Freitag, 19. Juni 2015

5. Tag der Blogtour: "Das Universum von George R.R. Martin"


Mittelalterliche Ritterturniere und ihre Darstellung in "A Game of Thrones"

Ich betrachte für euch heute das Thema der Ritterturniere und wie sie im ersten Band der Reihe "Das Lied von Eis und Feuer" (aka A Game of Thrones) dargestellt sind. Und wie es sich für eine echte Lady gehört, habe ich mich bei der Recherche ein bisschen in einen Ritter verliebt. Aber zunächst mal ein bisschen Information über Ritter und Turniere:

 
Ein Ritterturnier war früher das, was bei uns heute die großen Sportereignisse sind. Der Kampf im Turnier unterscheidet sich auch stark vom tatsächlichen Kampf auf dem Schlachtfeld. Es gab verschiedene Disziplinen, die dem Ritter und auch seinem Pferd besondere Fertigkeiten abverlangten. 

Ritter waren im mittelalterlichen Feudalsystem niederer Adel und mit Leib und Leben ihrem Dienstherren verpflichtet. Er stellte ihnen Land und Besitz zur Verfügung, dafür waren sie verpflichtet, für ihren Herren zu kämpfen. Dem Ganzen wurde durch das Konzept der "höfischen Liebe" noch ein romantischer Anstrich gegeben. Der Ritter liebt die adlige Dame. Er dient ihr und ihrem Schutz und versucht, ihre Gunst zu erringen. Dabei liebt er sie aber nur heimlich und aus der Ferne. Zu körperlichen Liebesbezeugungen kommt es zwischen Ritter und Dame nicht - zumal die Dame ja auch meistens verheiratet oder versprochen ist. 

Im Buch finden wir dieses Motiv in der Turnierszene, in der Ser Loras Tyrell Sansa Stark, die beim Turnier auf der Tribüne sitzt, eine Rose überreicht. Mehr als eine solche symbolische Liebesbezeugung ist zwischen Ritter und Dame nicht erlaubt. Die Liebe wird nicht erwidert und spielt sich nur in der Fantasie ab. Der Ritter versucht, Ehre zu erringen, um der Dame zu gefallen und deren Liebe zu gewinnen. 

Die bekannteste - und wohl auch spektakulärste - Turnierdisziplin stellt das Tjosten (Lanzenstechen, engl. jousting) dar. Zwei Ritter reiten in Vollrüstung mit Lanze und Schild von zwei Seiten einer Bahn aufeinander zu. Dabei versuchen sie, die Lanze des Gegners zu zerbrechen. Wer den Gegner auch noch aus dem Sattel hebt, kann zusätzlich punkten.
Pferd und Reiter waren mit schwerer Rüstung ausgestattet und reich geschmückt. Sie trugen die Farben und Symbole des Ritters. Diese Vollrüstung war speziell für das Tjosten gemacht und ermöglichte nicht viel Bewegungsfreiheit. Sie war irre schwer und machte den Ritter viel zu unbeweglich, um so zum Beispiel auf ein Schlachtfeld zu reiten. Es gab spezielle Kräne, um den Rittern aufs Pferd zu helfen. Mit dieser schweren Rüstung, in Bewegungsfreiheit und Sicht stark eingeschränkt (die Helme hatten oft nur einen sehr schmalen Sehschlitz), Lanze in der einen, Zügel und Schild in der anderen Hand, erforderte es viel Kraft, Geschicklichkeit und jahrelanges Training, erfolgreich zu tjosten. Aber auch das Pferd brauchte spezielles Training. Überhaupt hatte ritterliches Kampfgeschick sehr viel mit Reiten zu tun. Der Name Ritter (mittelhochdeutsch rîter) hat denselben Stamm wie unser heutiges Wort "Reiter" und bezeichnet einen "Kämpfer zu Pferde". Ritter waren daher auch immer sehr geschickte Reiter mit speziell ausgebildeten Turnier- und Schlachtrössern. Diese Pferde waren sehr wertvoll. Umso unritterlicher und roh ist es, ein solches Pferd einfach zu töten, wenn es nicht den erwünschten Sieg gebracht hat - wie es ein Turnierteilnehmer in "Das Lied von Eis und Feuer" tut. (Ich möchte hier nicht spoilern). 

