Mittwoch, 17. Juni 2015

3. Tag der Blogtour "Das Universum von George R.R. Martin"


Erste Leseeindrücke von der englischen Ausgabe: 
"A Game of Thrones - A Song of Ice and Fire Book 1"



Ich als der denkbar ungnädigste Leser für George R.R. Martin

Ich muss vorausschicken, dass ich kein großer Fan von High Fantasy bin, auch wenn es fantastische und sehr talentierte Fantasy-Autoren gibt und ich deren Leistung auch bewundere und anerkenne. Ich bewundere J.R.R. Tolkien für sein Epos "Lord der Ringe", insbesonders auch als Sprachwissenschaftler, der dafür extra tatsächlich funktionierende Sprachen erschaffen hat, eine Geschichte und Geografie, Ethnologie und vieles mehr. Aber High Fantasy konnte mich eher selten richtig mitreißen. Ich habe den "Herrn der Ringe" nie ganz durchgelesen. 

Außerdem bin ich äußerst skeptisch, was Hypes angeht, speziell im Buchbereich, da ich zwei der letzten großen Hypes, nämlich Twilight und Shades of Grey gelinde gesagt sehr enttäuschend fand und beide Bücher nach etwa 100-150 Seiten abgebrochen habe. 

Bei Game of Thrones war es so, dass mir als großem Serienfan eine Freundin recht hartnäckig von der Serie vorschwärmte und ich dann irgendwann mal den ersten Band als Ebook im Angebot gesehen habe. Ich habe zugegriffen, aber nicht direkt mit dem Lesen angefangen. Doch irgendwann habe ich mir vorgenommen, einmal meine virtuellen Stapel ungelesener Bücher abzubauen und auch Game of Thrones kam dann an die Reihe. Für George R.R. Martin also denkbar ungünstige Ausgangsvoraussetzungen, mich zu überzeugen, zumal mich die Aussicht auf 801 Seiten natürlich auch etwas abschreckte. 

Meine ersten Eindrücke

Das Buch eröffnet mit einem Prolog, der zunächst etwas verwirrend ist, aber sehr spannend und düster. Man möche herausfinden, was es mit der "wall", der "Night's Watch", den "wildlings" und den "Others" auf sich hat. 
Danach lernt man die Starks kennen und bekommt erste Einblicke in die Geschichte von Westeros, seinen Ländern und Völkern. Anfangs fand ich es sehr verwirrend, wer wer ist und wer wo lebt. Es ist nicht so leicht zu durchschauen und sich die Namen zu merken. Das ist vielleicht auch einer der Gründe, warum ich High Fantasy nicht so mag. Wenn man immer zurückblättern muss zu irgendwelchen Listen, Genealogien oder Landkarten, stört mich das beim Lesen. Hier geht es aber. Nach einiger Zeit hat man doch einen gewissen Durchblick. 

Was mich dann vor allem gepackt hat, sind die Charaktere. Ich finde sie sehr gut gestaltet. Sie sind vielschichtig. Selten offensichtlich "gut" oder "böse" und es gibt eine Reihe sympathischer Figuren, die als Identifikationsfiguren taugen. Von Anfang an ist Jon Snow natürlich eine sehr sympathische Gestalt, aber ich fand auch Ned Stark, Arya, Tyrion Lannister und eine Reihe anderer Figuren wie zum Beispiel Daenerys Targaryen faszinierend und toll gestaltet.
Es gibt eine umfassende Mythologie, Symbolik (wie die Direwolves, die von den Stark-Kindern adoptiert werden) und auch eigene Religionen und Kulturen.


