Sonntag, 27. März 2016

Sonntagsbrunch mit der Autorin Ellen Heidböhmer



Auch an diesem Sonntag habe ich wieder Besuch zum Brunch. Dieses Mal hat sich die Autorin Ellen Heidböhmer meinen Fragen gestellt. Unter diesem Namen berät sie uns mit zahlreichen Ratgebern im Bereich Gesundheit und Wellness (z.B. "Bademanteltag", "Gesund und fit mit Zitrusfrüchten", "Gesunde Haut nach Hildegard von Bingen"). Unter dem Autorennamen Nele Böhm unterhält sie mit heiteren Liebes- und Lebensromanen. Ihr zunächst bei Knaur erschienener Roman "Ein Vater zum Verlieben" erfährt aktuell einen Relaunch bei dot books. 






Liebe Ellen, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:
Kaffee oder Tee?
Für den Anfang Kaffee, später Tee.

Milch, Zucker, schwarz?
Kaffee mit Milch und Zucker, Ostfriesentee mit Kluntjes.

Herzhaft oder süß?
Erst herzhaft, um die Lebensgeister anzuregen, dann süß, für die gute Laune.

Warm oder kalt?
Erst warm, um die Mitte zu stärken (wie die Chinesen sagen), dann kalt.

1. In deiner Autorenvita beschreibst du deinen Wandel vom Großstadtgewächs zum Landei. Kannst du uns ein bisschen mehr darüber verraten, wie es dazu kam?

Ich habe früher von einem Single Leben de luxe geträumt: als Dolmetscherin die Welt bereisen, Menschen helfen, sich miteinander zu verständigen, ein Penthouse im Zen-Stil besitzen und ein rotes Käfer Cabrio fahren.

Dann erschien der Mann meines Lebens auf der Bildfläche, und nur wenige Jahre später war ich verheiratet, Familienmanagerin de luxe, mit vier Kindern, einem alten Haus ganz ohne Zen und einem blauen Minibus. So kann’s gehen.

2. Du bist ausgebildete Übersetzerin und Dolmetscherin. Übersetzt du auch schon mal literarische Texte? Und wenn ja, was ist dabei die besondere Schwierigkeit?

Ich habe, als die Kinder klein waren, mit viel Freude für Disney und Pixar Kinderbücher übersetzt. Mein Favorit war übrigens Cars. Seit letztem Jahr übersetze ich für den Sieben Verlag Liebesromane. Die besondere Schwierigkeit liegt darin, den Originaltext so ins Deutsche zu übertragen, dass er klingt, als wäre er ursprünglich auf Deutsch verfasst worden. Wenn das gelingt, macht Bücher übersetzen genau so glücklich wie Bücher schreiben.

3. Deinen Roman "Ein Vater zum Verlieben" beschreibst du selbst als einen Selbstfindungsroman mit Liebesgeschichte. Hast du dich selbst gefunden oder bist du noch auf der Suche?

Immer, wenn ich denke, ich habe mich selbst gefunden, schenkt das Leben mir eine Gelegenheit, nochmal auf die Suche zu gehen. Spaß beiseite: Ja, den Kern habe ich gefunden, und ich mag ihn. Die Facetten entdecke ich immer noch. Das ist manchmal verblüffend, manchmal spannend, manchmal lustig, manchmal traurig – wie das Leben halt.

4. Welche Figur aus deinem Roman ist dir außer dem Protagonisten Nick besonders ans Herz gewachsen und warum?

Ich bin total begeistert von Josefina, der Haushälterin mit den Tarot Karten in der Kittelschürze. Auch jetzt noch, fast 10 Jahre, nachdem ich den Roman geschrieben habe. Sie ist warmherzig, loyal, immer authentisch, sehr eigenwillig, und ihr Akzent ist zum Niederknien.

5. In dem Roman geht es um einen Mann Anfang 40, der sich mit Hilfe seiner Kinder wieder ganz neu erfinden muss, um das Interesse der holden Weiblichkeit zu gewinnen. Wie leicht oder schwer ist so ein Neustart deiner Meinung nach?

Neustart bringt im besten Fall beides mit sich: Überholtes loslassen und Neues entdecken. In der Theorie ist das prima, in der Praxis bekanntlich zum Haare raufen und zum Verzweifeln. Ich habe mächtig gelitten mit Nick und dabei oft ganz vergessen, dass ich es ja war, die ihm das alles eingebrockt hat.

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Pippi Langstrumpf. Das wunderbarste Kinderbuch von allen.

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?
Neue Welten erschaffen, neue Figuren entwickeln, sie in die Sturmfluten des Lebens werfen und zusehen, wie sie sich da wieder herauskämpfen. Und das alles kann man sogar morgens, noch vor dem Frühstück, im Schlafanzug am Schreibtisch tun. Gibt’s einen schöneren Beruf?

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Mich nicht zu verzetteln. Ich habe so viele Ideen, dass ich manchmal gar nicht weiß, wo ich die alle unterbringen soll. Bei meinem letzten Manuskript wollten sie alle auf einmal in ein einziges Buch. Sie ließen sich nur sehr schwer überreden, sich auf mehrere Bücher aufzuteilen.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?
Ooooh ja. Josefina, zum Beispiel, sollte nur eine winzige Nebenrolle bekommen, das hat ihr aber überhaupt nicht gefallen. Und beim Schreiben meines zweiten Romans musste ich ständig die Hauptfigur, einen sturköpfigen Biobauern, in ihre Schranken weisen. Wir haben uns beide nichts geschenkt.

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Konstruktive Kritik kann ich gut annehmen. Wenn Leser die Geschichte oder die Personen nicht mögen, ist das auch ok. Was mich ärgert, sind Rezensionen wie „Ich fand das Buch schlecht“. Was, bitteschön, soll ich als Autorin mit so einer Rückmeldung anfangen?

Vielen Dank, liebe Ellen, dass du Zeit für uns gefunden hast. Ich wünsche dir mit deinen Büchern weiterhin viel Erfolg und jede Menge guter Ideen.
Ich danke DIR für die schöne Idee mit dem Sonntagsbrunch und für das Interview.

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