Donnerstag, 18. Juni 2015

Schreibtipp #7


Schreibtipp #7: Dialoge schreiben

Gute und überzeugende Dialoge zu schreiben, ist nicht unbedingt leicht. Obwohl wir tagtäglich etliche Dialoge führen und doch eigentlich alle Experten auf diesem Gebiet sein müssten. Warum ist es dann trotzdem so verdammt schwer, einen guten Dialog zu Papier zu bringen?


Dialoge in fiktionalen Texten sind eben immer nur eine Nachahmung der Realität. Sie erfüllen auch eine völlig andere Funktion. Ein Dialog erfüllt im Alltag nicht nur die Funktion, wichtige Information zu transportieren. Wenn wir nur das Notwendige sprechen würden, wäre es ziemlich still auf der Welt. Der Dialog hat im Alltag eben auch eine soziale Funktion. Man plänkelt und plaudert, kommt von Höcksken auf Stöcksken, schweift ab, sucht nach dem richtigen Wort, verwendet jede Menge Füllwörter, bricht Sätze ab und führt sie anders weiter, als man sie begonnen hat und sagt immer wieder "äh" und "ähm", "ne?". Im Alltag verquatschen wir uns gern einmal und plaudern eine Weile länger unnötiges Zeug, weil es eben gerade so nett ist, zusammenzusitzen oder zu stehen.

Ein fiktionaler Text braucht aber effiziente und knackige Dialoge. Sie können Information transportieren, einen Charakter in seiner Eigenart unterstreichen, Spannung aufbauen oder Entscheidungen der Charaktere entwickeln. Dialoge können einen Text lebendig machen und auflockern. Doch man sollte sie so kurz wie möglich (und so lang wie nötig) halten. 

Figuren in einem Erzähltext sprechen also anders als in der Realität. Sie sagen nicht nach jedem dritten Wort "äh" und beenden nicht jeden zweiten Satz mit "ne?". Allerdings sollte der Dialog trotzdem natürlich und real wirken. Umständliche Formulierungen, lange Sätze und komplexe Syntax lassen einen Dialog eher hölzern wirken. Ebenso unnatürlich wirkt es, wenn Figuren sich über Dinge unterhalten, die dem Leser zwar neu sind, den Sprechenden aber bekannt sein müssten. Ich übertreibe hier zur Demonstration einmal etwas:

"Wie geht es denn deinem Mann Horst, mit dem du schon seit vierzehn Jahren verheiratet bist?", fragte Eva.
"Seine hässliche Erkältung ist er zum Glück nach vier Wochen endlich los", antwortete Gudrun. "Er ist mit unseren drei kleinen Kindern Tick, Trick und Track in den Zoo gefahren."

So würde niemand sprechen. Man sollte sich also vorher fragen, welches Verhältnis die Sprechenden zueinander haben und welchen Wissenshorizont. Realistischer wäre also: 

"Na, was macht Horst?", wollte Eva wissen.
"Es geht ihm schon viel besser. Er ist heute sogar mit den Kindern in den Zoo gefahren", entgegnete Gisela.

Die Information, die man oben versucht hat, in diesen Dialog zu quetschen, ist hier vollkommen fehl am Platze. Ist sie wirklich wichtig für den Plot? Dann muss man an anderer Stelle versuchen, sie einzuflechten. Ansonsten lässt man sie einfach weg. Dinge, die für beide Sprechenden bekannt und selbstverständlich sind, sollten nicht in einem Dialog auftauchen. Ich mag es auch nicht, wenn sich Kriminelle in einem Dialog gegenseitig ihren Plan erklären - den beide kennen. Das wirkt konstruiert und unnatürlich.

Manchmal kann man dabei vielleicht tricksen, indem man jemanden eine Zusammenfassung geben lässt. 

"Haben das alle verstanden? Strumpfmasken und Pistolen deponieren wir in dem Blumenkübel vor dem Eingang. Auf mein Kommando geht es los. Alles klar?"
Narben-Ede warf einen prüfenden Blick in die Runde.

Ein weiteres Problem sind Rede-Einleitungen. Zwar zeigen die Anführungszeichen bereits an, dass jemand spricht, aber man sollte es dem Leser einfach machen, zu verfolgen wer spricht. Das kann man durch Rede-Einleitungen erreichen wie: "sagte Paul, fragte Lisa, entgegnete Herbert". Allerdings klingen viele solcher Rede-Einleitungen auf einen Haufen auch schrecklich. Manchmal kann man sie komplett auslassen, weil aus dem Kontext klar wird, wer spricht. Insbesondere, wenn die Figur mit Namen angesprochen wird. Man kann die Figuren auch während des Dialogs etwas tun lassen. Selten steht man ja stocksteif da und bewegt sich nicht, während man spricht. Hier ein Beispiel aus meinem Roman "Conny und die Sache mit dem Hausfrauenporno": 

„Torsten ist echt ein lieber Kerl, aber dass du diesem Chaoten freiwillig deine Kinder überlässt, ist mir ein Rätsel.“ Anja war sehr direkt, das mochte Conny an ihr. „Der bringt es doch fertig und vergisst sie irgendwo.“
„Glaub mir.“ Conny rückte den Frühlingszwiebeln mit einem großen Küchenmesser zu Leibe. „Wenn Ela nicht wäre, hätte ich da auch Bedenken. Aber sie kümmert sich rührend um die Kinder. Manchmal glaube ich, sie wäre eine bessere Mutter als ich.“
„Sektchen?“ Kirsten warf elegant ihre langen blonden Haare über die Schultern und schwenkte eine Flasche, die sie gerade aus dem Kühlschrank geholt hatte.


Dieser Dialogausschnitt verwendet keine Rede-Einleitungen. Dennoch weiß man immer, wer spricht. In dieser Szene treffen sich die Freundinnen zum gemeinsamen Kochen. Das heißt, man kann ihnen nebenher in der Küche etwas Sinnvolles zu tun geben. Das lockert den Dialog auf und macht es dem Leser trotzdem leicht, zu verfolgen, wer gerade spricht. Außerdem charakterisieren die begleitenden Sätze die Freundinnen.

Dialoge eignen sich auch recht gut, noch einmal kurz ein paar Äußerlichkeiten zu erwähnen, wenn man mehrere recht ähnliche Figuren hat. Hier sind es Connys drei beste Freundinnen. Es war mir wichtig, immer mal wieder das Aussehen oder Eigenschaften der drei nebenbei zu erwähnen, damit der Leser sie auseinanderhalten kann. 

Fazit: Möglichst alles Überflüssige streichen und den Dialog so kurz wie möglich halten. Für Abwechslung bei den Rede-Einleitungen sorgen, sie wenn möglich auslassen oder durch redebegleitende Handlungen ersetzen. 

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