Sonntag, 29. März 2015

Sonntagsbrunch heute mit der Autorin Angelika Lauriel

Wir brunchen heute mit Angelika Lauriel. Die Saarländerin schreibt Jugendbücher sowie zeitgenössische Romane für Erwachsene. Hier auf dem Blog findet ihr Besprechungen ihrer beiden Chicklit-Romane „Schüssel mit Sprung“ (bookshouse, 2014) und „Meine Schwiegermutter, das Chaos und die Liebe“ (bookshouse, 2015). Ich freue mich sehr, dass sie heute bei uns zu Gast sein kann und mit uns beim Brunch ein wenig über ihr Leben und Arbeiten plaudern will.




Liebe Angelika, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee? 
Kaffee!
[Und manchmal Tee. Ich habe vor ein paar Jahren einen Roman geschrieben, in dem die Protagonistin passionierte Teetrinkerin ist. Zu der Zeit habe ich immer Tee getrunken. Mit frischem Ingwer und Zimtrinde. Aber danach bin ich zum Kaffee zurückgekehrt. Der Roman ist übrigens eines meiner Herzensbücher und liegt auf meiner Festplatte auf Eis. Kein ganz leichter Stoff, mit viel Emotion, viel Tiefe und viel Psyche. Schwer erziehbar eben. Sorry, ich meinte schwer vermittelbar. Aber ist ja irgendwo das Gleiche, nicht …? ;)]

Milch, Zucker, schwarz? Ein Schuss Ziegenmilch. Aber nicht zu viel, sonst schmeckt es ja nach Ziege, und das soll es nicht. Wäre bei Kuhmilch das Gleiche. Nach Kuh soll es nicht schmecken.

Herzhaft oder süß? Eindeutig: beides.

Warm oder kalt? Warm


1. Du bist im Saarland geboren, hast dort studiert und lebst auch immer noch dort. Hat sich das einfach so ergeben oder verbindet dich auch ein besonderes Verhältnis mit deiner Heimat? 
 
Als ich Abitur machte, war ich mir sicher, dass ich nicht im Saarland bleiben würde. Aber ich habe in Saarbrücken studiert, weil es nur drei Hochschul-Institute für Übersetzen und Dolmetschen gab, und das eine war eben an der Uni Saarbrücken. Aus Kostengründen war es deshalb am sinnvollsten, hier zu bleiben. Dann lernte ich meinen damaligen Freund kennen, der heute noch mein Mann ist. Er (auch Saarländer) studierte in Koblenz und war fertig, als ich gerade mitten im Studium war. Also suchte und fand er hier einen Job. So hat sich das ergeben. Es gab dazwischen ein Jahr in der Toskana, das wir beide sehr geliebt haben, dann eine dreijährige Zeit der Wochenendehe, als mein Mann zuerst in Schweinfurt, dann in der Nähe von Stuttgart arbeitete. Es war aber nicht das Richtige, und als mein Mann die ideale Firma fand – zufällig wieder im Saarland –, war klar, dass wir hier bleiben würden. Mit unseren drei Jungs, die nun auch Saarländer sind.


2. In deiner Bibliografie entdecke ich einen bunten Genremix. Krimis, Chicklit, Fantasy und sogar ein Sachbuch. Brauchst du diese Vielfalt oder gibt es ein bevorzugtes Genre, in dem du dich besonders gern bewegst?

Ich freue mich, dass ich tatsächlich in mehreren Genres zuhause sein darf. Allerdings ist das für die LeserInnen und BuchhändlerInnen wohl manchmal ein Problem, weil sie im Grunde das erwarten, was sie als erstes gelesen haben. Die KrimileserInnen vermuten in allen Büchern einen Krimi, die JugendromanleserInnen erwarten einen Beziehungsroman. Vielleicht wäre es klüger gewesen, jedes Genre unter einem anderen Pseudonym zu bedienen. Aber nun ist es, wie es ist.
Meine besonderen Herzensbücher sind diejenigen, die tiefer in die Psyche und Emotion einsteigen, aber auch die humorvollen Bücher mag ich sehr. Das Leben ist zum Lachen da. Wenn ich völlig frei entscheiden könnte, würde ich aber hauptsächlich Bücher wie mein „Frostgras“ schreiben. ☺


3. Wann und wie findet man als Mutter von drei Söhnen die Zeit und vor allem auch die Ruhe (!) um zu schreiben?

Sie besuchen inzwischen weiterführende Schulen in Saarbrücken und kommen nicht vor 14:15 h nach Hause. Meine Haupt-Schreibzeit ist der lange Vormittag, aber oft lassen sie mich auch am Nachmittag noch arbeiten. Ich schreibe ja nicht nur, sondern sehr viel Zeit geht auch für das Drumherum „drauf“. Ich liebe diesen Job!

4. Wenn du dich entscheiden müsstest, fortan nur noch für Kinder und Jugendliche oder ausschließlich für Erwachsene zu schreiben. Wer wäre dein bevorzugtes Publikum und warum?

