Sonntag, 26. April 2015

Sonntagsbrunch heute mit der Autorin Barbara Peters


Heute habe ich eine liebe Kollegin von Jutta Wilkes „Schreibwelt“ zu Gast, die auf eine ganze Reihe toller Veröffentlichungen bei Arena, ArsEdition, Velber, Thienemann-Esslinger, dem Ravensburger Buchverlag, dem Kaufmann Verlag, dem Buch Verlag Kempen und dem Hase und Igel Verlag zurückblicken kann. Zwei Bücher wurden sogar ins Chinesische übersetzt. Da werde ich ganz blass um die Nase. Ich freue mich, dass Barbara Peters heute bei uns zu Gast ist und mit uns beim Brunch ein bisschen über ihre Kinderbücher, ihr Leben und Arbeiten plaudern möchte.


Liebe Barbara, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee?  Natürlich Kaffee!
Milch, Zucker, schwarz? Mit viel Milch und ohne Zucker.
Herzhaft oder süß? Immer gerne süß.
Warm oder kalt?   Warm!!!!!

1. Wie mir deine Vita verrät hast du recht spät im Leben mit dem Schreiben angefangen. (Ich hoffe, ich blamiere mich jetzt nicht bei der Mathematikerin, aber wenn ich richtig gerechnet habe, etwa mit 38)? Oder ist es ähnlich wie bei mir, dass du immer schon geschrieben hast, dich aber erst spät daran gewagt hast, es auch öffentlich zu machen?

Du hast recht, ich habe erst recht spät überhaupt versucht, etwas zu veröffentlichen. Geschrieben habe ich, wie man so schön sagt, schon immer. In der Grundschule mit großer Begeisterung Aufsätze und Nacherzählungen. Später habe ich dann eine Vielzahl von Schulheften mit dramatischen Liebesgeschichten gefüllt, in denen die weibliche Protagonistin mir häufig sehr ähnlich war. In der Oberstufe habe ich angefangen Gedichte zu schreiben, die viel mit meinem jeweiligen Seelenleben zu tun hatten. Während des Studiums hat meine Schreiblust etwas nachgelassen. Allerdings habe ich die „Übungen“ – Aufgaben, die wir im Mathematikstudium jede Woche rechnen und abgeben mussten - immer mit ausführlichen Erläuterungen und Hintergrundinformationen in reinster Prosa versehen, die meinen damaligen Übungsleiter immer wieder zu der Rotstift-Bemerkung „Barbaras Märchenstunde“ am Seitenrand veranlasste. Nach dem Studium habe ich wieder häufiger Gedichte geschrieben und mich auch an „Gebrauchslyrik“ versucht, d.h. ich habe kleine Gedichte zu familiären Anlässen (Geburtstag, Weihnachten, bestandene Führerscheinprüfung) geschrieben. Und als ich dann Kinder hatte, habe ich die vielen Geschichten, die ich ihnen allabendlich erzählt habe, aufgeschrieben. Ans Veröffentlichen dachte ich damals überhaupt nicht.

Als mein jüngerer Sohn zur Schule kam, habe ich mich beurlauben lassen. Bis dahin hatte ich eine halbe Wissenschaftler-Stelle an der Uni Hamburg am Institut für Meereskunde. Die nun folgende, verglichen mit meiner Berufstätigkeit, stressfreie, ruhige Zeit habe ich genossen und mich endlich wieder anderen Dingen zugewendet. Ich nahm Gitarrenstunden, später auch Klavierunterricht und sang in der Kantorei. In dieser Zeit begann ich  mit der Theaterarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Zunächst habe ich ab und zu ein Krippenspiel „inszeniert“, 1997 habe ich dann in Ahrensburg meine erste Theaterjugendgruppe Al dente gegründet. Später kam eine weitere Gruppe, Theater Bissfest hinzu. Ich leitete beide Gruppen über etliche Jahre hinweg ehrenamtlich. Jede Gruppe brachte pro Jahr mindestens ein abendfüllendes Theaterstück auf die Bühne. Außerdem traten wir in Gottesdiensten, auf Seniorenfeiern und bei den Kinderbibeltagen auf.
Mittlerweile habe ich meine ehrenamtliche Theaterarbeit aufgegeben. Jetzt leite ich immer wieder als Honorarkraft Theater-AGs an Grundschulen. Zurzeit probe ich an der Lübecker Dom-Schule mein Stück Wie es kam, dass der Hamster den Tiger fraß

