Sonntag, 31. Januar 2016

Sonntagsbrunch mit der Autorin Stefanie Gregg


Wir brunchen heute mit Stefanie Gregg. Die Wahlmünchnerin ist literarische Mehrfachtäterin und als solche im Autorenverband "Das Syndikat" sowie im Netzwerk der Krimiautorinnen "Mörderische Schwestern" aktiv. Wenn sie gerade keine Krimis schreibt, kann sie aber auch zartere Töne anschlagen. Ich kenne sie als sehr liebe Kollegin bei Forever by Ullstein und Mitglied der Romance Alliance. Ihr Bulgarien-Roman "Und der Duft nach Weiß", der bei Forever erschien (inzwischen auch als Print-Version im Handel), fand Presse-Erwähnung unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Münchner Merkur. 



Liebe Stefanie, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee?  Kaffee – unbedingt und viel! ;-)
Milch, Zucker, schwarz? Ein wenig Zucker, meist schwarz, manchmal auch mit geschäumter Milch.
Herzhaft oder süß? Herzhaft – lieber den Schweinebraten davor, dafür die Torte fortlassen!
Warm oder kalt? Hmmmmm – beides – aber entweder richtig heiß oder richtig kalt; lau mag ich gaaaaar nicht!

1. Du hast Philosophie, Kunstgeschichte, Germanistik und Theaterwissenschaften studiert und bereits zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen zu verbuchen. Wie weit ist für dich der Schritt vom wissenschaftlichen zum literarischen Schreiben? Hat es dir geholfen oder ist es vielleicht sogar eher hinderlich?

Für mich gehörte das Schreiben einfach immer zu mir, nur die Formen haben sich gewandelt. Schon in meiner Kindheit habe ich Tagebuch, Briefe, kleine Geschichten geschrieben. In  meiner Schul- und Studienzeit habe ich mir dann mit journalistischer Arbeit Geld verdient. Während des Studiums und in meinem Beruf war es folgerichtig, dass ich wissenschaftliche Veröffentlichungen hatte. Und als ich dann in meinem Leben etwas mehr Zeit hatte, wusste ich einfach, dass ich nun endlich das schreiben möchte, was mir persönlich am Herzen liegt, was ganz aus mir heraus kommt: Romane.

2. Promoviert hast du über "Das Lachen". Das stelle ich mir wahnsinnig interessant vor. Gab es für dich bei deiner Erforschung dieses Themas überraschende Erkenntnisse?

Doch, sehr viele – sonst wäre es die Promotion nicht wert. ;-) Zum einen muss man sich davon lösen, dass der Mensch lacht, wenn etwas ‚Lustiges‘ passiert. Der Mensch lacht, wenn etwas geschieht, das er nicht einordnen kann, das nicht dem entspricht, was er erwartet hat. – Deswegen lachen wir, wenn jemand stolpert – der andere läuft nicht wie erwartet weiter. Dieser Moment des Unerwarteten, Außergewöhnlichen, des nicht im Rahmen Ablaufenden – sei es schön oder traurig oder grauenhaft (man denke nur an den ‚Galgenhumor‘), das hat mich interessiert.
Darüber könnte ich stundenlang reden oder schreiben. Nur noch eines: Der alttestamentarische Gott lacht noch in der Bibel – aber es gibt keine einzige Stelle in der Bibel, an der Jesus lacht – das hat Auswirkungen auf unsere Kultur, die von der christlichen Religion geprägt ist!

3. Über dein Schreiben sagst du, dass sich dein Interesse an Frauengestalten wie ein roter Faden hindurchzieht. Würdest du dich als Feministin bezeichnen und ist Schreiben für dich in diesem Sinne politisch?