Außerdem fand ich die Serie sehr realistisch. Machtkämpfe, Ränkespiele, Realpolitik…das ist nicht nur im Mittelalter realistisch. Und nicht immer siegt das Gute (zumindest bisher). Das dürfte dann erst ganz am Ende der Reihe geschehen und vermutlich wird es dann auch eher ein bitterer Sieg mit vielen Verlusten - wie bei Harry Potter.
Auch das Leben auf einer Burg, der Stand der Ritter, Turniere, Schlachten und so weiter sind meiner Meinung nach realistisch dargestellt und gut recherchiert. Klar sind die Kämpfe hier sehr blutig, aber wenn man sich mittelalterliche Wucht- und Schlagwaffen bzw. Hieb- und Stichwaffen und das mittelalterliche "Rechtssystem" mal anschaut, ist auch das nah an der Realität. Eine Schlacht mit Schwertern, Äxten, Morgensternen, Lanzen, Pfeilen und dergleichen mehr ist sicherlich keine appetitliche Angelegenheit.
Das Volk der Dothraki erinnert mich sowohl an die Mongolen und ähnliche Reitervölker als auch ein bisschen an die Klingonen aus Star Trek mit ihrer männlich dominierten Kriegerkultur und den rauhen Sitten. Die Kultur wirkt aber durchaus durchdacht und realistisch.


Meine sprachliche Einschätzung

Man sollte meiner Meinung nach schon über gute bis sehr gute Englischkenntnisse verfügen, um die Reihe im Original zu lesen. Zum einen, weil man für 800 Seiten pro Band natürlich einen langen Atem braucht und einigermaßen schnell vorankommen sollte, ohne jedes zweite Wort nachschlagen zu müssen. Zweitens ist natürlich das Vokabular nicht unbedingt alltäglich und die Sprechweise der Charaktere oft auch formelhaft oder altertümlich.
Es gibt auch viele "telling names", also Namen, die schon ein wenig über die Charaktere oder Orte verraten. Insofern finde ich auch, dass es sinnvoll ist, dass in der Übersetzung auch einige der Namen übertragen wurden. Mit diesem Thema wird sich aber auch Miriam am 20. Juni näher auseinandersetzen.

Fazit:  Obwohl es George R.R. Martin mit mir als Leserin denkbar schwer hatte, hat er mich packen und überzeugen können. Der Hype um Game of Thrones ist also meiner Meinung nach gerechtfertigt. Ehre, wem Ehre gebührt. Sprachlich anspruchsvoll und nichts für Englischanfänger, aber das Original zu lesen ist sehr lohnenswert, wenn man sich nicht allzu sehr quälen muss.

Kommentare:

  1. Hallo und guten Tag,

    O.K. danke erst einmal für die Warnung nichts für Englischanfänger.

    Aber selbst für Anfängerbücher reicht mein persönlicher Sprachschatz schon lange nicht mehr aus.

    Egal, aber Deine Meinung zum Buch waren schon sehr interessant, besonders weil Du kein eingefleischter Fan bist.

    Danke dafür..LG..Karin..

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  2. Vielen Dank für fiese Einschätzung,
    die würde ich auch unterschreiben. Mich haben auch die fassettenreichen Persönlichkeiten der Charaktere und die ausgeklügelten politischen Ränkespiele beeindruckt. Ich fand es auch spannend, dass sich die Geschichte im Laufe der Zeit auch immer weiter vom klassischen High Fantasy mit dem Mittelalter- Touch entfernt und skurriler wird.

    Ich habe die englische Version verschlungen und warte sehnsüchtig auf die Fortsetzung, die vielleicht kommt, vielleicht auch nicht.

    Liebe Grüße
    loralee

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  3. Huhu,

    habe bereits die ersten beiden Bücher auf Englisch gelesen. Und es stimmt, man braucht einen recht langen Atem. Pro Stunde schaffe ich ca. 20-25 Setien, aber es lohnt sich! Ich muss, bei mittelmäßigem Englisch, kaum Wörter nachschlagen. Man versteht alles im Zusammenhang sehr gut und nur sich häufig wiederholende Begriffe notiere ich und schaue sie anschließend nach :-)

    Es lohnt sich sehr, deine Meinung zu den Charakteren kann ich genau so teilen :-)

    Viel Erfolg und vor allem Spaß damit!
    P.S.: Das Englisch wird dadurch auch nicht schlechter ;)

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