Freitag, 14. August 2015

Heute auf der Soapbox: Jessie Weber mit "Töchter der Tide"


Meine Rubrik "Soapbox" soll Indie-Autoren, Self-Publishern und Ebook-only Autoren eine Plattform bieten, sich den Lesern zu präsentieren. Die Idee dazu habe ich mir von der Tradition der "Soapbox Speeches" geliehen. Man steigt einfach auf eine Kiste und hält eine Rede über das, was einem am Herzen liegt. Hier klettern die Autoren selbst auf die Kiste und stellen ihr Buch in ihren eigenen Worten vor. Ich mische mich nicht ein. In etwa 500 Wörtern dürfen sie euch Lesern hier ihr Werk vorstellen und schmackhaft machen. Wer sein Buch hier vorstellen möchte, kann mich gerne kontaktieren.

Heute erklimmt die Soapbox Jessie Weber, eine Kollegin von Forever by Ullstein, die sich und ihr Ebook "Töchter der Tide" vorstellt.



Jessie Weber: Töchter der Tide

Zwei junge Frauen, zwei Generationen, ein Familienschicksal:

1688: Lianne führt ein einsames Leben als Dienstmagd im Hause eines reichen Händlers. Ihr künstlerischer Geist rebelliert immer wieder gegen das ihr vorbestimmte Leben in Abhängigkeit. Als ihr Dienstherr zudringlich wird, flieht sie. Sie gerät in eine hoffnungslose Lage, erhält unerwartete Hilfe und lernt Freundschaft und Liebe kennen. An Bord eines Schiffes begegnet sie dem jungen Kaufmann Luc. Auch für ihn will sie um ihre Freiheit kämpfen. Doch ihr Herr ist ihr auf der Spur, denn einen Mann wie ihn verlässt man nicht.

Im Arbeitszimmer angekommen, fiel mein Blick sogleich auf den vergessenen Wassereimer. Ich spürte die Röte in meinem Gesicht aufsteigen, murmelte eine Entschuldigung und wollte den Eimer aufnehmen, doch da stand mein Herr schon dicht neben mir. Ich wagte nicht, ihn anzusehen, und umso deutlicher nahm ich seinen allzu vertrauten Männergeruch wahr. Leder und Schweiß, kaum überdeckt von einem Hauch Parfüm. Ich begann zu zittern.
    »Sieh mich an.«
    Gehorsam blickte ich zu meinem Herrn auf. Er stand so nah, dass ich den Kopf weit in den Nacken legen musste, um ihm ins Gesicht zu sehen. Er kratzte sich den kurzen, pechschwarzen Bart und musterte mich mit einer mir unerklärlichen Mischung aus Abscheu und Verlangen. Dann nahm er mein Kinn in eine Hand und flüsterte:
    »Noch biete ich dir ein Geschäft an. Noch. Ich bin es gewohnt zu bekommen, was ich begehre. Und für gewöhnlich gewährt man es mir freiwillig. Insbesondere wenn ich bereit bin zu bezahlen. Doch falls du nicht in meinen Vorschlag einwilligst, so bin ich durchaus in der Lage, mir auch ohne deine Zustimmung zu nehmen, was ich will. Wenn du mein weiches Bett verschmähst, soll es meinetwegen hier auf den Dielen geschehen, die du so brav geschrubbt hast. Ich werde nicht mehr lange warten!«
    Er ließ mich los, stieß mich von sich und wandte sich seinem Schreibtisch zu. Ich ergriff den Putzeimer und eilte zur Tür, als die tiefe Stimme hinter mir ertönte.
    »Bedenke, ob du mich wirklich zum Feind willst. Solltest du den Gedanken haben, in einen anderen Haushalt zu wechseln, so sei dir sicher, dass ich das zu verhindern weiß. Du gehörst mir.« Er spuckte das letzte Wort aus und ließ ein kurzes, spöttisches Lachen hören. Ich floh vor der Stimme, die mich bis in meine Träume verfolgte, hinaus in den Hof und verkroch mich zwischen der aufgehängten Wäsche, bis mein Atem sich beruhigt hatte.

