Samstag, 30. Mai 2015

Hörbuch-Besprechung: Die letzten Tage von Rabbit Hayes


Die letzten Tage von Rabbit Hayes (Anna McPartlin) gelesen von Nina Petri



Dies ist meine erste Hörbuch-Besprechung. Normalerweise komme ich nicht dazu, länger am Stück konzentriert ein Hörbuch zu hören, weil mit zwei Kindern ständig Lärm und Action im Haus ist und ich abends dann so müde bin, dass ich immer recht schnell dabei einschlafe. Doch hier konnte ich wirklich nicht widerstehen, als ich das Hörbuch entdeckt habe. Um das Buch "Die letzten Tage von Rabbit Hayes" bin ich nämlich schon länger herumgeschlichen, weil es sich so toll anhört. Allerdings habe ich mir ja vorgenommen, dass ich zunächst einmal alles lesen möchte, was bei mir noch im Regal steht und auf dem Reader schlummert. Daher kam mir die Hörbuchversion gerade recht. 

Nach und nach habe ich dann beim Aufräumen und Wäschezusammenlegen oder beim Einschlafen das Hörbuch gehört, was recht gut ging, da die episodenhafte Erzählweise es gut möglich macht, auch zwischendurch mal abzuschalten, ohne dass man den Faden verliert. Der rote Faden ist eigentlich auch denkbar einfach. Wie der Titel schon sagt, geht es um die letzten Tage von Mia "Rabbit" Hayes, die ihren Kampf gegen den Krebs verliert und in einem Hospiz im Sterben liegt. Dabei wird sie von ihrer Familie und Freunden besucht und unterstützt. Das ist im Prinzip schon die ganze "Handlung", wenn man so will. In einzelnen Episoden wird dann das Leben der verschiedenen Beteiligten immer wieder beleuchtet. Es wird erzählt, wie die einzelnen Familienmitglieder und Freunde mit Rabbits bevorstehendem Tod umgehen, wie es langsam zu ihnen durchdringt, dass der Kampf wirklich endgültig verloren ist und sie nicht mehr auf ein Wunder hoffen dürfen. Es geht darum, was mit Rabbits 12-jähriger Tochter Juliet geschehen soll, und wer in der Familie sich um sie kümmern wird. Außerdem erfährt der Leser in Rückblenden immer mehr über die einzelnen Charaktere, ihre gemeinsame Geschichte und über Johnny, Rabbits große Liebe.

Das alles ist wirklich ohne Kitsch und sehr einfühlsam geschrieben. Ich habe mehrmals lachen müssen, so wie auch die Charaktere oft genug lachen, auch wenn doch das Schicksal eigentlich zum Weinen ist. Ich fand die Familie einfach nur toll. Sehr authentisch, sehr irisch, liebenswert, leicht verschroben. Es wird viel geflucht, vor allem von Rabbits raubeiniger Mutter Molly, die einfach nur zum Knuddeln ist, obwohl sie flucht wie ein Bierkutscher. Ich fand die Geschichte wahnsinnig toll. Sie hinterlässt auch eigentlich ein gutes Gefühl, denn Rabbits Abschied ist harmonisch und man spürt viel Liebe und Wärme. Ich fand es zwar auch herzzerreißend traurig, dass Rabbit am Ende stirbt und damit ihre Tochter zurücklässt, aber man wird hier irgendwie mit dem Tod versöhnt. Ich konnte ihn am Ende akzeptieren, so wie Rabbit und ihre Familie es tun.

Ein tolles Buch, wirklich sehr gefühlvoll erzählt und mit tollen Charakteren, die man schnell lieb gewinnt. 

Die Hörbuchversion hat mir auch sehr gut gefallen, da Nina Petris etwas herbe Stimme wunderbar zur Atmosphäre passt und zu den ebenfalls herb-herzlichen Hayes und Mollys Flüchen. Ich fand sie als Sprecherin sehr passend ausgewählt. Sie liest ohne Pathos und konnte mich wirklich mitnehmen. Beide Daumen hoch.

Zu meckern habe ich eigentlich gar nichts. Außer, dass die Kapitelüberschriften bei mir immer halb verschluckt wurden, aber ich glaube, das liegt eher an meinem CD-Player als am Hörbuch. Ein rundum tolles Hörbuch und eine unglaublich bewegende Geschichte. 

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