Sonntag, 8. Mai 2016

Sonntagsbrunch heute mit der Autorin Daniela Blum


Ich darf heute wieder mit einer lieben Kollegin von der Autorenvereinigung Romance Alliance brunchen. Brunch gab es noch nicht bei uns, aber dafür gemeinsame Abendessen auf der Buchmesse in Frankfurt und viele nette Zusammentreffen. Ich freue mich, euch diese sympathische und herzliche Kollegin vorstellen zu dürfen. Daniela Blums Roman-Debüt "Strawberry Icing" erschien 2014 bei Forever by Ullstein. Ihr Weihnachts-Special, der Kurzroman "Weihnachtsflug ins Glück" folgte. Am 13. Mai erscheint nun ihr neues Buch „Hinter den Wolken“.



Liebe Daniela, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee?  => Tee oder Latte Machiato
Milch, Zucker, schwarz? Tee mit Honig, Latte Machiato mit viiieeel Milch und Zucker, bin eben eine Süsse  ;o)
Herzhaft oder süß? Herzhaft
Warm oder kalt? Warm

1. Ich habe dich als ziemlich genaues Gegenteil deiner Protagonistin, der High Society Prinzessin Antonia aus "Strawberry Icing" erlebt. Als unkompliziertes und offenes kölsches Mädel. Gibt es auch Antonia-Momente in deinem Leben oder bist du immer so umgänglich?

Es gibt auf jeden Fall Antonia-Momente in meinem Leben. Ich bin zickig wenn ich Hunger habe, ich kann motzig sein, wenn ich zu wenig geschlafen habe und liebe Erdbeeren, genauso wie es Antonia tut. Ich liebe es zu backen, ohne mein Gebackenes im Anschluss zu essen (nicht weil ich es nicht mag – sondern weil meine ‚Lust‘ drauf beim Backen bereits gestillt wurde).


2. Angefangen zu schreiben hast du in der siebten Klasse. Hast du noch Geschichten, die du damals geschrieben hast?

Oh ja, die habe ich in der Tat. Alles – was nicht so viel ist wie du vielleicht glaubt – habe ich aufgehoben. Vor allem ein Roman den ich unter dem Arbeitstitel „Hilfe! Ich liebe einen Filmstar!“ auf dem Computer habe, ist damals in meinen Anfängen entstanden und über die Jahre nicht nur im Umfang sondern auch allgemein „gewachsen“. Er ist in etlichen Version fertig, aber immer wieder ändere ich etwas ab, weil mir eine Formulierung hier nicht gefällt oder eine Szenenbeschreibung dort. Es hat etwas vom Kölner Dom. Ein ewiges Bauwerk, obwohl es bereits seit Jahrhunderten fertig ist.


3. In deiner Selbstbeschreibung sagst du, du hast einen "Hang zu Schnulzen". Meiner Meinung nach sind Schnulzen weit besser als ihr Ruf. Was macht für dich ihren Reiz aus?

Bücher und Filme mag ich besonders dann, wenn sie diesen „Seufz-Faktor“ haben. Das ist für mich Unterhaltung pur. Die Realität hält soviel Schlechtes und Schlimmes für uns bereit, da freue ich mich, wenn ich für eine kleine Weile eine heile Welt habe, in der es (meist) nichts Böses gibt. Das soll natürlich nicht heißen, dass ich realitätsfern bin.


4. Welche Figur aus deinen Büchern ist dir besonders ans Herz gewachsen und warum?

Bei dieser Frage denke ich direkt an Conni, meine Protagonistin aus dem Roman, den ich eingehend erwähnte, und der zu Hause auf meiner Festplatte schlummert. Sie ist jemand, die ich unwahrscheinlich gerne mag, wahrscheinlich weil sie mir sehr ähnelt und auch das verkörpert, was ich manchmal gerne sein möchte. Da du und ihr aber diese Prota nicht kennt, ist es unfair, von ihr zu sprechen.

Im Grunde habe ich keine Lieblingsfigur. Ich mag sie alle, die Antagonisten wie die Protagonisten. Man hat mir mal vorgeworfen, von meinen Protagonisten zu reden, als wären sie reale Menschen. Im Grunde sind sie das auch, denn in meinem Kopf verbringe ich sehr viel Zeit mit ihnen, und ich kenne sie (oder zumindest die meisten) später sehr gut.
Selbst wenn die Geschichte abgeschlossen ist, passiert es mir hin und wieder, wie ich über die Protagonisten nachdenke und erwische mich dabei, wie ich mir vorstelle, wie sie in einer bestimmt Situation reagieren würden, obwohl eigentlich ein ganz anderer Protagonist mit den Unwägbarkeiten zurechtkommen muss.