Das ist eine sehr schwierige Frage.
Am liebsten wäre mir das Cross-over, der sogenannte All-age-Roman. Ich schreibe sehr gerne über junge Menschen, die sich noch orientieren und mit den ersten schweren Fallstricken des Lebens konfrontiert sind. Andererseits schreibe ich sehr gerne über Menschen „Ü30“ oder „Ü40“, wie in meinen Chicklits bei bookshouse, die du ja kennst. Ich liebe es, mitten in dieses Leben hineinzuspringen und Menschen zu zeichnen, die jeder so oder so ähnlich kennt. Ich finde es sehr schön, wenn meine LeserInnen sich oder Familienmitglieder wieder erkennen. Ja, und die älteren Generationen kommen auch nicht zu kurz. Ideal wäre es also eigentlich, wenn in meinen Büchern jedes Alter zu seinem Recht kommen dürfte.
Hm, aber auf die Kinderbücher will ich auch nicht verzichten. Warum? Weil man dann als Autorin auch wieder Kind sein darf, vielleicht.


5. Gerade hast du noch auf der Buchmesse in Leipzig gelesen. Gibt es ein Erlebnis auf einer Lesung oder bei einem anderen Event, das dich besonders beeindruckt hat oder dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

In Erinnerung geblieben ist mir beispielsweise die Frage einer Zuhörerin bei einer Lesung aus „Frostgras“, ob ich Psychologie studiert hätte. Das habe ich als Kompliment genommen. Ich liebe Lesungen und schlüpfe sehr gern in die Rollen meiner Charaktere hinein. Ich lege einen Hebel um und bin nicht mehr ich selbst beim Lesen. Ich spiele Theater. Wenn ich dann sehe, dass ich die Aufmerksamkeit des ganzen Publikums habe, bin ich glücklich. Lesungen gehören eindeutig zu den Highlights meines Autorinnendaseins.
Ach, noch eine witzige Sache: Auf Schullesungen werde ich, wenn ich die achten, neunten Klassen besuche, oft nach meinem Alter gefragt. Das verstehe ich nicht so ganz, finde es aber witzig.
 

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest? 

Logisch: Das Lavendelzimmer. ☺


7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Ich schreibe, also bin ich. Ich lebe beim Schreiben in meinen Charakteren. Dadurch erlebe ich Dinge, die ich in meinem Alltagsleben nicht habe. Ich lasse mich fallen, abstürzen, auffangen, stehe wieder auf und lebe weiter. Schreiben ist eine Sucht.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Die größte Schwierigkeit ist, es zu einem lohnenden Beruf auszubauen. Ich kann ohne das Schreiben nicht leben, ich will nicht schreiben, ohne dass es gelesen wird, und ich bin kritik- und lernfähig. Ohne mich verbiegen zu müssen, möchte ich so schreiben, dass meine Bücher gut verkauft werden. Vielleicht ist das allein schon eine Kunst für sich.
Handwerkliche Schwierigkeiten oder Schreibblockaden kenne ich bisher nicht. Die lassen sich beheben. Wenn ich unsicher bin, wie ich etwas machen soll, dann finde ich es heraus. Eine echte Blockade habe ich bisher nicht erlebt, aber Schreibflauten habe ich immer überwinden können. Zum Glück.


9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Ja, und wenn sie das tun, ist es einfach toll! Umso lebendiger sind sie, und sie zeigen mir das auch. Ich plane zwar meine Romane im Vorfeld gründlich, aber ich bin jederzeit offen für Änderungen und freue mich sogar, wenn ein neuer Aspekt hinzukommt. Das macht das Schreiben umso spannender.


10.  Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Ja, Kritik trifft mich. Im ersten Moment verfalle ich oft in eine Art Schockstarre (bei zwei-Sterne-Rezensionen z.B.). Dann, wenn ich wieder ruhig atmen kann, schaue ich mir an, wie fundiert die Kritik ist. Was stört meine LeserIn tatsächlich an meinem Buch? Sehr oft ist es einfach nicht das richtige Genre für die/den LeserIn, dann hätte man beiden Seiten den Ärger auch ersparen können. Jemand, der Dystopien mit handlungsgetriebenen Plots zum Frühstück verspeist, wird einem figurenorientierten, langsam erzählten und emotional geprägten Roman wie „Frostgras“ nichts abgewinnen können. Das liegt in der Natur der Sache. Und Kinderbücher kann man nicht behandeln, als wären es Romane für Erwachsene.
Oft finde ich in Negativ-Rezensionen Aspekte, die für meine anderen LeserInnen gerade das hervor streichen, was sie mögen. Eine gute Sache also.
Und wenn ich konstruktive Kritik bekomme (auch von Lektoren beispielsweise), dann befasse ich mich damit. Ich habe durch Kritik sehr, sehr viel hinzugelernt.


Vielen Dank für dieses schöne Interview, liebe Angelika. Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß am Schreiben und natürlich den nächsten Bestseller.

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