Sonntag, 13. Dezember 2015

Sonntagsbrunch mit der Autorin Patricia Rabs


Ich freu mich, heute mit einer Autorin brunchen zu dürfen, die ich über meine Kollegin Evelyn Boyd kenne. Sie schreibt unter anderem Für Carlsen Impress ("Vollkommen" und "In Seide und Leinen"), bei deren Meet & Greet auf der Frankfurter Buchmesse ich die sehr sympathische und quirlige Autorin kennenlernen durfte. Fans dürfen sich freuen, denn am 28. Dezember erscheint der zweite Band ihrer Reihe "Durch die Zeit": Kalte Seele. 


Bild (c) Rebekka Richter


Liebe Patricia, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee? 
Kaffee bitte ☺
Milch, Zucker, schwarz?
Schwarz! Mein armer Kaffee, da kommt mir nix rein.
Herzhaft oder süß?
Nur herzhaft und salzig. 
Warm oder kalt?
Alles Zimmertemperatur. Kaffee, Bier, alles =D Ja, ich weiß, ich bin eklig ^^

1. In deiner Biographie lese ich, dass du Schauspielerin bist. Haben für dich das Schauspielern und das Schreiben Gemeinsamkeiten oder sind das zwei komplett verschiedene Paar Schuhe?

Es gibt wirklich viele Gemeinsamkeiten und ich bin sehr froh, dass mir so einiges davon schon an der Schauspielschule eingedrillt wurde. Zum Beispiel wie Dialoge ablaufen müssen. Ich schreibe in meinen Geschichten ungewöhnlich viele Dialoge, was sicherlich vom Theater kommt. Dazu kommt, dass eine Geschichte im Grunde auch ein Drama ist. Drei oder fünf Akte, jeder Akt endet in einer „Katastrophe“, jede Szene hat einen Wendepunkt … Als ich mit dem Schreiben anfing, habe ich darüber gar nicht nachgedacht und einfach mal gemacht. 
Ich glaube, ein großer Vorteil ist auch, dass ich es gewohnt bin, einen trockenen Text zu lesen und mir dazu eine bunte Szene vorzustellen. Ich bekomme sehr schnell Bilder in meinen Kopf und sehe, ob sie funktionieren oder nicht. Was nicht heißt, dass ich nicht mal daneben kloppe! ^^ wäre ja toll, wenn nicht ^^ 

2. Du hast dir einen Traum erfüllt und zwei Jahre in Japan gelebt. War das nicht ein totaler Kulturschock? Wie hast du dich darauf vorbereitet und was hat dir an deiner Zeit dort am besten gefallen?

Ja, das war mein Lebenstraum. Einfach Wahnsinn. 
Ich habe mich gar nicht vorbereitet. Ich habe einen Job bekommen und musste mich innerhalb von drei Wochen organisieren. 

Am besten gefallen hat mir alles ^^ Ich kann es nicht anders sagen. Das ist schlicht und einfach mein Land. Zu Beginn war ich sehr fixiert auf Osaka, weil es eben Osaka – die 13. größte Stadt der Welt – ist. Tokyo war mein Hauptziel. Mein absoluter Traum. Ich war nie wieder in meinem Leben so beeindruckt wie in dieser Stadt. 
Ich habe es auch geliebt wie eine Besessene zur Schule zu gehen oder jeden Abend noch 3 Stunden Schriftzeichen einzudrillen. 
Von allen Ausflügen, die ich gemacht habe, von Tokyo abgesehen, war Hiroshima ganz weit vorne. Diese Stadt muss man gesehen haben. Bedrückend, beeindruckend, wunderschön. Hiroshima strahlt unglaubliche Ruhe aus und mitten drin der Dom … Einfach krass. 
Einen Kulturschock hatte ich dort nie. Eher, als ich zurück musste. Die Umstellung fiel mir wahnsinnig schwer. 

Übrigens gibt es von mir aus der Carlsen-Reihe BitterSweet die Geschichte „One Shot Love“, die in Japan spielt  ^_^ 

3. Wie bist du zum Schreiben gekommen und in welchen Genres bewegst du dich am liebsten?

Ich habe damals etwas gesucht, was mich vom Theater ablenkt, denn dieser Beruf ist ziemlich einnehmend. Ich kann nur Schal und Topflappen stricken, puzzeln hat mich aggressiv gemacht, also hab ich was geschrieben ^^ 

Mein liebstes Genre ist mit Abstand die Dystopie. Aber nach „In Seide und Leinen“ ist schon klar, dass ich auf jeden Fall noch eine Märchenadaption machen werde. Ich weiß sogar schon, welches es sein wird ^_^
Nach „One Shot Love“ dachte ich aber auch, dass es unglaublich Spaß macht, mal nicht im Bereich Fantasy zu schreiben … 

4. In deiner Biographie outest du dich als Stephen King Fan. Ist Stephen King für dich auch schriftstellerisch ein Vorbild? 

