Montag, 8. Juni 2015

Klugscheißer-Wissen #3


heute: "Weil der ist gesund…"

Ich bin alt genug, um mich an Fernsehwerbung aus den späten 80ern/frühen 90ern zu erinnern. Damals gab es einen Werbespot für Danone-Joghurt. Dort hieß es: "Früher oder später kriegen wir euch…mit Danone Joghurt". Dann sah man, wie mehrere Kinder ihre Eltern mit einem Löffelchen Joghurt fütterten. Ein Kind sagte dabei: "…weil der ist gesund!". Für alle Spätgeborernen gibt es den Clip HIER zu sehen. 

Diesen Ausspruch fand man damals witzig und niedlich, weil der Großteil der Leute erkannte, dass der Satz grammatisch falsch ist. Heute, ein Vierteljahrhundert später, sieht das anders aus, denn was damals als niedlich-kindlicher Fehler belächelt wurde, ist heute Normalität. Worum es geht? Um die Verwendung der Konjunktion "weil".

Eine Konjunktion (deutsch: Bindewort oder Fügewort) ist ein Wort, das verschiedene Sätze verbindet oder zusammenfügt. Das ergibt dann ein "Satzgefüge". Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten. Es kann sich dabei um zwei vollständige Hauptsätze handeln: zwei Sätze, die auch für sich allein stehen könnten. 

Beispiel:  
Heute lasse ich dich die Hausaufgaben noch einmal abschreiben, ABER morgen machst du sie wieder selbst!

Dieses Satzgefüge besteht aus zwei Hauptsätzen. Sie können ebensogut allein mit einem Punkt getrennt stehen. Das "aber" setzt sie nur in Beziehung zu einander. Hier ist die Beziehung "adversativ", das heißt, der eine Satz ist dem anderen entgegengesetzt. 
 Werden zwei gleichwertige Hauptsätze, die auch allein stehen könnten, miteinander verbunden, so nennt man das "Nebenordnung" (auch: "Beiordnung"). Eine Nebenordnung wird mit einer nebenordnenden (auch: beiordnenden) Konjunktion eingeleitet. Manchmal werden die Sätze auch nur mit einem Komma getrennt: Ich habe zwei Kinder, mein Bruder hat drei. 

Eine Konjunktion kann allerdings auch einen Hauptsatz mit einem Nebensatz zusammenfügen. Dieser Nebensatz kann nicht allein für sich stehen, da er vom Hauptsatz abhängig - ihm untergeordnet - ist. Man nennt diese Fügung daher "Unterordnung" und sie wird meistens von einer unterordnenden Konjunktion eingeleitet. Die Konjunktion "weil" leitet immer eine Unterordnung, also einen abhängigen Nebensatz ein. Da dieser Nebensatz den Grund für einen Sachverhalt im Hauptsatz angibt, nennt man ihn "Kausalsatz" (lat. causa = "Grund"). 

Ein Nebensatz kann nicht allein stehen. Er unterscheidet sich vom Hauptsatz auch darin, an welcher Stelle im Satz das Prädikat des Satzes steht. (Für Grammatikmuffel: ein Prädikat bezeichnet das, was jemand - das Subjekt des Satzes - tut). 

Im Hauptsatz steht das Prädikat (beziehungsweise der finite Teil des Prädikats) stets an zweiter Stelle im Satz

Heute  lasse ich dich die Hausaufgaben noch einmal abschreiben

heute = adverbiale Bestimmung der Zeit

lasse abschreiben = Prädikat, lasse = finiter Teil
ich = Subjekt

Morgen machst du sie wieder selbst!

morgen = adverbiale Bestimmung der Zeit
machst = Prädikat 
du = Subjekt

Das Prädikat steht hier also beide Male an zweiter Stelle im Satz

Anders verhält es sich mit dem Satz: 

Ich esse diesen Joghurt, weil der gesund ist. 

"Ich esse diesen Joghurt". Das ist ein Hauptsatz mit dem Prädikat an zweiter Stelle. 
Die Konjunktion "weil" leitet einen untergeordneten Nebensatz ein. Ein untergeordneter Nebensatz kann nicht für sich allein stehen, und das Prädikat steht in einem solchen Nebensatz an letzter Stelle im Satz

…weil der gesund ist.

Die Aussage "…weil der ist gesund" ist daher grammatisch falsch, denn "der ist gesund" wäre ein Hauptsatz. "Weil" leitet aber immer einen untergeordneten Nebensatz ein. Es müsste also heißen "…weil der gesund ist." Wenn man die Beiordnung unbedingt erhalten möchte, muss man die beiordnende Konjunktion "denn" verwenden. 

Ich esse diesen Joghurt, denn der ist gesund.  

Das wäre vollkommen korrekt. Im Mündlichen beginnt man oft einen Satz mit "weil" ohne genau zu wissen, was folgen soll. Man ist mit dem Sprechen schneller als mit dem Denken und lässt dann einen Hauptsatz folgen. Im mündlichen Sprachgebrauch macht man also schnell diesen Fehler. Das passiert mir auch ständig. Ich versuche, es mir nicht allzu sehr anzugewöhnen, doch es passiert. Leider passiert es so häufig, dass man den Satz schon nicht mehr als falsch wahrnimmt. So bürgert sich der falsche Gebrauch von "weil" mehr und mehr ein. Es gilt als vollkommen normal, ist aber falsch. 

Im Schriftlichen sollte man daher verstärkt darauf achten. Dort finde ich grammatische Fehler weit weniger verzeihlich als im alltäglichen mündlichen Sprachgebrauch, wo wir ja oft nur das halbe Gehirn zugeschaltet haben, weil die andere Hälfte damit beschäftigt ist, die Kinder davon abzuhalten, sich gegenseitig umzubringen, eine Email zu schreiben, sich die Fingernägel zu lackieren oder was auch immer man im Geiste des Multi-Tasking noch so treibt. 

Mein Appell daher: Bitte konzentriert euch und verwendet die Konjunktionen richtig, weil sie durchaus ihren Sinn haben. Ich finde es wichtig, sie zumindest im Schriftlichen korrekt zu verwenden, denn Personalchefs sind häufig auch noch alt genug, um sich an Fernsehwerbung aus den frühen 90ern und so einiges andere zu erinnern.

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