Die zweite wichtige Turnierdisziplin ist das "Melee" oder auch Buhurt bzw. Turnei (mittelhochdeutsch bûhurt), ein Gruppenkampf zu Pferd oder zu Fuß mit Schild und Kurzschwert oder verschiedenen Wucht- bzw. Schlagwaffen wie Morgenstern, Streitkolben, -axt, -flegel oder -hammer. Der Buhurt konnte auch relativ ungeordnet und spontan stattfinden. Ein Turnei erforderte strengere Regeln, Zulosung der farblich gekennzeichneten Teams und eine offizielle Einladung. Auch diese Kampfform findet sich in "Das Lied von Eis und Feuer". König Robert wünscht, ebenfalls am Melee teilzunehmen, wovon ihm Ned Stark abrät. Zusätzlich gibt es beim Turnier zu Ehren der "Hand des Königs" auch noch Bogenschieß-Wettbewerbe. 

Ritter taten im Prinzip im Leben nichts anderes, als für Ruhm, Ehre und Liebe zu kämpfen. In Kriegszeiten verteidigten sie ihr Land oder begleiteten ihren Herren auf Eroberungs-Feldzügen gegen den Feind. In Friedenszeiten waren Turniere eine willkommene Gelegenheit Ruhm - und natürlich auch Wohlstand zu gewinnen. Für den Champion eines Turniers wurden stets Preise ausgelobt. Dabei konnte es sich um Gold oder Sachwerte handeln. Überhaupt kostet die Ausrichtung eines Turniers viel. Die anreisenden Kämpfer und ihr Gefolge wollen untergebracht und verpflegt werden und auch die zum Event anreisenden Kaufleute, Unterhalter (wozu auch Damen des horizontalen Gewerbes zählen) brauchten Platz, Essen, Zelte und mehr. Auch in "Das Lied von Eis und Feuer" ist die Finanzierung des Turniers und die Preisgelder ein wichtiger Streitpunkt. 
Es war also auch ein finanzielles und logistisches Problem, ein großes Turnier zu veranstalten. Ähnlich wie heute Olympia oder die Fußball-WM/EM und andere sportliche Großereignisse brachte ein Turnier viel Ansehen, Ruhm und belebte das Geschäft in der Region, aber auf der anderen Seite musste dafür auch viel ausgegeben werden. 

Auch heute gibt es noch "echte" Ritter. Es gibt eine kleine Gruppe von Sportlern, die sich der möglichst historisch korrekten Ausübung des Turniersports verschrieben haben. Dabei sind es wirklich hochspezialisierte Profis (ähnlich wie damals im Mittelalter), deren ganzes Leben sich darum dreht, anders als Showkämpfer, die man auf Mittelalterveranstaltungen, in Filmen und in Themenparks sehen kann. 

Hier mal ein interessantes Video dazu. Und wenn ihr genau hinseht, findet ihr auch den Ritter, in den ich mich ja spontan ein kleines bisschen verguckt habe. Da ich aber (wie es sich für eine adlige Dame gehört) schon "unter der Haube" bin (im Mittelalter hätte ich tatsächlich eine Haube getragen und mein Haar bedeckt), bewundere ich ihn nur ganz höfisch aus der Ferne. Mehr zum Champion meines Herzens könnt ihr auf http://arnekoets.de sehen. ;-)




 

1 Kommentar:

  1. Hallo und guten Tag,

    also wurde auch damals nichts dem Zufall überlassen und es steckte hinter allen ein ganz schöner logistischer Aufwand.

    LG..Karin...

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