Sonntag, 13. September 2015

Sonntagsbrunch heute mit der Autorin Stephanie Linnhe


Heute brunche ich wieder mit einer Kollegin, die ebenfalls ein Ebook bei Forever by Ullstein im Programm hat: Stephanie Linnhe (sprich: Linnie). Ihr 2014 bei Forever erschienener Urban Fantasy-Roman „Herz aus Grün und Silber“ schaffte es auf die Shortlist des Lovelybooks Leserpreises 2014 in der Kategorie Ebook only. Auch sonst zieht es Stephanie literarisch in fantastische Welten. Ihre Reihen Inc. (Nicht menschlich Inc. und Vor allem verhängnisvoll Inc.) und Absecon entführen den Leser auch in die Welt des Fantastischen – ob nun als Urban Fantasy oder als Paranormal Suspense – und sind im Bookshouse Verlag erschienen.


Bild: Robin Jähne

Liebe Stephanie, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee? Schwarzen Tee, danke ☺ Ich trinke niemals Kaffee & Co.

Milch, Zucker, schwarz? Mit Milch und Honig. 

Herzhaft oder süß? Vollkommen egal - so lange kein Fleisch im Spiel ist, nehme ich alles.

Warm oder kalt? Warm bis heiß. Nach dem Jahrhundertsommer hier in Karlsruhe erfriere ich bei allem unter 20 Grad. Ich hab ja jetzt schon kalte Füße …

1. Wie ich bist du im nördlichen Ruhrgebiet aufgewachsen. Würdest du sagen, dass dich der „Pott“ geprägt hat? 

Interessanterweise habe ich das erst gemerkt, als ich weggezogen bin – mein Lokalpatriotismus scheint nur aus der Ferne zu funktionieren. Oder gerade deshalb. Und eben mit ‚fremden‘ Vergleichsmomenten merke ich durchaus, dass der Pott auf irgendeine Weise prägt. Sei es, dass ich hier im Süden kein vernünftiges Bier finde (die haben kein Altbier! Geschweige denn Altbierbowle. Wer bitte hält einen Sommer ohne Altbierbowle durch?) und darüber verzweifle, so dass ab und an mal etwas Dialekt durchschlägt („hömma“, rufen manche Kollegen mir gern entgegen) oder dass ich nicht begreife, warum man die Kehrwoche nicht montags machen kann. Zudem ist die Ruhrpottmentalität eine direktere im Vergleich zu manch anderen.

2. Dein Buch „Herz aus Grün und Silber“ spielt in Australien. Du hast selbst ein Jahr in Australien verbracht. Was hat dich an diesem Land am meisten fasziniert?

Ehe ich geflogen bin, hat mich die Andersartigkeit interessiert, das Unbekannte: die rote Wüste, die unglaublichen Küstenlandschaften, die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt und natürlich die Kultur. Die europäische Besiedlung ist noch nicht so lange her und hat mit ihrer kulturellen Entwurzelung der Ureinwohner große Lücken gerissen, aber glücklicherweise hat ein Teil davon überlebt, ohne sich in künstliche Folklore zu verwandeln.
Das alles hat sich vor Ort bewahrheitet, dieser Kontinent ist einfach unglaublich schön. Auch warm, was für mich ein enormer Pluspunkt ist. ;) Dazu kommt die Mentalität, die wirklich „laid back“ ist, obwohl die Australier, die ich kenne, nicht weniger arbeiten als wir. 
Es gab also nicht das schönste Erlebnis, sondern mehrere: Zwergpinguine auf Phillip Island beobachten. Den East und South Alligator River befahren. Weihnachten im Bikini am Strand stehen und in Deutschland anrufen. 

3. Dein Pseudonym Linnhe leitet sich vom Namen eines Sees (Loch Linnhe) in Schottland ab. Genau wie ich bist du großer Schottland-Fan. Wie würdest du die Faszination dieses Landes und seiner Bewohner beschreiben?

Mit einer Freundin habe ich die Theorie aufgestellt, dass die Wellenlänge eines Landes sich aus vielen Einzelheiten zusammensetzt: Geschichte, Sprache, Küstenform, Kulinarisches, überwiegende Farben, Gerüche, Pflanzen, Landschaft, Gebäudestile … alles bis hin zu Ortsnamen oder auch der Linksverkehr. Bei Schottland bin ich mit dem Ergebnis auf einer Wellenlänge. Ich liebe die Landschaft, die vielen historischen Plätze, den Akzent, sogar das Essen.  Ich hatte etwas Angst, dass nach dem Serienstart von ‚Outlander‘ die Highlands vor Touristen überlaufen, aber das war zum Glück nicht so ;)
Es ist faszinierend, wie viele Schotten von ihrem Land schwärmen, wenn man ins Gespräch kommt. Jeder kennt mindestens zehn großartige Orte, die man unbedingt noch besuchen muss. Ich habe selten erlebt, dass jemand in Deutschland so sehr ins Erzählen kommt, wenn es um die Heimat geht.
Letztlich bin ich gern am oder auf dem Wasser - besonders gut gefallen mir die Hebriden. Gib mir ein Cottage an einer Steilküste und ich bin glücklich. 

4. In deiner Biografie lese ich, dass du dich in Australien als Drehbuchschreiberin betätigt hast. Magst du uns mehr darüber verraten?