Es war nicht einfach, Theaterstücke zu finden, in denen es genug interessante Rollen für alle meine Schauspieler gab. Niemand wollte unbedingt einen Busch oder den stummen Diener spielen. Deshalb schrieb ich unsere Stücke selbst und stieß dann im Internet auf die Suchanfrage der Theaterbörse : „Sie schreiben Kinder- und Jugendtheaterstücke? Lassen Sie sie nicht in der Schublade verstauben – schicken Sie sie uns!“
Genau das habe ich getan und alle meine Stücke wurden sofort ins Theaterbörsen-Programm aufgenommen, über das viele auch heute noch bestellt werden können.
Als ich sah, dass die Schulen und freien Theatergruppen meine Stücke kauften, also offenbar meinen Humor und meine Art zu schreiben mochten, wurde ich immer mutiger. Ich schickte Gedichte und Kurzgeschichten zu verschiedenen Wettbewerben und an kleine Literaturzeitschriften. Meine erste Veröffentlichung nach den Theaterstücken, waren sechs Limericks in der kleinen Zeitschrift Der Storch, die es schon lange nicht mehr gibt. Ich habe mich darüber sehr, sehr gefreut! (Es gab kein Honorar, nur ein paar Belegexemplare, aber trotzdem …) 

Als ich es immer wieder bei Kurzgeschichten- oder Gedichtwettbewerben in die Anthologien der „Sieger“ schaffte, traute ich mich, auch einmal an „richtige“ Verlage einige meiner Kindertexte zu schicken. Ich erhielt Unmengen von Absagen, mehrere Aktenordner voll, aber ich hatte auch Glück und konnte 2004 ein Gedicht und eine Kindergeschichte im Jahrbuch für Kinder bei Velber unterbringen. Von da an war ich bis zur Einstellung des Jahrbuches in jedem Jahr mit ein oder zwei Texten dabei. 2008 (da war ich bereits vierundfünfzig Jahre alt)erschienen  dann gleich fünf Bücher von mir: Theodor Tinte trifft seine Helden und Es geht auch mit Mädchen im Buch Verlag Kempen und ein Band mit Weihnachtstheaterstücken für die Grundschule, ein Band mit Puppentheaterszenen für den Kindergarten und Die ABC-Kiste – Geschichten, Gedichte und Übungen zum Alphabet beim Hase und Igel Verlag. Seitdem freue ich mich immer wieder über neue Bücher in verschiedenen Verlagen.

2. Seit 2011 teilst du dir ein Schreibatelier mit verschiedenen anderen Kinder- und Jugendbuchautoren. Das stelle ich mir sehr spannend vor. Wie sieht das Arbeiten in so einem Gemeinschaftsatelier aus und wie unterscheidet es sich vom Arbeiten im „stillen Kämmerlein“?