1670: Nach dem Selbstmord ihres Vaters gerät das sorglose Leben der Kaufmannstochter Robina aus den Fugen. Sie wird zum Spielball verschiedener Interessen und tut alles, um ihr Schicksal wieder in die eigene Hand zu nehmen. Dabei verletzt sie die Menschen um sich herum und letztlich sich selbst.

Robina jedoch starrte auf das blau angelaufene, leblose Gesicht des Vaters, die hervorquellenden Augen und die blutroten Striemen, dort, wo der Hausdiener eben erst das dicke Seil entfernt hatte. Sie fühlte sich, als läge um ihren eigenen Hals ebenfalls eine Schlinge, die sich fester und fester zog und ihr den Atem nahm. Sie fiel auf die Knie, heftiges Würgen erschütterte den zarten Körper, sie vermochte jedoch nicht den Blick von dem Grauen abzuwenden, das dort vor ihr lag. Ihr herzensguter Vater, das Liebste in ihrem Leben – es durfte nicht sein! Ihre Augen sahen die Tatsachen, doch ihr Herz weigerte sich, sie zu begreifen. Sie sprang auf, packte ihn bei den Schultern und schüttelte ihn, richtete den schlaffen Oberkörper auf, wollte ihren Vater zurückholen, wie er am Morgen gewesen war, heiter, zu Späßen aufgelegt, trotz der mürrischen Miene der Mutter. Sie flehte, küsste das starre Gesicht, dann ließ sie entsetzt den Körper fallen, als die Wirklichkeit sie mit einem Schlag einholte. Ihr Schrei schien nicht enden zu wollen.



http://jessieswelt.blogspot.de

Jessie findet ihr natürlich auch auf Facebook oder bei Forever by Ullstein.

Kommentare:

  1. Hallo und guten Tag,

    O.K. meine Frage an die Autorin...was bedeutet denn "Ihr künstlerischer Geist "rebelliert immer wieder gegen das ihr vorbestimmte Leben in Abhängigkeit.

    Klingt ganz schön dramatisch, aber ich sehe bzw. lese nicht in welche Richtung ihre künstlerische Ader geht.....und mir persönlich fehlt es an Hintergrundinfo bei Lianne um die Dramatik da begreifen zu können...

    sorry.....LG..Karin...

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    1. Hallo Karin,

      vielen Dank für die Nachfrage, da antworte ich doch gern :-)

      Lianne fühlt sich zum Zeichnen / Malen berufen, hat aber weder Material noch Zeit dafür. Sie stiehlt winzige Papierschnipsel und Augenblicke, um sich wenigstens ein bisschen 'ausdrücken' zu können. Ich denke, jeder kreativ veranlagte Mensch (in welcher Richtung auch immer) kann nachvollziehen, wie es sich anfühlt, sich und sein Talent nicht ausleben zu dürfen. Ich z. B. werde ungenießbar, wenn ich länger nicht zum Schreiben komme. Das allein macht natürlich nicht die Dramatik bzw. das Unglück von Liannes Leben aus, ist aber ein Teil davon.

      Liebe Grüße Jessie

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  2. Hallo Jessie,

    Danke für die Antwort.

    Nun mein Problem war, Du kennst Deine Figur natürlich sehr genau, aber ich als Leserin konnte mir, da einfach keinen Reim daraufmachen, was in und in welche Richtung ihre Kreativität denn so geht.

    Denn es gibt ja auch noch Singen, Tanzen, Gedichte oder Geschichten schreiben usw.

    Mir persönlich, war da Deine Aussage zu allgemein gehalten und ohne Festlegung in eine bestimmte Richtung.

    Aber durch Deine Erklärung wird mir die Dramatik und wenn es auch nur teilweise ist schon klar...

    LG..Karin...

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