Sonntag, 12. April 2015

Sonntagsbrunch heute mit der Autorin Vanessa Richter


Nach Angelika Lauriel haben wir heute eine weitere Bookshouse-Autorin zu Gast, die dort ebenfalls im Genre „Humorvoller Frauenroman“/Chicklit unterwegs ist. Witzigerweise kenne ich diese Autorin aber aus einem ganz anderen Zusammenhang, nämlich über unseren Nachwuchs. Und rund um das Thema Nachwuchs drehen sich auch Vanessa Richters Romane „Klapperstörche und andere schräge Vögel“ (bookshouse, 2014) sowie die Fortsetzung „Om, es ist nur eine Phase“ (bookshouse, 2015). Sie beschäftigen sich mit dem ganz normalen Wahnsinn der Elternschaft vom Kinderwunsch über Schwangerschaft und Geburt bis zum Leben mit kleinen Kindern. Ich freue mich sehr, dass sie heute bei uns zu Gast sein kann und mit uns beim Brunch ein wenig über Leben, Schreiben und „Nupsigedöns“ plaudern möchte.


Liebe Vanessa, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen: 

Kaffee oder Tee? Kaffee
Milch, Zucker, schwarz? am liebsten als Cappuccino mit viel aufgeschäumter Milch
Herzhaft oder süß? süß
Warm oder kalt? warm (momentan frühstücke ich jeden Tag Porridge mit Obst) (mjam!)

1.Nupsigedöns. Da fragt sich der geneigte Leser doch gleich: was ist denn das bitte? Kannst du uns aufklären?

Wenn mir ein Wort nicht einfällt, dann kann es meinem Gegenüber auch schon mal passieren, dass ich darum bitte, dass er mir mal den / das Nupsi rüber reicht oder wahlweise das Gedöns. Ich habe den Namen für meinen Blog gewählt, weil es dort inhaltlich eigentlich um alles und nichts geht: Nupsigedöns eben!

2. Ebenso wie ich lebst und arbeitest du zwischen Münsterland und Ruhrpott. Hat dich Westfalen und die Menschen dort geprägt? Und fließt das Leben dort auch in deine Bücher ein?

Da ich die erste Hälfte meines Lebens in Dortmund aufgewachsen bin (oh Gott, ich kann bald eher schon vom ersten Drittel sprechen, ich werde definitiv alt), hat mich der Ruhrpott vermutlich noch deutlich mehr geprägt als das Münsterland. So richtig nah ans Münsterland bin ich sowieso erst mit unserem Umzug vor zwei Jahren gerückt, den Menschenschlag hier muss ich also noch etwas eingehender ergründen!
In meine Bücher fließt Lokalkolorit nicht bewusst ein, aber ich denke, da kommt kein Autor drum herum, dass seine Geschichten auch immer etwas gefärbt sind von den Menschen und Orten, die einem im wahren Leben tagtäglich begegnen.

3. Wie bist du zu Chicklit gekommen und könntest du dir auch vorstellen, in einem anderen Genre zu schreiben?

Meine eigenen Erfahrungen rund um Schwangerschaft und Mutterdasein haben mir natürlich eine Steilvorlage für einen Chicklit-Roman geliefert. Aber auch so fühle ich mich in dem Genre einfach wohl. Ein paar schräge Charaktere, ein bisschen Gefühl, das liegt mir einfach. Gibt es zwar in anderen Genres auch, aber würde ich beispielsweise einen Krimi schreiben, würde mir den vermutlich jeder Lektor wegen mangelnder Spannung oder zu vieler fataler Logikbrüche um die Ohren hauen.

4. Wenn ich mich nicht irre, ging für dich das „öffentliche“ Schreiben mit der Veröffentlichung einer Kurzgeschichte in der Anthologie „Ein Kuss, der mein Leben verändert hat“ (Goldmann, 2013) los, die ich übrigens sehr gerne gelesen habe. Du gehörtest zu den zehn Gewinnerinnen eines Schreibwettbewerbs. Was war das für ein Gefühl, als deine Geschichte erschien?

