Sonntag, 30. August 2015

Sonntagsbrunch heute mit der Autorin Linne van Sythen


Auch heute gibt es ein Brunch-Interview mit einer Kollegin von Forever by Ullstein, die auch Mitglied der Romance Alliance ist. Ihr Roman „Wenn zwei es wagen“ erschien im November 2014 bei Forever by Ullstein und trägt den Untertitel „(K)ein Liebesroman“. Was es damit auf sich hat, und natürlich noch einiges andere Wissenswerte, werde ich heute für euch versuchen, in Erfahrung zu bringen. Willkommen, Linne van Sythen.




Liebe Linne, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee? Kaffee
Milch, Zucker, schwarz? Mit Milch
Herzhaft oder süß? Bitte beides!
Warm oder kalt? Bitte beides!  Für mich darf das warme Rührei um 9:30 Uhr nicht fehlen, genauso wie später gegen 12:30 Uhr eine leckere Suppe oder ein feingewürzter Gemüseauflauf. 

1. Ich hoffe, ich verrate kein wohlgehütetes Geheimnis, wenn ich sage, dass es sich bei dem Namen Linne van Sythen um ein Pseudonym handelt. Bis zur Veröffentlichung von „Wenn zwei es wagen“ hast du (mit Ausnahme von einem Geschichtenband und einem Krimi) hauptsächlich Fachliteratur verfasst. War das der Grund, warum du ein Pseudonym gewählt hast? Und, wie bist du auf diesen Namen gekommen?

Meine beiden belletristischen Veröffentlichungen habe ich unter meinen richtigen Namen Ursula Wohlfart verfasst. Das hätte ich auch gerne bei einem Roman „Wenn zwei es wagen“ getan. Aber Ullstein by Forever klang mein Nachname zu sehr nach sozialen Themen, zu sehr nach Caritas. Also habe ich das Pseudonym gewählt.
Ein genialer Name finde ich, denn Linne ist mein Spitzname in meiner Familie und Sythen heißt der kleine dörfliche Stadtteil von Haltern am See, wo ich seit einigen Jahren mit meinem Mann Paul und meiner Bernhardinerhündin Paula lebe.

2. In deinem Brotjob beschäftigst du dich mit beruflicher Entwicklung und Förderung und Weiterbildung. Im Zentrum deines Romans um ein Schwesternpaar steht auch eine ungewöhnliche Karriere-Idee. Bist du durch deinen Job auf die Idee zum Buch gekommen?

Ja, auch. Bei dieser Geschichte bewegte mich durchaus das Dilemma so vieler Frauen mit Kindern, die keinen gut bezahlten Halbtagsjob finden. Aber etwas anderes war für mich viel entscheidender.
Ich wünschte mir – und wünsche es mir noch - viel mehr Zeit für meine abendliche Schreibsession neben dem Job zu haben, in der ich meine phantasievolle Seite ausleben kann. So dachte ich mir damals, kurz vor Beginn der Arbeit an „Wenn zwei es wagen“ wie schön es doch wäre, eine Zwillingsschwester zu haben, die ich an meinen Arbeitsplatz schicken könnte, um den ganzen Tag tolle Geschichten zu erfinden. So war die Idee zu meinem nächsten Roman geboren. Ich verschaffte also zwei Zwillingsschwestern in einer Druckerei einen Ganztagsjob, den sie sich aber heimlich teilen. All die Turbulenzen allerdings, die meine Schwestern bei ihrem gewagten Jobsharing erleben und durchleiden –  ständige Angst vorm Auffliegen, Liebeskummer, gegenseitiges Misstrauen und letztlich eine Erpressung – hätten mich selbst den letzte Nerv gekostet.

3. Wann hast du angefangen, (belletristisch) zu schreiben und wann hast du zum ersten Mal gedacht: ja, das möchte ich gerne veröffentlichen?

Mit dem belletristischen Schreiben begann ich 1993, um in Romanform eine gescheiterte Liebe zu verarbeiten. Natürlich wollte ich sie gerne als Buch in den Händen halten. Aber veröffentlicht wurde meine Herz-Schmerz- Geschichte nie. Kein Wunder. Zu wenig wusste ich über das Handwerk des Schreibens. Auf meinen Schreibtisch häuften sich also die Absagen vieler Verlage. Dieser Roman mit dem schönen Titel „Herzragout“ war mein Anstoß, endlich professionell schreiben zu lernen. Die Kurse machten Spaß, ich lernte viele nette Autorinnen und Autoren kennen und blieb am Ball.

4. Dein Roman trägt, wie bereits erwähnt, den Untertitel „(K)ein Liebesroman“. Wie kam es zu diesem Untertitel und inwiefern ist es ein typischer/untypischer Liebesroman? 