Ja, wir sind fünf Kinder- und Jugendbuchautorinnen, die sich den wunderschönen Spitzboden in dem alten Lübecker Kaufmannshaus teilen, in dem das Kinderliteraturhaus der Lübecker Bücherpiraten untergebracht ist. Aber es sind nur ganz selten alle fünf zum Arbeiten gleichzeitig da. Wenn wir uns alle sehen wollen, müssen wir uns in der Regel verabreden.
Ich persönlich arbeite im Schreibkontor konzentrierter und schaffe mehr, als allein zu Hause an meinem Schreibtisch. Zu Hause stehe ich ständig auf, gieße die Blumen, räume die Spülmaschine aus, lege Wäsche zusammen, etc. …
Hier im Schreibkontor lenken mich keine anderen Aufgaben ab. Und das Klappern der Tastaturen meiner Kolleginnen inspiriert mich. Ich habe dann das Gefühl „Wenn alle arbeiten, muss auch ich etwas schaffen!“
Besonders genieße ich aber den Austausch. Hier im Haus befindet sich auch noch das Atelier Tinta, in dem zwei Illustratorinnen und eine Mediendesignerin und Drehbuchautorin arbeiten. Täglich gibt es eine Kaffee- und Mittagsrunde. Da ist dann immer Zeit für regen Austausch. Und ich merke, dass sich das sehr auf meine Anwesenheit in den Internetforen auswirkt. Seit ich die Lübecker Kolleginnen habe, bin ich seltener auf Montségur oder in der Schreibwelt. Viele Fragen lassen sich schneller und persönlich bei einem Kaffee im Schreibkontor klären.
Was ich ganz besonders großartig finde, sind die gemeinsamen Projekte und Bücher, die bei unserer Zusammenarbeit hier in den Ateliers entstehen. So habe ich bereits zwei Bücher zusammen mit der Illustratorin und Autorin Heike Wiechmann veröffentlicht und ein weiteres Bilderbuch steht jetzt an. Außerdem arbeiten sechs von uns (vier Autorinnen und zwei Illustratorinnen) an einem  Kinderstadtführer für Lübeck, der demnächst im feinen PICUS-Verlag erscheinen wird. Der schöne Blog zweier Kolleginnen,  HALLIMASCH & MOLLIMAUK ist hier im Schreibkontor entstanden. Drei von uns arbeiten an einem geheimen Kinderbuchprojekt, von dem wir gerade das elfte Kapitel geschrieben haben. Und Heike Wiechmann und ich versuchen, gemeinsam eine Kinderbuchreihe zu entwickeln und zu konzipieren. Das alles inspiriert unglaublich und macht total viel Spaß!

3. Du hast eine Menge Bilderbücher, Kinderbücher, Schulbücher und Theaterstücke geschrieben. Hast du ein Herzensprojekt, an dem du besonders hängst oder auf das du besonders stolz bist oder hast du alle deine literarischen „Kinder“ gleich lieb?

Oh, das ist eine Frage, die mir auch auf Lesungen oft von den Kindern gestellt wird. Mir ist fast immer das Buch, welches ich gerade vorlese, das Liebste – oder das gerade neueste.  Bei einigen meiner älteren Bücher finde ich immer mehr Stellen, die ich vermutlich heute anders schreiben würde, klar. Aber sie sind mir doch alle ziemlich ans Herz gewachsen.

4. Du spielst Theater mit Kindern und Jugendlichen. Kannst du uns ein bisschen über deine Theaterarbeit erzählen und was daran für dich das Spannendste ist?

Ich denke, ausführlich über meine Theaterarbeit zu berichten, würde diesen Rahmen hier sprengen. Für mich ist meine Theaterarbeit aus zwei Gründen wichtig. Ersten bin ich in sehr direktem, persönlichen Kontakt mit meiner Zielgruppe. Ich schreibe ja hauptsächlich für Grundschüler und arbeite eben theatermäßig auch mit Grundschülern. Der Kontakt mit den Kindern meiner Gruppe ist bei den Proben natürlich wesentlich intensiver, als der Kontakt mit den Schülern, die ich bei meinen Lesungen treffe. Und dann macht mir Theaterspielen einfach unglaublich viel Spaß. Ich liebe es, zu sehen, wie schüchterne Kinder sich im Laufe der Proben zu wilden gefährlichen Löwen entwickeln. Ich freue mich über zappelige, wilde Draufgänger, die zu Beginn unsere Proben oft heftig stören, die sich aber, je näher der Aufführungstermin rückt, immer mehr mitverantwortlich für das Gelingen unseres Theaterstückes fühlen, immer konzentrierter und ruhiger werden.
 Und ich finde es jedesmal wieder total spannend, wie stark das gemeinsame Projekt „Wir spielen ein echtes Theaterstück!“ die Gruppe zusammenschweißt.