Als ich die Mail erhielt, dass ich zu den zehn Gewinnerinnen gehöre, das war schon mit viel Herzklopfen verbunden. Ebenso, als ich die Zusage für meinen Agenturvertrag oder die erste Romanveröffentlichung bekam. Das Gefühl, zu wissen, dass theoretisch jeder ab sofort das lesen kann, was ich geschrieben habe, ist wahnsinnig toll und gleichzeitig fast schon beängstigend.

5. Als Lehrerin, die (ebenso wie ich) verrückt genug war, gleich zwei sehr korrekturintensive Fächer zu studieren und Mutter von drei lebhaften Kindern – wie und wann kommt man da noch zum Schreiben? Und wie schafft man es, dabei nicht wahnsinnig zu werden?

Man könnte meinen, ich hätte die arbeitsfreie Elternzeit zum Schreiben genutzt. Tatsächlich habe ich in meinen Elternzeiten aber gar nicht so viel geschafft, dafür ist der (Vormit-)Tag allein mit Baby zu Hause vermutlich einfach zu unstrukturiert. Begrenzte (kinderlose) Zeit scheint für mich eher ein Ansporn zum konzentrierten Schreiben zu sein. Das meiste habe ich nämlich geschrieben, wenn ich von der Arbeit kam und ein Zeitfenster hatte, bevor ich die Jungs aus der KiTa geholt habe (Putzen wird ja sowieso völlig überbewertet). Unterrichtsvorbereitungen, Korrekturen von Klassenarbeiten etc. habe ich dann in die Abendstunden verschoben. Wahnsinnig wird man vermutlich solange nicht, wie man das Schreiben als Hobby betreiben kann.

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Ein bestimmter Titel würde mir jetzt gar nicht unbedingt einfallen, aber auf jeden Fall sollte es etwas sein, das unheimlich erfolgreich war!!! *lach*

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

 
Wenn ich ein Kapitel fertig geschrieben habe und beim erneuten Lesen finde, dass es in sich stimmig und rund ist. Natürlich überarbeite ich es trotzdem noch gefühlte hundert Mal, aber wenn es sich dann nur um Kleinigkeiten handelt, die ich ändern muss, dann erfüllt mich das doch mit großer Zufriedenheit.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben? 

 
Löcher im Plot! Ich hasse es, wenn die Geschichte an sich in groben Zügen steht und ich eigentlich nur noch drauf los schreiben möchte, dann aber an einer Stelle hängen bleibe. Ich kann das dann irgendwie auch nicht einfach überspringen sondern grübel solange, bis ich das Loch mit Inhalt gestopft habe, das kann mich mitunter aber ganz schön kirre machen.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Ja, auf jeden Fall. Ich plotte zwar, gebe meinen Figuren aber immer den Raum, sich noch ganz anders entwickeln zu können. Das letzte Manuskript, das ich geschrieben habe, endete selbst für mich überraschend ganz anders, als ich es zu Beginn geplant hatte.
Manchmal können Nebencharaktere, die ursprünglich nur Mittel zum Zweck waren, sich plötzlich zu heimlichen Stars entwickeln.

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Natürlich trifft mich Kritik! Aber wie heißt es so schön? Stolpern, aufstehen, Krönchen richten und weiter schreiten (oder in meinem Fall weiter schreiben)!
Wenn jemand meinen Schreibstil oder meine Figuren oder die Grundidee der Geschichte nicht mag (oder worst case alles zusammen), damit muss ich leben können, auch wenn ich bestimmt mal kurz schlucken müsste. Aber jeder Jeck ist eben anders, hat andere Vorlieben.
Allerdings erwartet man, dass jemand, der sich bewusst dafür entscheidet, einen Chick-Lit-Roman zu lesen, nichts bemängelt, das eben typisch für das Genre ist, da wäre es vielleicht mehr Ärger, als dass es mich treffen würde.

Liebe Vanessa, vielen Dank, dass du Zeit gefunden hast mit uns zu brunchen und dich meinen neugierigen Fragen zu stellen. Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß am Schreiben und natürlich viel Erfolg.


Meine Buchbesprechung zu den "Klapperstörchen" findet ihr hier!

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