Der Begriff der ‚Feministin‘ ist heutzutage so negativ belegt im Sinne der harten ‚Frauenweiber‘. Tatsächlich glaube ich, dass der Feminismus uns Frauen viel erkämpft hat und wir dennoch erst am Anfang der Gleichberechtigung stehen.
Obwohl ich Kämpferinnen für Frauenrechte sehr schätze, sehe ich mich selbst nicht als solche. 
Mich interessieren Frauen und ihre ganz weiblichen Wege, Dinge zu tun. Ich beobachte das und beschreibe es. Und es liegt mir näher als der männliche Weg, Dinge zu tun.

4. Du kannst dich auch schon einiger Auszeichnungen rühmen. Zum Beispiel hast du es 2015 in die Endauswahl zum Bonner Literaturpreis und die Endauswahl zum Pergamenta Literaturpreis geschafft. Wie hast du diese Erfolge gefeiert? Und beeinflussen dich Preise, Auszeichnungen oder Platzierungen in den Bestsellerlisten als Leserin bei der Wahl deiner Lektüre? 

‚Gefeiert‘ habe ich diese Preise nicht, aber mich jedes Mal sehr darüber gefreut! Als Autor schreibt man alleine vor sich hin, weiß nie sicher, ob man sich nur in sich selbst verstrickt – und solche Preise von außen sind eine Bestätigung, die der manchmal gebeutelten Schreiberseele sehr gut tun. Ich habe mich wirklich immer wie ein kleines Kind über jeden Preis gefreut!
Ob mich selbst Preise bei der Auswahl meiner Lektüre beeinflussen – manchmal.

5. Du bist auch sehr aktiv, was Lesungen angeht. Kannst du uns beschreiben, wie du dich bei einer Lesung fühlst und was dir dabei besonders wichtig ist?

Ich lese wirklich sehr gerne, weil man auch bei Lesungen das direkte Feedback von Lesern/Hörern erfährt. Einzellesungen sind eher ruhige, intensive Erlebnisse, während unsere „Ladies Crime Nights“ mit den mörderischen Schwestern fast eine Art ‚Show‘ sind. Aufgeregt bin ich jedes Mal!

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest? 

Donna Tartt: Die geheime Geschichte – fällt mir spontan ein, aber es gäbe sicher noch sehr viele andere.

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Dass man seiner Fantasie freien Lauf lassen kann und hoffentlich andere mit seinen Geschichten berührt.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben? 

Immer die Ruhe dazu zu finden.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest? 

Absolut, irgendwann tun die immer etwas, was mich selbst dann sehr überrascht!

10.  Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

 Ganz ehrlich: negative Kritik tut weh. Jedes beiläufige Wort, jeder Satz, jede schlechte Rezension. Bücher sind wie Kinder und haben sehr viel mit einem persönlich zu tun. Kritik nimmt man persönlich – es hat ja auch kein anderer geschrieben.
Aber, ganz klar: jede Kritik hilft. Aus den Kritiken habe ich verstanden, dass ‚Bienentod’ vielleicht manchmal etwas zu verkopft und umständlich war; ich habe gelernt, dass beim ‚Martinszug’ alle jene Leser ein Problem haben, die eher einen harten, klaren Krimi wollten, und die das Buch mögen, die den lockeren Regionalkrimi suchen.
Mein letzter Roman „Und der Duft nach Weiß“ hat glücklicherweise fast nur positive Kritik bekommen, worüber ich natürlich sehr froh bin. Das Schlimmste war schon ein Satz in der Süddeutschen Zeitung: „Die Farbe Weiß und der Duft danach wirken in ihrer Symbolhaftigkeit stellenweise allzu bedeutungsschwanger platziert.“
Naja, dann hat der hoch Literarisches gewohnte Journalist eben Kritik geäußert. Das habe ich dann einfach hinzunehmen.
Ich denke schon, dass ich aus jeder Kritik etwas herausziehen und lernen konnte. Deswegen, ich nehme weiterhin auch jede Kritik an!

Liebe Stefanie, vielen Dank für deine Zeit und deine interessanten Antworten. Ich wünsche dir weiterhin so viel Erfolg mit deinen Werken und vor allem viel Spaß und Inspiration bei deiner Arbeit.


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