue Geschichte zu verstehen. Es ließ sich nicht vollständig vermeiden, dass Handlungselemente auf das Geschehen im ersten Buch aufbauen, aber nur wenige davon sind relevant für die neue Geschichte. Diese werden dann aber noch einmal erklärt.

5. Deine Romane sind humorvolle Frauenromane - gerne auch als "Chicklit" bezeichnet. Ist das dein bevorzugtes Genre?
 

Das muss ich mit einem klaren "jain" beantworten. Eigentlich schreibe ich Kinder- und Jugendbücher. Doch bisher hatte ich wenig Glück bei der Suche nach einem Verlag. Die erste Conny-Geschichte entstand als Nebenprodukt meiner Verlagssuche. Ein Verlag suchte laut Webseite vor allem "junge Autoren". Ich zählte mich eher nicht mehr dazu, außerdem sahen die Autoren, von denen Fotos online waren, alle so jung-dynamisch aus. Ich habe mit meiner Freundin am Telefon herumgewitzelt, ich könnte ja unter einer falschen Identität mein Manuskript einreichen - so wie damals Laura Hold, die in der gleichnamigen TV-Serie als "Remington Steele" ihre Detektei eröffnete. Ich habe die Idee dann weitergesponnen und es wurde ein Chicklit daraus. Ich selbst lese auch ganz gerne Chicklit. Aber mein bevorzugtes Genre ist es nicht. Offenbar scheine ich aber ein Talent dafür zu haben, welche zu schreiben. Das wusste ich vorher nicht.

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?
 

Finanziell gesehen natürlich Harry Potter. ;-) Auch so - ich liebe die Reihe und wäre sicher sehr stolz, wenn sie meiner Feder entsprungen wäre. Ich lese immer mal wieder Bücher, bei denen ich denke: warum hattest DU eigentlich nicht so eine tolle Idee? Und dann passiert es mir auch oft, dass ich Bücher lese und denke: hey, das war MEINE Idee! Zum Beispiel wollte ich immer mal eine Geschichte schreiben, die sich um Träume dreht. Nach Kerstin Giers "Silber" lasse ich das natürlich lieber, auch wenn meine Plotidee vollkommen anders war. Aber für die nächsten paar Jahre würde es wahrscheinlich heißen, ich hätte die Traumidee bei ihr geklaut. Dabei gibt es eigentlich keine Idee, die nicht in irgendeiner Form schon mal da war. Und manchmal fliegen solche Ideen auch in der Luft herum.

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?
 

Das Abtauchen in eine Fantasiewelt, das noch intensiver ist als beim Lesen. Außerdem ist es ein tolles Gefühl, wenn man wirklich einen Roman beendet hat. Es kommt einem erst unendlich lang vor und man hat das Gefühl, man kann das gar nicht schaffen und dann tippt man irgendwann das Wörtchen "Ende". Grandios!

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?
 

Zeit dafür zu finden und sich aus Sackgassen wieder herauszuschreiben. Wenn ich im Plot feststecke, finde ich es unheimlich schwer, mich zu motivieren, weiterzumachen. Oft hilft es, mit jemandem darüber zu sprechen. Andere Leute stecken ja nicht so in der Handlung und haben oft eine ganz frische Perspektive.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?
 

Ständig. Wenn ich vorab ein Exposé schreibe, hat der fertige Text damit oft nur noch einige Eckpunkte gemein.

10.  Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?
 

Kritik trifft wohl jeden. Ich versuche, es gelassen zu nehmen. Das ist aber nicht immer ganz einfach. Es gibt Kritik, die ist konstruktiv und die bringt mich weiter, aber es gibt auch Kritik, die mich auf die Palme bringt. Ich arbeite am dicken Fell. Über den Umgang mit Kritik habe ich hier auch mal einen Blogartikel geschrieben.
 

Bleibt also noch, mich bei mir selbst zu bedanken. ;-) Außerdem habe ich noch eine Überraschung für meine Leser: "Conny und die Sache mit dem Hausfrauenporno" wird im März das "Angebot des Monats" sein und ist daher für begrenzte Zeit bis Ende März für € 1,99 zu haben. 

Kommentare:

  1. Da hast du dir aber sehr gute Fragen gestellt! Wie fühlt es sich an, auf beiden Seiten zu stehen?
    Mahlzeit! Bettina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Etwas seltsam, aber man gewöhnt sich dran. :-D

      Löschen