5. Eine Sache ist mir auf deiner Homepage ins Auge gefallen. Du gibst unter dem Punkt „Bücher, die mir im letzten Jahr besonders gut gefielen“ Lesetipps. Soweit nicht ungewöhnlich. Doch du kannst deine Empfehlungen einteilen in Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch, Roman, Autobiographisches, Kurzgeschichten und Lyrik. Das hat mich beeindruckt. Versuchst du als Leserin bewusst, ein möglichst breites Spektrum abzudecken oder liest du einfach so viel, dass sich das von selbst ergibt?

Oh, das freut mich jetzt aber, dass du diese Rubrik auf meiner Homepage entdeckt und gelesen hast. Ich versuche nicht bewusst, ein möglichst breites Spektrum an Büchern abzudecken. Ich lese einfach, was mir unter die Finger gerät und was mich fesselt. Wichtig sind für mich Empfehlungen von Freunden und Bekannten.  Autobiographisches und Lyrik interessiert mich einfach sehr, so dass ich davon immer wieder etwas lese.
Wenn du meine Homepage öfter besuchst, so wirst du sehen, dass nicht immer alle Rubriken gefüllt sind. Es gibt Monate, in denen ich keine Romane oder keine Kurzgeschichten lese – dann tauchen auch keine auf meiner Homepage auf.

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Das kann sich täglich ändern. Es gibt für mich nicht das eine Buch, das mich durch das Leben begleitet und mich so fasziniert hat, dass ich gerade dieses unbedingt gerne geschrieben hätte. Im Moment bin ich total begeistert von dem Bilderbuch „Sing, sang, Zwitscherklang – Die Vogelwelt in Versen“ von Iris Schürmann-Mock und Christiane Fürtges, in dem verschiedene Vögel mit ganz, ganz wunderbaren Versen vorgestellt werden. Solche Verse hätte ich gerne geschrieben …

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Das „in den Fluss geraten“, wenn ich erst einmal weiß, wo es langgehen soll. Solche Stunden, in denen ich schreibe und schreibe und selbst ganz erstaunt bin, was meine Figuren alles unternehmen und erleben – das ist das Schönste.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben? 

Eine gute Idee, ein Thema zu finden, das dann wirklich über ein ganzes Buch hinaus trägt – das finde ich oft schwierig. Da muss ich manchmal lange, lange suchen und überlegen.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Ja, das passiert mir häufig und das macht mir, wie ich oben ja gerade geschrieben habe, richtig Spaß!

10.  Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Ich bin sehr empfindlich. Kritik trifft mich immer bis ins Mark. Leider, leider nehme ich jede Kritik oft sehr persönlich. Deshalb versuche ich, möglichst nie sofort auf Kritik zu reagieren (das wäre dann oft eine beleidigte Reaktion), sondern mir ein wenig Bedenkzeit zu nehmen, darüber zu schlafen und dann nochmal in Ruhe über die Kritikpunkte nachzudenken,  bevor ich mich dazu äußere. Im Laufe der Zeit habe ich immer wieder festgestellt, dass ich ziemlich viel aus berechtigter Kritik lernen kann.

Liebe Barbara, vielen Dank, dass du dir für uns die Zeit genommen hast. Ich schicke ganz herzliche Grüße ins schöne Ahrensburg. (Mit der Gegend verbinde ich sehr angenehme Erinnerung an nette Menschen). Ich wünsche dir weiterhin so viel Erfolg mit  deinen Büchern und jede Menge Spaß beim Schreiben. 

Danke schön! Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, deine Fragen zu beantworten.

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