Samstag, 12. März 2016

Geiz ist unsexy!


Meine Kollegin Susann Julieva hat gerade auf ihrem Schreib-Blog ihre Entscheidung verkündet, keine Gratisbücher mehr zu verlosen. Dahinter steckt ihre wachsende Enttäuschung über die Gratiskultur, die immer krasser wird. Bücher, insbesondere Ebooks sollen möglichst wenig kosten - am besten gratis sein. In den Augen vieler Menschen sind sie nichts mehr wert und das ist eine Entwicklung, die auch ich erschreckend finde. 

"Geiz ist geil!" - der Werbeslogan der Elektronikhandelskette Saturn hat seinen Zweck erfüllt und sich uns eingeprägt. Und wir kaufen gern günstig. In allen Bereichen. Schnäppchen-Jagen ist Hobby und Sport. 

Dabei sind es nicht nur Menschen, die tatsächlich jeden Cent zweimal umdrehen müssen, die nach diesem Prinzip kaufen. Ich glaube, dass es ein grundsätzliches Problem unserer Kultur ist. Wir möchten alles haben, nicht auf Konsum und Vergnügen verzichten, aber wir möchten dafür kein Geld ausgeben. Auf der anderen Seite aber geben wir lächerlich hohe Summen für vollkommen schwachsinnige Dinge aus. Zum Beispiel Kaffeekapseln. Konsumenten finden es vollkommen akzeptabel 60 bis 80 Euro für ein Kilo Kaffee zu bezahlen (von der Umweltsauerei mal ganz abgesehen), weil sie damit das Lebensgefühl kaufen, hip und trendy und ein wahrer Genussmensch und Kaffee-Experte zu sein. Ich kaufe schon fair gehandelten Bio-Kaffee, also nicht gerade den günstigsten, und selbst der kostet nur knapp ein Viertel davon. 
Neulich war ich nach langer Zeit einmal wieder im Kino. Die Tickets kosteten an einem Sonntag für die Vorstellung um 17:45 Uhr 13,80€ - für circa zwei Stunden Bespaßung. Dabei habe ich Getränke und Snacks noch nicht eingerechnet. 
Wir kaufen überteuerten Coffee-to-go mit tonnenweise Zucker und Aromen und versauen dabei noch die Umwelt mit den schwer recyclebaren Bechern, bezahlen Unsummen für Taschen, Schuhe, Uhren, Jacken - nur weil ein bestimmtes Label aufgedruckt ist. 

Aber dann wieder gibt es Dinge, für die wir nur lächerliche Centbeträge übrig haben. Wir kaufen zum Beispiel Klamotten, die wir maximal eine Saison tragen, zu Preisen, bei denen uns klar sein muss, dass die Herstellung nicht ohne Ausbeutung der Arbeiter in Niedriglohnländern auskommt. Wir nehmen in Kauf, dass Tiere in Massenhaltung gequält werden, weil wir für Fleisch und Eier kein Geld ausgeben möchten. Und wir erwarten, dass Bücher uns möglichst geschenkt werden. All das gehört für mich zusammen. 

Unsere Konsumgesellschaft setzt die falschen Prioritäten. Wir müssen langsam anfangen, weniger - und dafür nachhaltiger und qualitativ hochwertiger - zu konsumieren. Und ja, auch das "Kulturgut" Buch gehört für mich dazu. 

Ich bin viel in Autorenforen unterwegs. Und ich fand es absolut schockierend, von erfolgreichen Autorinnen und Autoren die Aussage zu lesen: von meinen Buchverkäufen kann ich nicht leben. Es waren Leute, die auf Seite eins des Verlagsprogramms stehen, Leute, die Preise bekommen haben und die sich nicht schlecht verkaufen. Doch auch die können vom Buchverkauf allein nicht leben! Das war absolut desillusionierend für mich.

Man sagt so schön: "Was nichts kostet, ist nichts wert." und das ist auch so. Wenn ein Produkt zu günstig verkauft wird, ist es in den Augen der Käufer nichts wert. Vor allem, wenn es sich dabei um Ebooks handelt. 