Nun, in meinem Roman steht das Abenteuer der beiden Schwestern im Vordergrund: Gelingt es ihnen, ohne aufzufliegen, nur eine Bürokauffrau für die Druckerei zu sein. Können sie ihren Arbeitgeber austricksen und damit vielleicht auch anderen Frauen Mut machen, sich gerissen am Arbeitsmarkt zu behaupten, der insbesondere Mütter mit Kindern immer noch benachteiligt? Aber die Liebe kommt nicht zur kurz. Andrea verliebt sich in ihren Chef und er sich in sie. Bedrückt muss sie sich fragen, ob er eigentlich sie selbst oder ihre Schwester Franka meint, wenn er mit ihr flirtet. Zudem bekommt sie immer mehr Skrupel, ihn mit dem heimlichen Jobsharing zu betrügen. Franka verliebt sich in einen Kollegen. Um das Zwillingsspiel nicht zu gefährden, schwören sich die Schwestern: Liebe ist im Betrieb tabu. Nun, eine hält das nicht durch, die andere nicht und der Schwesternzwist entflammt. Aber ich will nicht zu viel verraten. 
Beide Liebesgeschichten sind schließlich Treiber dafür, dass die Schwestern mit ihrem Plan in arge Bedrängnis kommen und sich immer weniger vertrauen. Kurz und gut, mein Roman ist ein Frauenroman mit Krimi- und Liebeselementen.

5. Dein Buch ist bei einem Digitalverlag erschienen. Wie stehst du selbst zum Thema Ebook vs Printbuch und welche Reaktionen hast du als Ebook-Autorin bisher erlebt?

Ich habe bis zur Veröffentlichung meines Romans kein E-Book gelesen. Da bin ich ja ganz ehrlich. Mit so einem Reader ins Bett und lesen? Unsinnlich, unsinnlich, habe ich mir gedacht. Aber inzwischen fühle ich anders, genieße das E-Book-lesen besonders im Urlaub. 1000 Bücher mitnehmen und kein Übergepäck bei einer Flugreise! Super!
Dennoch … ich fände es toll, wenn es mein Buch auch als Print gebe. Meine Familie, meine Freunde und meine Kollegen (halt meine Generation) sind keine E-Book-Leser/-innen und kaum jemand hat bisher meinen Roman gelesen. Sehr schade!
Ich befürworte es, wenn Verlage (und es gibt davon immer mehr) den Leser/-innen die Wahl lassen, wie sie lesen wollen und einen Roman sowohl als Print und auch als E-Book herausgegeben.

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest? 

„Altes Land“ von Dörte Hansen. Mit friesisch-trockenem Humor erzählt die Autorin von zwei Einzelgängerinnen, die an der Elbe und unter Apfelbäumen zueinander finden. Da meine Familie in Stade lebt und ich das Alte Land gut kenne, begeistert es mich umso mehr, wie die Autorin gegen die Romantisierung des Landlebens anschreibt und das Leben dort mit scharfen Tönen so zeigt, wie es heute wirklich ist. Übrigens: Diesen wundervollen Roman gibt es als Print und als E-Book. Glückwunsch an den Verlag von Dörte Hansen.

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Das Erfinden und gestalten (plotten) der Geschichte. Aber – ich gebe es ja zu – überarbeiten liebe ich ebenso. Ja, ich muss mich bremsen, irgendwann einmal damit aufzuhören und immer noch etwas verbessern zu wollen.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben? 

Ich könnte ja jetzt einige meiner handwerklichen Fehler aufzählen, die mir immer wieder passieren. Aber das ist für Leser/-innen vermutlich langweilig.
Die größte Schwierigkeit ist für mich aber, abends nach einem langen Arbeitstag im Hauptjob noch die Energie fürs Schreiben aufzubringen. Meist gelingt es mir dann aber doch nach einem guten Glas Wein, alles rings herum zu vergessen und ganz in meine Geschichte einzutauchen.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest? 

Das höre ich von anderen Autoren und Autorinnen immer wieder. Bisher ist mir das nicht passiert? Vielleicht bin ich eine zu strenge Regisseurin meines Romanteams? Gar eine Feldweblerin? Da ich meine Geschichten genau plane, bevor ich schreibe, tanzt bei mir niemand aus der Reihe. Ich bin sehr gespannt, ob mir der Eigensinn meiner Figuren nicht doch einmal in die Quere kommt.

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Klar trifft mich Kritik. Wenn ich sie arg empfinde, lenke ich mich erstmal ab. Schufte im Fitnessstudio, stürme mit Paul und Paula in die Wiesen hinter unserem Haus oder knabbere eine ganze Packung Salzstangen weg. Kann auch sein, dass meine innere Putzteufelin erwacht und ich alle Fenster auf einen Schlag putze.
Mit Abstand prüfe ich aber immer, was an der Kritik dran ist (schluck!), und ob ich zukünftig etwas besser oder anders machen könnte. Kritik ist mir wichtig und bringt mir Selbstreflexion – damit hoffentlich auch immer ein Stück Weiterentwicklung.

Liebe Linne, vielen lieben Dank für die Zeit, die du dir genommen hast, um mir und meinen Lesern Rede und Antwort zu stehen. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg in allen deinen Projekten und vor allem natürlich auch viel Spaß an deinem Tun. 

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