Donnerstag, 24. September 2015

Von Flüchen, Geheimnissen und eingeschworenen Dorfgemeinschaften

Eckdaten zum Buch:
Autor/in: Alexander Lorenz Golling
Titel: Keltenmord
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Mystery-Thriller
Thema: Rätselhafte Todesfälle in einem bayrischen Dorf, Verschwörung, geheime Kulte


Plot in einem Satz: Journalist Tom Berger kommt aus Ingolstadt nach St. Emmeran, um sich zu erholen und sein Beziehungsleben zu überdenken und stößt dabei auf rätselhafte Vorkommnisse in einem Nachbardorf, die nicht nur ihn bald in Lebensgefahr bringen.


Erster Satz: "Verdammt![...]"

Inhalt: Der Journalist Tom Berger steckt in der Krise. Beruflich wie privat läuft es nicht ganz rund und er trinkt viel zu viel. Er flieht aus Ingolstadt in die Bergeinsamkeit nach St. Emmeran, um sich zu erholen und sein Leben zu überdenken. Doch dabei stößt er bald schon auf rätselhafte Todesfälle im Nachbardorf Leitenacker. Das beharrliche Schweigen der Dorfbewohner weckt seine journalistische Neugierde und er beginnt zu forschen. Dabei weckt auch die junge Bäckereifachangestellte Franziska sein Interesse und bald verstrickt sich Berger in eine Situation, die ihn an seinem Verstand zweifeln lässt. Steckt hinter den rätselhaften Vorkommnissen und dem Verhalten der Dorfbewohner tatsächlich ein Fluch und uralte, göttliche Kräfte? Treibt etwa der gehörnte Gott der Kelten, Herne oder Cernunnos in den Wäldern sein Unwesen und fordert seinen blutigen Tribut von den Bewohnern? 

Immer tiefer wird Berger in die Situation hineingezogen, bis nicht nur er in Lebensgefahr gerät. 
 
Was mir gefallen hat: Mir gefiel die Grundidee und das Setting des Buches sehr gut. Bei den Örtlichkeiten konnte man sich gut vorstellen, dass die Dorfbewohner ein ganz eigener Menschenschlag und eine verschworene Gemeinschaft sind und es für einen Außenseiter schwer ist, ihnen ihre Geheimnisse zu entlocken. Die Geschichte war spannend und man wollte wissen, wie es Tom gelingt, den Fluch - oder was auch immer tatsächlich hinter den Todesfällen steckt - aufzudecken und aufzuhalten und man rätselt selbst mit, wie am Ende alles zusammenhängt, auch wenn man als Leser immer deutlich mehr weiß, als der Protagonist. Die historischen Bezüge haben mir als Keltenfan natürlich auch gefallen und passten gut in das Setting. Einiges am Finale konnte man voraussehen, aber es war dennoch spannend und das Ende kam dann auch für mich überraschend.

Was mir nicht gefallen hat: Es fiel mir schwer, Sympathie für den Protagonisten zu entwickeln. Er trinkt, er geht fremd, er hat viele Wesenszüge, die ihn unsympathisch machen - vor allem für eine Frau. So hat man stellenweise wenig Mitgefühl mit ihm, vor allem, wenn er mal wieder verkatert aufwacht. Auch die Liebesgeschichte (möchte nicht zu viel verraten) zwischen einer 19-Jährigen und einem über 40-Jährigen erschien mir aus weiblicher Perspektive eher Wunschdenken. Ich erinnere mich noch, als eine Freundin von mir mit 20 einen Freund hatte, der 36 war. Das fanden wir uralt und haben sie ständig damit aufgezogen. 
Eine ganz persönliche Abneigung von mir sind Perspektivwechsel bei einem personalen Erzähler innerhalb eines Kapitels. Hier springt der personale Erzähler oft zwischen der Innensicht des Protagonisten und verschiedener Nebencharaktere. Das liegt mir persönlich nicht so, weil ich es leichter finde, mich mit 1-2 zentralen Personen und deren Innenwelten zu beschäftigen. Den Epilog hätte ich persönlich nicht gebraucht, ich hätte es wirkungsvoller gefunden, einfach am Ende abzubrechen, aber auch das ist, denke ich, hauptsächlich eine Geschmacksfrage. 

 Wem würde ich das Buch empfehlen? Ich behaupte jetzt einfach mal ganz frech aufgrund meiner Kritikpunkte, dass dies eher ein Männerbuch ist. Einen Mann werden eher die Vorgänge und der Fall an sich interessieren, und er wird womöglich weniger Schwierigkeiten haben, mit dem Protagonisten zu sympathisieren. Ich kann mir vorstellen, dass Toms Verhalten einen Mann nicht so sehr auf die Palme bringt wie eine weibliche Leserschaft. Wer Thriller mit Mystery-Elementen mag und mit einer recht kantigen Hauptfigur klarkommt, wird hier einen spannenden Roman finden, der mit interessanten historischen Bezügen und einer Überraschung am Ende aufwartet. 

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