Freitag, 13. Mai 2016

Gute Karten für Autoren: Schreiben und Tarot


Seit nunmehr über 25 Jahren beschäftige ich mich mit Tarot, bin Mitglied im Tarotverband (Tarot e.V.) und seit 2012 verbandsgeprüfte Kartenberaterin. Ich verfolge da einen sehr bodenständigen Ansatz, der mehr in Richtung Psychologie und Coaching geht als in die Esoterik-Ecke. Da liegt es auch nahe, die Tarotkarten in meiner Schreibpraxis als Brainstormingtool und Mittel zur Selbstanalyse einzusetzen. 
Gerade arbeite ich gemeinsam mit einer Kollegin an einem spannenden Projekt, bei dem es um Schreiben und Tarot gehen wird. Sobald ich Details weiß, werde ich euch natürlich an dieser Stelle und auf Facebook informieren. Ich kann und möchte noch nicht zu viel verraten, aber es wird eine spannende Sache sowohl für Tarotfans als auch für Schreiberlinge, die bisher nicht viel mit Kartenlegen am Hut hatten. 

Im Zuge dieser Auseinandersetzung mit meinen beiden Leidenschaften habe ich einige Legungen entwickelt und Ideen gesammelt. Eine möchte ich heute einmal vorstellen. Es geht darum, sich anzusehen, wann man als Autor in "seinem Element" ist und wo Schwerpunkte, Stärken und Schwächen liegen. Als Grundlage dienen die vier Elemente der klassischen Antike, die sich in den Tarotkarten wiederfinden.



Bei der Legung benutze ich feststehende Plätze für die vier Elemente. Diese vier Plätze nenne ich hier "Häuser" (ähnlich wie ihr das vielleicht von der Astrologie kennt). Also das erste Haus ist also das Haus des Feuers, das zweite das des Wassers und so weiter. Ihr könnt euch, wenn ihr dazu Lust habt, auch eine Lege-Schablone malen, indem ihr die Umrisse der Karten aufzeichnet und in Farben den Elementen entsprechend anmalt. Oder aber ihr legt vier Symbole vor euch ab, die für euch die Elemente repräsentieren. Damit fällt es eventuell leichter, sich zu merken, welches Element wo liegt. Dann mische ich, ziehe vier Karten und lege sie von links nach rechts auf die vier Häuser.

Das Ergebnis lese ich in zwei Schritten. Zunächst schaue ich mir an, welches Element die Karten repräsentieren, die in die Häuser fallen. Dazu kann man ein Buch konsultieren, wird aber auch im Internet fündig (zum Beispiel hier in englischer Sprache). Es gibt Elemente, die sich gut miteinander vertragen und sich gegenseitig verstärken. Und es gibt Elemente, die sich eher gegenseitig behindern und blockieren. 



1. Feuer und Luft vertragen sich gut und sie sind aktiv.
2. Erde und Wasser vertragen sich gut und sie sind eher passiv/empfangend. 
3. Feuer und Wasser sind sich erfahrungsgemäß feind und schwächen einander.
4. Luft und Erde sind auch eine ungünstige Kombination, die sich blockieren.
5. Feuer und Erde stärken einander, sind aber neutral.
6. Wasser und Luft stärken einander und sind ebenfalls neutral. 

Ich beginne mit dem Haus des Feuers. In meinem Beispiel liegt dort die Karte "Gerechtigkeit". Diese Karte entspricht dem Element Luft (Waage). Das heißt, das erste Haus ist bei mir stark besetzt mit einer aktiven, einander bestärkenden Kombination.
Im zweiten Haus, dem Haus des Wassers, liegt bei mir die Drei der Münzen. Die Münzen entsprechen dem Element Erde. Auch hier liegt also eine starke, einander begünstigende Kombination. Im dritten Haus, das für die Erde steht, liegt die Sechs der Stäbe. Die Stäbe repräsentieren das Feuer. Feuer und Erde vertragen sich, sind aber neutral, also weder aktiv noch passiv. Das Haus der Luft ist mit der Zehn der Stäbe belegt. Ebenfalls eine Feuer-Karte. Noch einmal eine günstige, aktive Kombination. 

Am schwächsten besetzt ist hier das Element Erde. Die Erde steht für das Rationale, Pragmatische, Bodenständige und das Finanzielle. Tatsächlich sehe ich mich nicht als besonders clevere Marketing-Strategin. 

Im zweiten Schritt sehe ich mir an, was die einzelnen Karten über mich und mein Verhältnis zu den Elementen aussagen. 

1. Dafür brenne ich…
Das ist meine Leidenschaft, das ist etwas, das mir wichtig ist, was mich auf die Palme bringen und/oder begeistern kann. Hier habe ich eine Luft-Karte. Also eher etwas verkopft, aber durchaus eloquent. Die Gerechtigkeit steht für Fairness, Ausgleich, Entscheidungen, Regeln, zu erkennen, dass das eigene Handeln Konsequenzen hat, Verantwortung für das Handeln zu übernehmen und so weiter. Da ist etwas Wahres dran. Mir würde es schwerfallen, ein Unrecht so stehen zu lassen, ohne dass es die gerechte Strafe oder eine Auflösung erfährt. Ich strebe nach Harmonie und "ausgleichender/poetischer Gerechtigkeit". Das merkt man in meinem Schreiben. Ich neige dazu, heile Welten zu schreiben, in denen am Ende die Gerechtigkeit wiederhergestellt wird. Das ist mir wichtig, weil ich denke, dass es schon genug Leid und Ungerechtigkeit gibt. Das ist sicherlich Eskapismus, aber ich stehe dazu. Allerdings könnte man hier natürlich auch einmal über seinen Schatten springen und sich selbst herausfordern. Dies ist ein besonders starkes Haus (siehe oben) und eine der treibenden Kräfte hinter meinem Schreiben.

