Sonntag, 25. Oktober 2015

Sonntagsbrunch heute mit der Autorin Lisa McAbbey



Heute brunche ich wieder mit einer Kollegin, die ebenfalls bei Forever by Ullstein veröffentlicht hat und Mitglied der Romance Alliance (Bücher mit Herz – ihr erinnert euch?) ist. Die Liebe der Wienerin gilt vor allem Großbritannien und vergangenen Zeiten. Ihr Roman „Reise nach Edinburgh“ spielt noch vor Jane Austens Geburt und ist eine sehr gelungene Kreuzung aus Historischem Liebesroman und Roadmovie. Ich begrüße beim Brunch Lisa McAbbey.

Liebe Lisa, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee? Kaffee mit ganz viel Milch, am liebsten geschäumt

Milch, Zucker, schwarz? Kein Zucker, danke

Herzhaft oder süß? Ich starte mal mit herzhaft ☺

Warm oder kalt? Bei diesem eisigen Wetter draußen unbedingt warm. Die Ham&Eggs sehen wirklich lecker aus! Oh, und es gibt Baked Beans! Herrlich!

1.Du bist gebürtige Wienerin. Wien kann sich nun nicht gerade über einen Mangel an Charme und bewegter Geschichte beklagen. Doch literarisch zieht es dich zu den britischen Inseln. Würde es dich reizen, auch mal einen Roman in deiner Heimat spielen zu lassen?

Derzeit eigentlich nicht, aber ausschließen will ich auch nichts. Die Ideen, die zurzeit in meinem Kopf herumschwirren, drehen sich alle um England, Schottland und Wales, da bin ich so gut wie machtlos ☺ Was ich mir schon vorstellen kann, ist, einen Abstecher nach Wien in eine dieser Geschichten einzubauen.

2.Deine Liebe gehört historischen Lesestoffen: Jane Austen, Elizabeth Gaskell, Georgette Heyer. Wie bist du zu dieser Liebe gekommen und was fasziniert dich daran?

Geschichte hat mich schon immer sehr interessiert, schon als kleines Mädchen habe ich alle Arten von Sagen und Märchen verschlungen, die ich im weiteren Sinne auch zu historischen Lesestoffen zähle. Später habe ich dann sehr viele Sachbücher zum Mittelalter gelesen. Mich fasziniert, wie die Menschen in diesen längst vergangenen Zeiten gelebt haben, worüber sie sich Gedanken gemacht haben, wie ihr Alltag aussah. Oder einen Gegenstand zu berühren, den schon jemand vor vielen Jahrhunderten berührt hat. Was hat der oder die damals gedacht?

3.Ich selbst bin bisher vor historischen Stoffen zurückgeschreckt – obwohl sie mich sehr reizen – weil ich die viele Recherchearbeit und das anschließende Gemecker kritischer Experten scheue. Wie bist du bei der Recherche für „Reise nach Edinburgh“ vorgegangen?

Zuerst einmal habe ich mir einen Stapel Bücher zugelegt, die das 18. Jahrhundert behandeln, Politik, Kriege, Alltagsleben, Mode, Kultur, und und und, um „einzutauchen“ und ein Gefühl für die Epoche zu bekommen. Dann habe ich damalige Zeitschriften studiert, auf der Suche nach Details, die ich in meinen Roman einbauen kann. Dank Internet kommt man an sehr viele Informationen und Quellen relativ leicht heran. Ja, und nicht zu vergessen: ich habe mir in England einen alten Stadtplan Londons aus dem Jahr 1746 kopieren lassen, auf etwa 2 x 1m – der hängt seither gerahmt an meiner Wohnzimmerwand ☺

4.Wenn du die Möglichkeit hättest, würdest du gern selbst im 18. Jahrhundert leben?

Nicht für immer, aber einen Kurzurlaub oder ein langes Wochenende ☺ könnte ich mir schon gut vorstellen. Um mal hinein zu schnuppern, wie es denn wirklich gewesen ist – das würde mich wahnsinnig reizen. Denn all die Bilder und Vorstellungen, die wir uns von der Vergangenheit machen, geben bestenfalls kleine Einblicke. Aber das Rückfahrticket sollte vorhanden sein ☺

5.Kannst du uns schon etwas über aktuelle Projekte verraten, an denen du arbeitest? Oder ist das alles noch streng geheim?

Zurzeit bin ich mit der Fertigstellung meines zweiten Romans beschäftigt. Die Reise geht dieses Mal ins 11. Jahrhundert zurück, und natürlich wieder nach Großbritannien. Mehr möchte ich dazu noch nicht verraten …

Und dann gibt es da natürlich eine kleine, aber sehr feine aktuelle Neuerscheinung: Einige meiner Kolleginnen der Romance Alliance und ich haben eine Anthologie herausgebracht, mit dem sehr passenden Titel „Eight Shades of Love“, in denen wir 8 unterschiedliche Geschichten zum Thema Liebe zusammengestellt haben. Mein Beitrag „Miss Blaustrumpf zweifelt an der Liebe“ ist eine Regency-Romance.

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Ich bin mal nicht so: „Pride und Prejudice“ von Jane Austen – das ist für mich der Prototyp des historischen Liebesromans. Elizabeth Bennett und Mr Darcy – einfach nur toll! Und die verschiedenen skurrilen Nebendarsteller geben dem Ganzen die gewisse Würze. Ein wunderbares Werk!

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?
Das Schöne beginnt für mich schon vor dem Schreiben. Für meine Geschichten betreibe ich immer historische Recherchearbeiten – selbst für so ganz kurze wie den Anthologiebeitrag. Für manche mag sich das schlimm oder langweilig anhören, aber ich liebe diesen Teil der Arbeit genauso wie das Schreiben selbst. Historische Ereignisse und Personen zu finden, und diese dann zu einer interessanten Geschichte zu „verweben“, macht mir großen Spaß!

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Den Überblick über die Geschichte zu bewahren und den roten Faden nicht zu verlieren. Je länger ein Roman wird, desto mehr muss ich darauf achten, mich nicht irgendwo auf der Strecke zu verlieren oder mich in Widersprüchlichkeiten oder unlogischen Abläufen zu verheddern. Daher lese ich meinen Roman sehr, sehr, sehr oft durch, manchmal auch mit einem Abstand von ein paar Wochen, um die Handlung eher wieder aus dem Blickwinkel eines „unbeteiligten Dritten“ verfolgen zu können.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Ja, das kommt durchaus vor. Vor allem, wenn ich so richtig schön in einem Schreibfluss drinnen bin, kann es schon mal sein, dass Romanfiguren etwas tun oder sagen oder denken, das ich so gar nicht geplant hatte. Aber ich bin ja flexibel ☺

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Ja, auf jeden Fall. Mir wäre es natürlich am liebsten, alle würden mein Buch supertoll finden. Soferne Kritik ernsthaft und sachlich ist – was leider nicht immer der Fall ist – versuche ich, darauf einzugehen und daraus zu lernen. Eine gewisse sture Ader führt dazu, dass das auch einmal ein paar Tage oder Wochen dauern kann ☺

Liebe Lisa, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Ich habe dich sehr gern auf deiner Reise nach Edinburgh begleitet und freue mich natürlich schon jetzt auf mehr aus deiner Feder. Weiterhin viel Erfolg mit deinen Projekten und ganz viel Spaß bei deiner Arbeit!
Vielen Dank für die Einladung, Doro! Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mit Dir zu brunchen und so angenehm übers Schreiben zu plaudern!

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