Sonntag, 28. Februar 2016

Sonntagsbrunch mit der Autorin Katherine Collins




Heute gibt es bei mir mal wieder einen gemütlichen Sonntagsbrunch, bei dem sich die Autorin Katherine Collins meinen neugierigen Fragen stellen wird. Katherine ist Mitglied der Autorengruppe Romance Alliance und hat sich neben Fantasy und Science Fiction hauptsächlich dem historischen Roman verschrieben. 2013 erschien im Latos-Verlag ihr Erstling "Verzeih mir, mein Herz!". Seither sind noch etliche Werke dazugekommen, unter anderem der Roman "Melodie der Hoffnung", der 2015 bei Forever by Ullstein erschien. Der zweite, „Tränen des Herzens“, erscheint im März 2016 ebenfalls bei Forever. Ich hatte schon mehrfach das Vergnügen, die liebe Katherine live und in Farbe zu erleben und freue mich daher umso mehr auf einen netten Sonntagsplausch.



Liebe Katherine, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee?

Milch, Zucker, schwarz?

Herzhaft oder süß?

Warm oder kalt?


In der Regel ziehe ich Kaffee vor, ganz gleich in welcher Form. Cappuccino, Latte aber auch gern simplen Filterkaffee, schwarz oder auch mit Milch – völlig situationsabhängig!

Zusätzlich bin ich auch ein begeisterter Teetrinker, da am liebsten Earl Grey – natürlich mit Milch. Zucker in der Regel nicht.

Weil du es bist – bitte einen Earl Grey mit Milch. Gern in Kombination mit einem Scone oder auch Shortbread.

1. Du stammst wie ich aus dem nördlichen Ruhrpott. Hat dich das in irgendeiner Form geprägt?

Ich glaube nicht. Mir fehlt die örtliche Mundart und war als Jugendliche immer ganz erschrocken, wenn ich meine Brieffreunde aus dem nicht ganz so fernen Dortmund, Hamm und Unna persönlich traf und sie völlig anders sprachen. Ich fühle mich dem Ruhrpott jedoch verbunden. Mein Vater war Bergmann, mein Großvater war Bergmann, ich denke das prägt.

2. Wenn man sieht, wie viel du in den letzten Jahren geschafft hast, frage ich mich: Wie balanciert man so erfolgreich Job, Kinder und Schreiben?
Erfolgreich geht das wohl nicht. Ich denke, das alles leidet, am Meisten meine Kinder. Sie sind aber beide sehr verständnisvoll (Was ich mir mit Ausflügen erkaufe. Dieses Jahr steht Disney Land auf dem Plan. Man sieht: Bestechung ist alles!) Ich habe schon einige Jahre vorgearbeitet, bevor mein erster Roman erschien. Das merkt man meinen Romanen auch an. Ich arbeite an mir, ändere meine Technik. Ich glaube, ich werde besser, aber das Feedback steht noch aus. Letztlich werde ich mein Tempo nicht halten können. Mehr als zwei Romane im Jahr zu schreiben, geht bei meinen Umständen nicht.

3. Wie eingangs erwähnt, hat es dir vor allem der historische Liebesroman angetan. Was macht seinen Reiz für dich aus?

Ich finde, dass unserer Zeit die Romantik fehlt. In den historischen Romanen bleibt mehr Spielraum, es dauert einfach alles länger und es schafft mehr Distanz. In der Gegenwart ist alles so platt und schnelllebig. Man macht sich keine rechte Mühe mehr.

Ich glaube, ich romantisiere die Zeit und das Land, meine Romane spielen ja in England, einfach und gleichzeitig sehe ich sie auch sehr kritisch. Da kommt die Feministin in mir hoch. Außerdem habe ich auch viel in dem Bereich gelesen. Es fällt mir leicht, eine Welt in der Vergangenheit zu erschaffen. Mittlerweile orientiere ich mich auch etwas um. Die Hälfte meiner Romane spielen mittlerweile in der Gegenwart.

4. Es ist nicht zu übersehen, dass du in deinen Büchern einen klitzekleinen Fetisch für die britischen Inseln hast. Wie ist diese Liebe entstanden?

