Sonntag, 21. Februar 2016

Sonntagsbrunch mit der Autorin Sabine Bartsch


Ich habe heute wieder einen Gast zum Sonntags-Brunch, dem etwas anderen Autoren-Interview. An diesem Sonntag brunche ich mit der Autorin Sabine Bartsch aus dem schönen Ludwigsburg. Ihr Jugend-Liebesroman "Das mit dir und mir" erschien 2014 bei dtv. Außerdem erschienen sind ihre Romane "A Song about Love" (2015) und "Das Zwillingsmatch"(2016). 

(c) Wolf-Peter Steinheißer

Liebe Sabine, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee? Kaffee

Milch, Zucker, schwarz? Nur Milch, davon aber sehr viel, bitte

Herzhaft oder süß? Herzhaft

Warm oder kalt? Gerne warm

1. Gebürtig bist du eigentlich aus Oldenburg, inzwischen hat es dich aber in den Süden verschlagen. Gab es da Anpassungsschwierigkeiten oder trägst du die Kehrwoche mit Fassung?

Ich lebe seit mehr als zwanzig Jahre im Ländle und die Fassung verliere ich angesichts der Kehrwoche schon lange nicht mehr. Aber mit der Sprache habe ich nach wie vor meine Schwierigkeiten. Nichts gegen Slang, absolut nicht, aber die falsch verwendete Grammatik im Schwäbischen lässt mich immer noch zusammenzucken. Wenn sogar Lehrer Sätze sagen, wie „das ist der, wo gestern schon mal da war“, dann schüttelt es mich.

2. Dein Roman "Das mit dir und mir" schaffte es 2011 (unter dem Titel 'Teen Spirit') auf die Shortlist für den Goldenen Pick von Chicken House und der FAZ. Wie hast du dich gefühlt, als du von der Nominierung erfahren hast?

Das war für mich ganz großes Kino. Niemand hatte meinen ersten Roman je zu Gesicht bekommen. Kein Verlag, keine Agentur. Ich wusste also gar nicht, ob ich überhaupt scheiben kann. Die Nominierung hat mich sehr bestätigt und war sicher auch mit dafür verantwortlich, dass dtv den Roman publiziert hat.

3. Bei den beiden Folgeromanen hast du dich für Self-Publishing entschieden. Was hat dich dazu bewogen?

dtv hat zeitgleich zu meinem ersten Roman auch den zweiten, „A Song about Love“, bekommen und wollte beide veröffentlichen. Aber wie es dann manchmal so läuft, ging das nicht so glatt. Die Programmleitung wechselte, mein erster Roman verkaufte sich nicht so gut, wie vom Verlag erhofft, und man nahm Abstand von einer zweiten Veröffentlichung. Als dann auch noch ein paar andere Verlage absagten, habe ich mich auf den spannenden Weg des Selfpublishing begeben. Und es war eine so tolle Erfahrung, alles selber machen zu dürfen und die Fäden komplett in der Hand zu haben, dass ich beim dritten Buch, „Das Zwillingsmatch“, gar nicht erst auf Verlagssuche gegangen bin. Das heißt aber nichts für die Zukunft. Ich schreibe gerade an einem Thriller, den ich vermutlich schon Verlagen anbieten werde, wenn es soweit ist.

4. In deiner Vita sprichst du von deiner großen Leidenschaft für die Werke von Somerset Maugham und Ernest Hemingway. Was macht für dich die Faszination daran aus?

Vermutlich ist es Zufall, dass diese zwei großen Romanciers mich so stark berührt haben. Ich war lesetechnisch eigentlich noch im „Pippi-Langstrumpf-Alter“, wollte aber endlich erwachsen werden. Wer kennt das Gefühl – so mit vierzehn oder fünfzehn – nicht? Meine sehr viel ältere Schwester hatte Hemingway und Maugham im Bücherregal stehen – und ich begann zu lesen. Beiden Autoren spürt man in ihren Werken die große Lust am Leben an, finde ich. Und sie haben mich einfach mehr gefesselt, als zum Beispiel deutsche Autoren wie Böll oder Brecht, deren Werke logischerweise stark von den Geschehnissen der Nazizeit geprägt waren. Ich wollte wohl einfach wilde, lebendige, exotische Literatur und da boten sich die zwei Herren an. Böll und Brecht kamen dann erst etwas später.

5. In deinem Roman "Zwillingsmatch" verliebt sich eine Frau in einen wesentlich jüngeren Mann. Warum, glaubst du, ist das in unserer Gesellschaft immer noch so ein Aufreger, wohingegen sich an der umgekehrten Konstellation kaum jemand stört?

Ist es das wirklich? Ich glaube eigentlich nicht. Ich hatte mal einen Freund, der war dreizehn Jahre jünger als ich. Und ebenso einen, der war zwölf Jahre älter. Das war nie ein Aufreger. Oder ich hatte meine Scheuklappen so hochgeschnurrt, dass ich die Aufregung nicht bemerkt habe (vielleicht bin ich ja das heimliche Vorbild für Madonna und Heidi Klum, haha).
In meinem Roman ist das Alter auch nicht das entscheidende Thema, sondern es geht um einen ganz schrecklichen Betrug. Denn der junge Mann, Ben, ist nicht alleine. Er hat einen Zwillingsbruder, der ihm zum Verwechseln ähnelt – und die zwei spielen ein ganz perfides Spiel.

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Oh, das ist schwer. In der Kinderliteratur wären das sicher die Bücher von Astrid Lindgren, die ich sehr bewundere. Ich mag es gerne, wenn klare Statements mit großer Leichtigkeit und viel Humor daher kommen. Deshalb ist mir das Kabarett auch so nah. Wenn ich da jemanden wählen sollte, dann Marc-Uwe Kling mit seinen Känguru-Chroniken. Da würde ich aber die Hörbücher empfehlen, die er selber eingelesen hat, und die zum Umfallen komisch sind.

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Aus reiner Freude schreiben zu können.

Nachdem ich mich viel mit andern Autoren und Autorinnen ausgetauscht habe, bin ich sehr froh, dass ich nicht vom Schreiben leben muss. Auch wenn es schön wäre, wenn ich davon leben könnte. Für mich ist das Schönste am Schreiben, es komplett ohne Druck tun zu können. Heute geht nichts? Okay, dann mache ich halt was anderes. Danach fließt es dann umso ergiebiger in den Laptop. 


8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben? 


Meine Ungeduld. Gerade zum Ende eines Romans will ich fertig werden. Dann muss es irgendwann einfach gut sein. Vermutlich wäre es sinnvoll, das fertige Manuskript ein paar Wochen oder Monate in die Schublade zu legen und nicht mehr dran zu denken, aber das kann ich nicht.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Andauernd. Meine Charaktere machen die ganze Zeit, was sie wollen, und das dürfen sie auch. Irgendwann fange ich sie dann wieder ein und rufe zur Ordnung.

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Für konstruktive Kritik bin ich sehr dankbar, deshalb habe ich meine zwei Selfpublishing-Bücher auch von mehreren Leuten vorab lesen lassen und deren Einwände noch verarbeitet. Ob mich zum Beispiel eine vernichtende Kritik im Feuilleton treffen würde, weiß ich nicht so genau. Ich glaube aber eher nicht. Das ist ja auch nur die Meinung eines einzelnen Menschen, nicht mehr.

Liebe Sabine, vielen Dank für den netten Brunch. Mit deinen Büchern wünsche ich dir weiterhin viel Erfolg und natürlich Freude und Inspiration beim Schreiben.
Merci, das wünsche ich Dir auch!

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