2. So fühle ich, das bewegt mich emotional… 
Die Drei der Münzen, eine Erdkarte. Also eher bodenständig, verlässlich, loyal, pragmatisch. Die Drei der Münzen steht für Dynamik, Weiterentwicklung, sich beweisen und anderen sein Können zeigen, Arbeit und Anstrengung und die Ernte dieser Mühen. Emotional fesseln mich also dynamische Entwicklungen, in denen Menschen lernen, sich bessern, höhere Ebenen erreichen. Es beeindruckt mich, wenn Leute etwas lernen, sich weiterentwickeln, etwas "schaffen" und ich fühle am ehesten mit solchen Leuten mit. Auch dieses Haus ist stark besetzt. Gefühle müssen für mich also nicht unbedingt übermäßig stark, lodernd, dramatisch sein, was mich bewegt ist, wenn sie Menschen voranbringen. Die Kombination ist passiv, also interessiert es mich eher als Beobachter denn als Akteur. Ich fühle mit Leuten mit, die mir diese Entwicklung "vorleben". Tatsächlich schreibe ich nicht über tosende, alles verzehrende Leidenschaft, mich interessieren eher alltäglichere Gefühlswelten, das emotionale Auf und Ab im Leben, das Wachsen und Lernen und es fasziniert mich, wie Menschen sich im Laufe ihres Lebens entwickeln und verändern. Das finde ich auch passiv (also als Leser) spannend. 

3. So arbeite ich, so packe ich die Dinge an…
Hier habe ich eine Feuerkarte, also bin ich durchaus mit Enthusiasmus und Leidenschaft bei der Sache. Die Sechs der Stäbe steht für Triumph, Erfolg und Anerkennung. Hier ist (ihr erinnert euch) mein schwächstes Haus und ich denke, es bedeutet auch, dass ein Teil meines Schreibens der Suche nach Anerkennung und Selbstbestätigung dient. Das heißt, dass ich stark davon abhängig bin, was andere über mich und meine Werke denken. Tatsächlich empfinde ich das als einen Schwachpunkt. Ich kann zwar mit Kritik - wenn sie sachlich geäußert wird - ganz gut umgehen, doch echte "Verrisse" und Pauschalkritik lasse ich oft viel zu nah an mich heran und lasse mich emotional davon angreifen. Hier muss ich also vielleicht noch gelassener werden und weniger für die Anerkennung anderer schreiben als für die deutlich stärker besetzten Triebfedern - also das Streben nach Wiederherstellung von Gerechtigkeit und Ausgleichung und das emotionale Wachstum und die Entwicklung zu Höherem.

4. So denke ich…
Das Element Luft ist hier mit einer starken Feuerkarte besetzt. Feuer und Luft fachen einander an, ich bin also jemand, der viel und mit Leidenschaft denkt, der sehr verkopft ist und bei dem es eigentlich ständig "rattert". Ich habe oft gute Ideen und Theorien, für die ich mich dann auch schnell begeistern kann, viele Interessen und meistens parallel mehrere Eisen im Feuer, sprich: mehrere Ideen und Projekte, die mir im Kopf herumspuken. Die Zehn der Stäbe steht zwar einerseits für Kraft und Stärke, mit der man Dinge angeht, doch auch für Überforderung und das Gefühl, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen. Einfach zu viel auf dem Zettel zu haben und nichts richtig verfolgen zu können. Tatsächlich bin ich jemand der sich schnell ablenken lässt, mal hierhin, mal dorthin springt und oft habe ich das Gefühl alles ein bisschen und nichts so richtig zu machen. Das Haus ist stark besetzt und aktiv, es ist also eine Kraft, die sehr stark in mir wirkt und mir dadurch gerne mal im Wege steht. 

Was man am Schluss natürlich noch machen kann ist, zu schauen, welches Element fehlt. Das ist bei mir im Augenblick das Wasser, also die emotionale Tiefe, das Unterbewusste und Abgründige. Vermutlich, weil ich im Augenblick wirklich extrem beschäftigt und überlastet bin und die Dinge emotional gar nicht so an mich heranlasse. Das ist für das Schreiben natürlich ungünstig, denn das spürt auch der Leser. 

Sehr stark vertreten bei mir aktuell die Kombi Feuer/Luft, also Wille und Geist. Da könnte man sagen, es fehlt ein bisschen die "Substanz", ich könnte etwas mehr Erdung gebrauchen (Erde auch das schwächste Element). Vielleicht sind meine Erwartungen an mich und mein Schreiben zu hoch und eine Dosis Pragmatismus und Realismus könnten nicht schaden. 

Ihr seht, so kann man über die Elemente und die Kartenbedeutung recht detaillierte Analysen zu eigenen Stärken/Schwächen machen.

Ich hoffe, dieser Einblick in meine Arbeit mit dem Tarot hat euch gefallen. 



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