Ich habe die ersten Wochen in Australien genutzt, um mich zu orientieren und Leute zu treffen. Beispielsweise Nash Edgerton, einen Stuntman & Filmemacher. Der verschuf mir einen Kontakt zu OzDox, einem Zusammenschluss von Dokufilmern, und so lernte ich Michael Ney kennen, der soeben auf der Suche nach jemandem war, der sich mit Hermann Hesse auskannte und bereit war, ein Drehbuch zum Steppenwolf zu schreiben. Der Fokus sollte sowohl auf Film als auch auf Theater liegen, und ich fand die Aufgabe extrem faszinierend und sagte zu. Nachdem ich wieder in Deutschland war, sind Mike und ich noch ein wenig Hesses Spuren bis in die südliche Schweiz abgefahren und haben Stoff für eine Filmdoku gesammelt. Leider ist die Umsetzung letztlich an rechtlichen Dingen gescheitert. Aber traurig bin ich dennoch nicht, es war ein ziemlich cooler Job.  

5. Du beschreibst dich als großen Film- und Serienfan. Was sind denn zur Zeit deine Favoriten und warum?

Du möchtest jetzt wirklich eine konkrete Antwort? Vergiss es, liebe Doro :D Filme gibt es zu viele, um sie aufzuzählen, also beschränke ich mich mal auf Serien, die in den vergangenen Jahren qualitativ immer mehr aufholen. Ich mag jene, die aus dem Fantasy/Mystery/SciFi-Bereich kommen, aber auch Historisches. Den deutschen Serienmarkt finde ich leider unspannend. BBC hat dagegen einige schöne Konzepte ent- und manchmal auch wieder verworfen. ‚Banished‘ beispielsweise handelte von der ersten britischen Kolonie in Australien (1788), war wirklich gut gemacht … und hat mich empört, da es nach einer Staffel abgesetzt wurde. ‚Being Human‘ geht mit einer Vampir/Werwolf/Geist-WG etwas in die Comedy-Richtung und ist hin und wieder herrlich britisch (nicht die US-Adaption wählen!). Weitere tolle Serien sind Del Toros Buchverfilmung ‚The Strain‘ oder ‚Penny Dreadful‘ mit einer tollen, viktorianischen Horror-Eva Green. Und ja, ich sehe auch gern ‚The Walking Dead‘ oder ‚Game of Thrones‘, wo ich bisher in jeder Staffel einen anderen Lieblingscharakter habe (George R.R. Martin darf Bronn nicht töten! Aber Doran Martell ist auch toll).
Insgesamt bin ich sehr charakterfixiert. Wenn die Ausarbeitung diesbezüglich nicht stimmt, springe ich ab.

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest? 

Kein bestimmtes, ich schreibe gern meine eigenen. Bei manchen Ideen denke ich mir allerdings hin und wieder „Mensch, da hättest du drauf kommen müssen“ – nicht, weil ich sie so toll finde, sondern weil sie von ihrer simplen Grundidee her einfach einschlagen müssen.
Ah, ich muss eines wählen? Okay, dann etwas a la „Die 500 schönsten Fleckchen der Erde – Eine von Sponsoren bezahlte Reise, damit die Autorin vor Ort bewerten kann.“ ;)

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Die Ideen ausarbeiten und Welten erfinden, die mir im Kopf herumschwirren. Allerdings bin ich auch sehr neugierig und möchte wissen, wie Dinge ankommen oder funktionieren. Vom Geschichtenerzähler am Lagerfeuer, der die Reaktionen auf den Gesichtern seiner Zuhörer betrachtet, bin ich nicht weit entfernt.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben? 

Dass es einfach nicht genug Zeit für alle Ideen gibt. Die Tatsache, dass ich es nicht immer in einem Cottage in Schottland tun kann. Und manchmal auch für den Markt zu schreiben (ich mag beispielsweise kein 100% Happy End, aber manchmal kommt man mit 50% einfach nicht durch).

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest? 

Nur bei Kleinigkeiten. Ich plotte Story und Charaktere vor dem Schreiben weitgehend aus. Manchmal setzt sich im Laufe der Geschichte ein anderer Charakterzug bei einer Figur durch und/oder es entstehen Twists, die nicht eingeplant waren, aber nicht so sehr, dass es das Gesamtkonzept umwirft.

10.  Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um? 

Kritik trifft immer irgendwo, und sei es für einen Sekundenbruchteil – jeder hört doch lieber ‚Hey, das Buch war toll‘. Aber nicht so sehr, dass sie mir den Tag verdirbt. Wenn sie begründet ist, kann ich sie respektieren und akzeptieren (und vielleicht sogar für Zukünftiges beachten). Aussagen wie ‚Hat mir nicht gefallen, hätte man auch anders machen können, etc pp‘ sind für mich keine Kritiken, die ignoriere ich.
Was ich anstrengender finde, sind wiederkehrende falsche Erwartungen. Bei meiner Absecon-Trilogie erwarten manche Leserinnen eine Vampirromanze und monieren, dass die Beziehung der Protagonisten im Vergleich zur Action untergeht. Vielleicht liegt es am Männeroberkörper auf dem Cover von Band 1, der ja an diverse amerikanische Bücher im Vampirgenre erinnert, oder aber weil die Gleichung viel zu oft ‚Autorin + Vampir = Romance‘ lautet. Fakt ist, dass die Reihe als ‚Paranormal Suspense‘ eingeordnet wurde, also durchaus als Actionthriller gedacht ist. Die Beziehung der Protas war so ursprünglich nicht einmal geplant, steht also gewollt im Hintergrund. Ich finde das sehr schade, vor allem auch im Umkehrschluss im Bezug auf Thrillerliebhaber.

Ich danke dir, liebe Stephanie, dass du dich meinen Fragen gestellt hast. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und Spaß mit dem Schreiben und noch viele spannende Reisen – ob nun in der realen Welt oder in der Fantasie. 

Danke Doro, es hat viel Spaß gemacht! Lass uns doch das nächste Interview in Schottland führen. ;) Und dir natürlich auch weiterhin viel Erfolg!

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