Als ich neulich bei der Polizei war, weil ich eine Strafanzeige gegen eine Piratenseite gestellt habe, schwadronierte der Polizeibeamte, dass er es ohnehin unbegreiflich fände, dass man an Ebooks kein Eigentumsrecht erwerben und sie weitergeben könne wie Papierbücher. Ja, aber ein Ebook ist nun mal kein Papierbuch. Ein Ebook kann unendlich oft gelesen werden und ist immer noch genau dasselbe Ebook. Ein Papierbuch sieht nach jedem Lesen eben ein bisschen ramponierter aus. Ein Papierbuch kann ich auch nicht unendlich verfielfältigen - außer, ich lege es auf den Scanner. Für ein Ebook müssen nun mal andere Gesetzmäßigkeiten gelten. Niemand beklagt sich, dass er den Kinofilm, nachdem er 13,80€ berappt hat, nicht nach Hause mitnehmen und als DVD weiterverschenken kann. Das Ebook, das man für einen Eurobetrag von meistens unter zehn Euro erstanden hat, soll jedoch unendlich oft weitergegeben werden können. 

Ich finde auch, dass aufgrund des Umstandes, dass man sie nicht (legal) weitergeben oder verleihen kann, und man nichts Physisches erhält, das man sich ins Regal stellen kann, Ebooks deutlich günstiger sein müssen als Prints. Wenn bei Bestsellern wie Kerstin Giers "Silber" das Ebook gerade mal einen Euro günstiger ist, als das Print, kann ich verstehen, dass Leser das nicht zahlen möchten. 

Von meinen Ebooks kostet jedoch keines über 4 Euro. Dennoch finden viele es zu viel verlangt, dafür zu bezahlen. Für monatelange Arbeit. Und ja, es ist Arbeit, nicht bloß Hobby. Ich kann die Arbeitsstunden gar nicht zählen, die in diese Bücher geflossen sind. Bei Verlags-Ebooks bekommen die Autoren zwischen 25 und 35 % des Netto-Verlagserlöses - des Netto-Verlagserlöses, nicht des Verkaufspreises. Das heißt, die Auslagen des Verlages werden zuvor noch abgezogen und davon dann 25-35%. Bei Self-Publishing ist die Marge etwas höher, da können es bis zu 70% vom Verkaufspreis sein. Trotzdem könnt ihr euch vorstellen, wie wenig letzten Endes bei den Autorinnen und Autoren hängenbleibt. Und ich hoffe, ihr könnt verstehen, wenn sie wütend sind, ihre Bücher dann irgendwo zum illegalen Gratisdownload im Netz zu finden.

Und ich hoffe, dass ihr auch Verständnis dafür habt, dass meine Kollegin Susann ihre Geduld mit Leuten verliert, die ihr sagen, dass sie ihre Bücher lieben - sie aber nicht kaufen möchten. Ein Buch kann viel Freude machen und einem schöne Stunden bescheren, Entspannung, Weltflucht bieten, zum Nachdenken anregen. Ein Buch kann ein Kurzurlaub sein, Seelentröster und in vielen Fällen auch ein Lehrer. Die paar Euro sollte es einem doch wohl schon wert sein, oder?

Aus diesem Grund möchte ich mich der Entscheidung meiner Kollegin anschließen und ab jetzt keine Gratis-Exemplare meiner Bücher mehr verlosen. Natürlich dürft ihr mich nach wie vor gerne anschreiben, wenn ihr Rezensionsexemplare haben möchtet. Eine gutgemachte Rezension zu schreiben (egal ob kritisch oder lobend) macht schließlich auch Arbeit und da finde ich es fair, wenn ein Lese-Exemplar zur Verfügung gestellt wird. Ansonsten aber hoffe ich, dass denjenigen, die meine Bücher mögen, das Vergnügen auch die paar Euro wert ist. Vielen Dank für euer Verständnis. 

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