Sonntag, 12. Juli 2015

Sonntagsbrunch heute mit der Autorin Mara Andeck


Ich freue mich ganz besonders, heute mit einer Autorenkollegin brunchen zu dürfen, deren Trilogie um „Lilias Tagebücher“ (Wen küss ich und wenn ja, wie viele?; Wer liebt mich und wenn nicht, warum? und Wenn Liebe die Antwort ist, wie lautet die Frage?) ich verschlungen habe und die ich dann kurze Zeit später auf der Buchmesse in Frankfurt auch persönlich kennenlernen durfte. Jetzt hat Mara Andeck auch noch einen Frauenroman geschrieben („ein echtes Freundinnenbuch“) – ist also genremäßig voll auf meiner Welle.

 
Liebe Mara, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee?

Morgens immer Kaffee!

Milch, Zucker, schwarz?

Ganz viel Milch.

Herzhaft oder süß?

In dieser Reihenfolge bitte.

Warm oder kalt?

Warm.

1. Ich habe in deiner Biografie gelesen, dass du in Dortmund studiert hast. Danach hat es dich aber wieder in südlichere Gefilde verschlagen. Hat es dir denn gefallen bei uns im Pott? Gibt es etwas, das du aus der Zeit dort vermisst?

Es hat mir in Dortmund sehr, sehr gut gefallen. Ich war lange da, auch noch nach dem Studium, und ich habe gern dort gelebt. Denkt man gar nicht, wenn man mich kennt, denn ich bin wirklich ein Landei. Aber ich habe auch in Dortmund immer auf dem Land gewohnt, erst in Benninghofen, später in Husen. Das geht nämlich in dieser Stadt, es gibt ganz viel Grün und am Stadtrand zauberhaft ländliche Ecken.
Und, ja: Ich vermisse viel. Zum Beispiel einen guten Freund aus Studientagen und seine Familie, die ich leider viel zu selten sehe. Ich vermisse die bunte, lebendige Stadt, die sich ständig wandelt. Und auch das nahe Münsterland, das wir am Wochenende gern erkundet haben.

2. Du hast selbst zwei Töchter im Teenageralter. Hat dir das dabei geholfen, dich in die Gedankenwelt deiner jugendlichen Protagonistin Lilia hineinzuversetzen?

Ja. Und mehr als das. Ohne meine Töchter hätte ich Lilias Tagebücher nicht schreiben können, sie haben viel daran mitgearbeitet, eigentlich müssten ihre Namen auch auf dem Cover stehen.

3. Du hast eigentlich Journalistik und Biologie studiert und arbeitest auch als Wissenschaftsjournalistin. Wann hast du angefangen, dich an Fiktives – vor allem für Jugendliche heranzuwagen?

"Wen küss ich und wenn ja, wie viele?" ist nicht nur mein erstes Buch, sondern auch mein erstes Jugendbuchprojekt. Die Idee entstand eher zufällig, beim Blödeln mit meinen Töchtern am Mittagstisch. Eine meiner Töchter musste damals ein Referat über das Balzverhalten von Tieren machen, und da kam die Idee auf: Wie wäre es denn, wenn man das mal als Mensch ausprobieren würde. Ich habe dann einfach mit dem Schreiben angefangen und die chaotische Lilia Kirsch erfunden. Und meine Töchter haben Feuer gefangen und mitgetextet.

4. Nach den sehr erfolgreichen Jugendbüchern, einem Buch über die Liebe und einem über Hunde hast du dich jetzt an einen Frauenroman gemacht. Wer ist in deinen Augen das schwierigere Publikum: Kinder oder Erwachsene?

Ich finde es schwieriger, mich in Leser hineinzuversetzen, die viel jünger als ich sind. Deswegen bin ich auch so dankbar über die Hilfe meiner Töchter.