Haha, nein komischer Weise nicht. Aber wo er absolut ein Vorbild ist, ist in seiner Gabe, Figuren zu erschaffen. Und war ein Buch noch so langatmig, die Personen waren immer ausnahmslos greifbar und real. Oder nennen wir das Beispiel „ES“, was mein Lieblingsbuch ist. 9 Figuren (mit Pennywise und Henry) so zu erschaffen, dass der Leser jeden von ihnen wirklich kennt, liebt und hasst, das ist einfach ein wahnsinns Talent! Darin ist er mein Vorbild in jeder Hinsicht. Das will ich auch mal können ^_^

5. Du bist Autorin bei Carlsen impress, einem digitalen Imprint. Viele Leser haben Ressentiments gegenüber dem Ebook. Was entgegnest du Ihnen?

Um ehrlich zu sein, gar nicht. Ich kann es nachvollziehen, aber auf der anderen Seite: Es kamen die CDs und alle motzten, dass es ja nicht klingt, wie auf Platte. Es kamen die Digicams und alle schimpften, dass man keine Fotos mehr im Album hat … Es kamen die Reader … 
Ich mag noch immer Platten und Fotos in Alben, aber was höre ich? Mp3. Ich würde niemals auf ein Lied verzichten, das mir gefällt, nur weil der Stand der Technik nicht meiner Vorstellung entspricht. Die Welt nimmt leider auf mich keine Rücksicht. Wenn jemand verzichten möchte, ist das legitim. Ich würde es nie, weil einem so einfach viele Dinge verborgen bleiben. Man gewöhnt sich an alles und wenn die Geschichte gut geschrieben ist, ist es mir ehrlich gesagt egal, ob sie auf dem Handy ist oder mir vorgetanzt wird =D 

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest? 
„ES“! Ich finde es so großartig! Hm, Harry Potter nennt wahrscheinlich jeder, oder? Das wäre auch was für mich ^^

Ich ärgere mich maßlos darüber, dass ich nicht die Idee zum Film „In Time“ hatte. Da komme ich in diesem Leben nicht mehr drüber ^^ Warum bin ich da nicht drauf gekommen? >: (

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

 Wenn die Geschichte richtig läuft, wenn ich mich austoben kann und selbst Herzklopfen bekomme, wenn es mir zu aufregend wird ^^ 

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben? 

Das Überarbeiten ☹ Wenn die Kreativität zur Seite gelegt wird und nur noch Regeln zählen. Errrgh. Ansonsten der Anfang einer Geschichte. Das erste Kapitel. Davon habe ich immer mindestens 10 Versionen. Manchmal fällt es mir sehr schwer, mich für einen Weg zu entscheiden. Da habe ich drei schöne Ideen, aber es geht eben nur eine. Beim vierten Band von „Durch die Zeit“ war es ganz schlimm. Da hat das Ende 10 Versionen ☺ 

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest? 

Manchmal? Immer! Ich setze Figuren in eine Welt und dann sind sie auf sich allein gestellt. Wenn sie nicht zu Potte kommen, greife ich ein und setze ihnen eine Hürde in den Weg. Aber meistens bringen sie sich selbst genug in Schwierigkeiten =D 

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um? 

Wenn ein Buch neu raus ist, ist es der Supergau, wenn eine schlechte Bewertung kommt. „Das wars! Ich schreibe nie wieder! Wenn man mich sucht, ich bin im Gasherd!“ … =D
Ich muss sagen – klopf auf Holz! – dass ich noch nie völlig verrissen wurde. Doch, ich glaube ein oder zwei Mal. Aber das ist eine Quote, mit der ich leben kann ^_^ Dass jemandem irgendwann mal die Protagonistin nicht gefällt, ist absehbar. Es kann nicht jedem alles gefallen. Selbst als King-Fan sage ich ja, dass da manchmal Humbug zwischen ist. Es gibt einen großen Unterschied zwischen „Das ist totaler Mist“ und „Mir gefiel das und das nicht“. Mist würde mich schon treffen, wäre ja Blödsinn anderes zu behaupten. Sagt das irgendwann mal die breite Masse, muss ich mir Gedanken machen, ob ich nicht einfach wirklich Mist geliefert habe. 
Konstruktive Kritik nehme ich immer an und versuche es beim nächsten Mal besser zu machen. 
Wie Marlene Dietrich sagte: „Man hat sich bemüht.“ ^_^

Ich danke dir ganz herzlich für deine Zeit, wünsche dir weiterhin ganz viel Erfolg mit deinen Büchern und natürlich Spaß und Freude am Schreiben. 

Vielen vielen Dank liebe Doro! Ich hoffe, wir sehen uns in Leipzig ^_^ 
BUCHMESSE!!!! \(^_^)/

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