Dienstag, 1. Dezember 2015

Schreiben und Virtualität



Ich muss mich entschuldigen, dass ich aktuell kaum zum Lesen und/oder Bloggen komme. Ich arbeite an meinem aktuellen Roman, überarbeite ein Jugendbuch fürs Lektorat, bin nebenbei damit beschäftigt, ein Sachbuchprojekt auf den Weg zu bringen und führe parallel noch ein erfolgreiches kleines Familienunternehmen (wie man so schön sagt) - meinen Brotjob nicht zu vergessen. So ist es hier in letzter Zeit etwas still geworden. 

Heute möchte ich mich allerdings mit einem interessanten Thema befassen, auf dass ich durch den diesjährigen NaNoWriMo (National Novel Writing Month) gestoßen bin: Schreiben und Virtualität. 

Im Laufe der Jahre habe ich mich immer wieder mit den Möglichkeiten der virtuellen Welt Second Life auseinandergesetzt. Für mich hat der Gedanke der Virtualität einen großen Reiz. Wenn man fiktionale Texte schreibt, wird man im Prinzip ebenfalls zum Konstrukteur einer virtuellen Welt, die der Leser in seinen Gedanken betreten und mit der er interagieren kann. 

Das Eintauchen in eine Welt, die keine physische Existenz besitzt, eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. Kein Wunder also, dass sich virtuelle Realitäten auch hervorragend dazu eignen, sich Inspiration für das Schreiben zu holen. 




Im Zuge des NaNoWriMo habe ich hin und wieder an virtuellen Zusammenkünften einer Schreibcommunity teilgenommen. Das war klasse. Ich konnte zuhause an meinem Schreibtisch sitzen und doch saß ich gemeinsam mit anderen Schreibenden aus aller Welt um einen virtuellen Tisch und beteiligte mich an einem Schreibsprint. Wir konnten uns austauschen, über die Texte plaudern, uns gegenseitig motivieren. Natürlich könnte man das auch über Google Hangouts oder in einem Chat, aber wenn man tatsächlich als Avatar vor einer Schreibmaschine sitzt und die anderen Leute im Kreis um den Tisch sitzen sieht, fühlt es sich einfach viel realer an. 




Dabei stieß ich zufällig dazu, als gerade ein Mitglied der Community einen Vortrag darüber hielt, wie man virtuelle Realitäten auch zur Recherche und zur Inspiration nutzen kann. In Second Life gibt es viele mit großem Aufwand und Liebe gestaltete Landschaften und Welten, in die man eintauchen kann. Das virtuelle Erleben hilft dabei, konkret schreiben zu können. Genannt wurde zum Beispiel die virtuelle Landschaft "Hestium", die dazu einlädt, sich die Behausungen der "Bewohner" anzuschauen und ihre Geschichten zu erfinden. 




Bei meiner Recherche verwende ich auch oft Google Street View, um ein Gefühl für einen Ort zu bekommen. Man kann sich an der entsprechenden Stelle recht genau umsehen, kann sich Geräusche, Gerüche, Atmosphäre dazu vorstellen. Die Möglichkeit in einer virtuellen Realität, mit der Umgebung auch noch in Interaktion treten zu können, erleichtert es zusätzlich, sich in eine Szenerie hineinzudenken. Manche Landschaften sind wirklich liebevoll gestaltet bis hin zu Soundeffekten. So berichtete die Vortragende zum Beispiel, dass sie eine Szene schreiben wollte, die in einer Winterlandschaft spielte. Da sie selbst in einer sehr warmen Region lebt und in ihrem Leben sehr wenig Erfahrung mit Schnee hat sammeln können, war es für sie schwierig, sich wirklich konkret in das Setting hineinzudenken. Der Besuch in der virtuellen Schneelandschaft brachte sie erst auf das Geräusch, das es macht, wenn man über Schnee läuft.




Virtuelle Erfahrungen sind für mich jedenfalls eine sehr interessante Möglichkeit, sich Inspiration und Ideen für den Schreibprozess zu holen und ich werde in Zukunft sicher öfter darauf zurückgreifen. 

1 Kommentar: