Samstag, 15. August 2015

Sonntagsbrunch heute mit der Autorin Gina Mayer


Heute habe ich wieder eine liebe Kollegin zu Gast, die ich über Jutta Wilkes „Schreibwelt“ kennenlernen durfte. Sie kann auf eine stolze Liste an Veröffentlichungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zurückblicken, die sich nahezu quer durch alle Genres zieht. Liebesgeschichten, Reisegeschichten, Pferdegeschichten, Historisches, Thriller, Krimi… Ihre Werke wurden u. a. für den Deutsch-Französischen Jugendliteraturpreis und den Hansjörg-Martin-Preis nominiert und mit dem Leipziger Lesekompass ausgezeichnet. Eine sehr vielseitige und talentierte Autorin, auf die ich mich sehr freue: Gina Mayer. 

Bild: (c) Sibylle Pietrek, Düsseldorf

Liebe Gina, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee?
Milch, Zucker, schwarz?
Herzhaft oder süß?
Warm oder kalt?

Kann mich nicht entscheiden, ich nehm einfach alles!

1. Deine Homepage eröffnet mit einem sehr schönen Zitat von dir. Du schreibst dort, dass du ständig Leute triffst, die früher Schriftsteller werden wollten. Bei dir sei es genau umgekehrt gewesen. Du habest alles Mögliche werden wollen und dann quasi eher ins Schreiben hineingeschlittert. War das tatsächlich so ungeplant und ein schleichender Prozess? Und an welchen früheren Traumberuf erinnerst du dich noch besonders?
Na ja, der Traumberuf steht ja auch auf der Website: Ich wollte früher Friseurin werden. Das hat so etwas schön Handfestes. Ich träume heute noch ein bisschen davon, wenn ich bei meiner Freundin bin - die ist nämlich tatsächlich Friseurin und zwar eine richtig gute. Ich dagegen bin leider ungeschickt und schaffe nicht mal, meinen Pony nachzuschneiden, das sieht jedes Mal furchtbar aus. Vermutlich war es ganz gut, dass ich Autorin geworden bin.

2. Das erste Buch, das ich von dir gelesen habe, war „Küssen auf Amerikanisch“. Das war auch die erste Verbindung zu dir, denn ich hatte gerade bei Ravensburger eine Absage für „Herzschmerz und Pommes Frites mit Essig“ erhalten, weil sie es zwar mochten, aber gerade ein thematisch zu ähnliches Buch im Programm hatten. Das war dann deins. Nach Blick auf den Klappentext musste ich zugeben, dass es sich schon recht ähnlich las. Für einen kurzen Moment habe ich beschlossen, dich zu hassen. Doch dann habe ich das Buch gelesen und fand es total klasse. Mist! Konnte also dem Verlag nur zu dir gratulieren. Seither hatte ich dich natürlich auf dem Radar und bin auf deine Bücher aufmerksam geworden. Wie kam es zu diesem speziellen Buch? Hast du selbst New York Erfahrung?
Ich war einmal in N.Y., vor vielen hundert Jahren. Aber meine Schwester hat länger dort gelebt, also musste sie mir ein bisschen bei der Recherche helfen.

Auf die Idee zu dem Buch bin ich gekommen, weil eine Freundin meiner Tochter für ein halbes Jahr nach L.A. gezogen ist. Sie hat einen Blog geschrieben, den ich immer gelesen habe – und daraus hab ich mich hemmungslos bedient. Der dicke Mann im Flugzeug ist zum Beispiel aus dem Blog, oder die Szene mit der Schokolade, die der Zollhund am Flughafen erschnüffelt. Rosy, Cosimas ausgeflippte Gastmutter, kenn ich dagegen persönlich ... Aber das ist eine andere Geschichte.

3. Du hast einen besonderen Hang zu Jugendthrillern mit abgründigen Gestalten. Was fasziniert dich an menschlichen Abgründen und gibt es Themen, die du Jugendlichen nicht zumuten würdest?

Zumuten würde ich Jugendlichen eigentlich alles Mögliche, ich glaube auch nicht, dass sie schwächere Nerven haben als Erwachsene (im Gegenteil). Aber manche Themen sind einfach nicht interessant für sie. Daraus mach ich dann eher was für Erwachsene.

4. Noch ein Berührungspunkt: deine Wahlheimat ist Düsseldorf. Meine Eltern – die es allerdings nach Westfalen verschlagen hat – sind beide in Düsseldorf geboren und hatten immer eine starke Verbindung zu ihrer alten Heimat. Einige deiner Bücher spielen dort. Was macht Düsseldorf in deinen Augen zu einer so lebens- und lesenswerten Stadt?
Lebenswert ist Düsseldorf für mich, weil hier meine Familie und meine Freunde wohnen. Es ist nicht zu groß und nicht zu klein und schön flach, so dass man prima Fahrrad fahren kann. Und mitten durch fließt der Rhein, das ist auch schön.

Meine Bücher spielen oft in Düsseldorf, weil es einfach praktisch ist, wenn man zur Recherche nicht allzu weit fahren muss. Außerdem erfahre ich so immer wieder Neues über meine Wahlheimat. Und habe einen tollen Vorwand, um allen möglichen interessanten Leuten auf die Nerven zu gehen.

5. Zusammen mit Frank Reifenberg hast du auch an der Reihe „Die Schattenbande“ gearbeitet. Wie hast du das Schreiben an einer Reihe im Unterschied zum Verfassen von Einzelbänden erlebt?

Die Schattenbande war ja nicht meine erste Reihe, unter dem Pseudonym "Luzie Bosch" hab ich schon die "Sunshine-Ranch"– geschrieben, eine Pferde-Krimi-Serie. Und nächstes Jahr startet noch eine Kinderserie von mir bei Ravensburger. Ich liebe Serien, weil man die Charaktere in aller Ruhe entwickeln kann.

Schwierig finde ich an Reihen, dass man sich immer so viel merken muss. Wenn man in Band 2 einen Hund einführt, muss der auch in Band 3 auftauchen und wenn die Heldin in Band 1 keinen Spinat mag, findet sie ihn in Band 5 immer noch scheußlich.

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?
Aktuell: "Altes Land" von Dörte Hansen.

Fragen 7 und 8 (Das Schönste/die größte Schwierigkeit beim Schreiben): —

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Na klar, ständig!

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Kommt auf die Kritik an. Schlecht geschriebene oder unsachliche Rezensionen mit tausend Rechtschreibfehlern lassen mich kalt. Gerechtfertigte Kritik vom Lektorat oder von Testlesern nervt, weil sie zum Umschreiben zwingt. Aber positives Feedback von meinen Lesern find ich großartig. Damit kann ich prima umgehen.

Liebe Gina, ich danke dir ganz herzlich, dass du dir trotz deines umtriebigen und sehr arbeitsreichen Autorinnenlebens die Zeit für diese Interview genommen hast und wünsche dir weiterhin Erfolg mit deinen Büchern und Spaß an deiner Arbeit.

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