5. Kannst du uns schon ein bisschen was über dein neues Buch verraten?

Im Mittelpunkt stehen die drei Freundinnen Janna, Helen und Lou, die sich seit dem Studium kennen. Diese drei sehr unterschiedlichen Frauen fühlen sich Mitte 30 in ihrem Leben wie in einer Sackgasse und sehen sich ständig dem Zwang ausgesetzt, schneller, besser und erfolgreicher zu werden. Und dann steigen sie da komplett aus. Zusammen kaufen sie eine renovierungsbedürftige Bruchbude an einem See in Brandenburg und versuchen, sich gegenseitig zu helfen. Und zusammen schreiben sie einen Ratgeber für gestresste Menschen, der ganz weit vorn in der Geschichte der Menschheit ansetzt – in der Steinzeit nämlich. Dieses „Buch im Buch“ heißt "Natural Born Chillers", daher auch der Titel meines Romans. Ganz wichtig bei der neuen Lebensphilosophie, die die drei erfinden: faul sein, nichts tun, rumlungern am Lagerfeuer. Chillen eben. Denn dafür, so behaupten die Autorinnen, ist die Menschheit eigentlich von Natur aus geschaffen. Deswegen lautet der Untertitel auch: In der Höhle liegt die Kraft.
Was als Jux begann, wird zum Riesenerfolg. Aber der hat ungeahnte Nebenwirkungen, auch auf das Liebesleben der drei …

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?
 

Interessante Frage. Früher hatte ich ein Fach in meinem Bücherregal, in das ich Bücher gestellt habe, die ich selbst gern geschrieben hätte. Jetzt nenne ich es nur noch „Fach mit den Büchen, die ich unglaublich gern gelesen habe". Man kann nämlich nicht die Bücher anderer geschrieben haben wollen, finde ich jetzt. Man kann ja auch nicht die Leben anderer gelebt haben wollen.
Stattdessen habe ich jetzt eine Datei auf dem Desktop, sie hat den Titel "Bücher, die ich gern noch schreiben würde", in diese Datei wandern alle Ideen, die mich so im Laufe der Zeit anfliegen. Aber es sind viel zu viele, es ist klar, dass ich nicht alle schaffen kann.

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Schreiben ist für mich ein einziges, großes Experiment. Ich will daran etwas lernen. Ich möchte herausfinden, wie es funktioniert, dass sich kleine schwarze Buchstaben in bunte Kopfbilder und - filme verwandeln. Wenn mir eine Textstelle gelingt, bei der das passiert, bin ich glücklich.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?
 

Die Distanz zum eigenen Text. Ich kann oft nur ganz schwer beurteilen, ob eine Textstelle gelungen ist. Wenn ich sie selbst geschrieben habe, funktioniert bei mir dieses Kopfkino, das ich anstrebe, oft nicht mehr. Und da kommen dann wieder meine Töchter ins Spiel, bei den Erwachsenenbüchern mein Mann. Dann überfalle ich meine Lieben nämlich beim Heimkommen mit flehenden Dackelaugen, Textblätter in der Hand, und frage: „Kannst du das mal lesen? Geht das so?“ Und sie seufzen und wissen, dass es mit dem gemütlichen Fernsehabend wieder nichts wird. Aber sie stehen das mit Engelsgeduld durch. Das ist wirklich toll.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Immer. Ich kann meine Bücher nicht vor dem Schreiben durchplotten, es bringt nichts. Immer entsteht dann plötzlich in meinem Kopf ein Satz, den ich so nicht geplant hatte. Ich schreibe ihn testweise hin, und dann bekommt er oft eine Eigendynamik.
Bei Lilias Tagbüchern hatte ich zum Beispiel Toms Perspektive ursprünglich nicht geplant. Aber irgendwann war da das Gefühl: Mädchen reden über Jungs oft wie über ein Damenhandtäschchen. Aber aus deren Perspektive sieht die Geschichte garantiert ganz anders aus. Daraufhin habe ich Tom eine Stimme gegeben.

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?
 

Konstruktive Kritik nehme ich gern an. Als Journalistin bin ich daran gewöhnt, dass meine Texte diskutiert und kritisiert werden, ich weiß, dass sie dadurch besser werden, deswegen bin ich dankbar dafür. Oberflächliche oder gehässige Kritik blende ich aus, denn sie sagt mehr über den Kritiker oder die Kritikerin aus als über meine Texte. Und dann gibt es da noch Kritik, mit der ich gar nichts anfangen kann. Das sind Kommentare wie: Solche Bücher (Jugendbücher/lustige Bücher/rosa Bücher/Liebesromane oder was auch immer) mag ich nicht. Das ist ja okay, aber dann passen Buch und Mensch eben einfach nicht zusammen.

Liebe Mara, ich danke dir, dass du die Zeit gefunden hast, heute mit mir und meinen Leserinnen und Lesern zu brunchen und wünsche dir weiterhin so viel Erfolg (oder noch mehr) und viele viele Musenküsse.

Danke für diesen tollen Brunch, Doro!

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