Mit meiner ersten, großen Liebe war ich in London. Die Stadt hat mich einfach gepackt und es zog mich immer wieder zurück. Ich habe meinen Exmann kennen gelernt und habe wundervolle Familie auf der Insel. Das bindet mich. Oh. Mein Englisch-Unterricht hat sicherlich auch eine klitzekleine Rolle dabei gespielt. Mr. Bean. Jane Austen-Verfilmungen. Mein Endplan: ein Cottage an der Englischen/Schottischen Küste, nur ich und mein Computer – meine Mädchen sind nicht abgeneigt, solange die Oma nicht zu weit entfernt ist. Fehlt nur noch das Vermögen, um den Plan umzusetzen.

5. Angenommen, du müsstest den Rest deines Lebens in der Welt eines deiner Bücher fristen. Welches Jahrhundert würdest du wählen und warum?

Das ist fies! Auf keinem Fall möchte ich im 18 Jahrhundert festsitzen. Nicht als Frau. Vielleicht als Erbe eines Adelstitels, aber keinesfalls als Frau! Allein die Geburt würde mich umbringen, ganz zu Schweigen von den finanziellen Sorgen. Es würde mich umbringen, jemand anderem das Wohl meiner Mädchen anzuvertrauen. Oder ihnen die Umstände antun. Die Hygiene, die Idioten (Männer), die limitierten Möglichkeiten, die Gefahr für die Gesundheit. Also ganz sicher: Zukunft. Gleichberechtigung, Sicherheit für Leib und Leben, gesellschaftliche Stabilität … der Feind lauert irgendwo im Weltall, weit weg von der Erde und meinen Kindern!

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?
Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube keines. Klar, Harry Potter wäre toll, allen wegen des finanziellen Aspektes, aber es wäre definitiv anders geworden. Als Schriftsteller kann ich verstehen, dass Sirius Black sterben musste – ich find’s trotzdem KACKE. Aber sonst? Ich liebe meine eigenen Geschichten. So unterschiedlich sie sind, ich liebe sie einfach. Ich lese sie häufig, lustigerweise, bis sie erscheinen. Ich stehe immer noch hinter jeder einzelnen, fokussiere mich aber auf noch unveröffentlichte Projekte, um sie runder zu bekommen.

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Was ist schön am Schreiben? Das frage ich mich auch. Ich schreibe, weil ich eine Geschichte zu erzählen habe. Ein Zwang praktisch. Ich liebe es, ohne Frage, aber das Schönste kommt eigentlich danach: Das Veröffentlichen. Mein Werk als Print in der Hand zu halten. Der Prozess dahin ist bei Zeiten schon recht schmerzlich und anstrengend. Frustrierend. Klar, eine Szene abzuschließen ist immer eine Erleichterung, jedes Kapitel bringt dich dem Ziel näher. Aber schon bei ersten Wort ist klar: da wartet noch jede Menge Arbeit auf dich. Ist wohl so ein Sado-Maso-Ding -grins.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Abzuschließen. Mir fällt es sehr leicht, eine Geschichte zu beginnen, das Beenden ist eine wahre Herausforderung. Zum einen, weil mir meist zwischendrin noch eine neue Idee kommt oder weil ich stocke. Eine Pause mache und mich dazu aufraffen muss, weiter zu machen.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Ja. Ärgerlich, wenn die Damen und Herren ihre Sperenzchen machen und ich alles gerade bügeln soll!

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Natürlich trifft mich Kritik. Meine Geschichten sind meine Babys. Für mich sind sie perfekt, so unvollkommen sie sein mögen. Ich habe viel Zeit mit ihnen verbracht und das Möglichste aus mir raus geholt. Interessant finde ich, dass nie die Dinge bemängelt werden, die ich zuvor als kritisch ansah.

Wie gehe ich damit um? Ich versuche, die Essenz herauszufinden. Zu komplizierte Namen? Kann ich ändern. Seiten überschlagen, weil zu theatralisch und dann, nicht mitfühlen können? Sorry, daran kann ich nichts ändern. Trotzdem versuche ich mich nun knapper zu halten und weniger persönliches Drama daraus zu machen, aber dann ist der Prota wieder zu unbeteiligt. Naja, irgendetwas ist immer.

Fazit: Es tut weh und ich kann nur versuchen es zukünftig besser zu machen. Ob es klappt? Schauen wir uns zukünftige Kritiken an...

Liebe Katherine, ich danke dir für den netten Plausch und wünsche dir weiterhin ganz viel Spaß beim Schreiben und natürlich jede Menge Zeit und Erfolg.

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