5. Geografisch zieht es dich in deinen Geschichten eher in die Ferne. Strawberry Icing spielt in den USA, Weihnachtsflug ins Glück zwischen Frankfurt, Seoul und Köln. Dein aktuelles Buch spielt allerdings in deiner Heimat Köln. Wie wichtig ist das Setting in deinen Augen für deine Geschichten?

In meinen Augen spielt ein Setting keine große Rolle, Hauptsache es passt. 

Ob Deutschland, USA, China, ein Reiterhof, ein Schwimmbad, oder wie in meinem neuen Roman der Himmel – Hauptsache, man kann es glaubhaft dem Leser beschreiben, so dass er sich wirklich „dort“ fühlt. Ich bin als Au Pair in den USA gewesen, habe als Reitschülerin und Ferienkind diverse Reiterhöfe kennengelernt, kenne mich in Köln und Umgebung gut aus und ein Schwimmbad hab ich auch bereits von innen gesehen. :o))
Ich würde wohl nie eine Geschichte über einen realen Ort schreiben, den ich nicht kenne, weil es einfach nicht authentisch wäre.
Nun wirst du sicher sagen: „Aber dein neuer Roman spielt teilweise im Himmel.“ Da gebe ich dir recht. Der Himmel, oder das was sich „Hinter den Wolken“ befindet, ist in der Vorstellungskraft und Religionszugehörigkeit eines Jeden anders. Ich kann nur von meiner Vorstellung und Phantasie sprechen und genau diese habe ich versucht so gut wie möglich darzustellen. So lange der Leser meiner Himmelsversion – ich nenne sie „Zwischenebene“ – zustimmt und sagt: „Ja, so könnte es sein“, habe ich mein Ziel als Autorin erreicht.
Doch kommen wir zu deiner Frage zurück: In der Buchbranche hingegen spielt das Setting im Rahmen „wer“ es schreibt eine sehr sehr große Rolle. Viele große Publikumsverlage haben „Strawberry Icing“ mit einem amerikanischen Setting abgelehnt, weil ich eine deutsche Autorin bin. Man legte mir ans Herz meine zukünftigen Romane in einem deutschen Setting spielen zu lassen, an Orten, die deutsche Leser kennen, dann hätte ich auch auf dem „großen“ Markt womöglich eine Chance.

Das heißt natürlich nicht, dass es nie wieder einen Roman von mir mit einem ausländischen Setting geben wird.


6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Jedes Buch und jede Geschichte ist einzigartig, egal wie ähnlich sie sich sind. Es sind mehr die Details, die ein Buch ausmachen und bei denen ich mir manchmal denke „Oh, das ist eine tolle Idee, vielleicht kann ich sowas mal bei mir einbauen.“ Doch wenn ich mir das nicht direkt notiere, habe ich es meistens kurze Zeit später wieder vergessen.

Wenn du die Frage rein auf den Erfolg des Buches beziehst, dann wohl „Harry Potter“ von Mrs. Rowling oder „Liebe geht durch alle Zeiten“ von Kerstin Gier. Beides sind großartige Reihen, die durch eine (für mich) unvorstellbare Phantasie entstanden sind.


7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Es ist die unerschöpfliche Ideenvielfalt. Gerade jetzt arbeite ich wieder an zwei möglichen Geschichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und jedesmal denke ich mir: „Jetzt fällt dir nichts mehr ein.“ Und dann ganz plötzlich, trifft es mich wie aus dem Nichts und ich habe eine neue Idee. Ein kleines Fragment, das ich entweder irgendwo einbaue, oder aus dem sich eine neue Geschichte entwickelt.
Darüber hinaus kann ich beim Schreiben wunderbar entspannen – sofern ich es irgendwann mal lang genug schaffe, am PC sitzen zu bleiben.
Beim Schreiben kann ich alles um mich herum ausblenden. Egal ob es laut oder leise, voll oder leer ist – wenn ich voll in die Geschichte eingetaucht bin, kann mich nichts mehr aufhalten.
Gerade vergangene Woche habe ich mit meiner Freundin darüber sinniert, 3 Wochen Schreiburlaub zu machen. Irgendwo am Meer, in einem Strandhaus, mit unerschöpflichen Tee- (für mich) und Kaffeevorrat (für meine Freundin), bei bestem Sonnenwetter und integrierter Vollzeitkinderbespaßung für meinen Kleinen und die drei von meiner Freundin. ;o) Leider (vorerst) nur ein Wunschtraum.


8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Die Kontinuität, das Überarbeiten und das Dranbleiben. Gerade das Letzte habe ich bei „Hinter den Wolken“ zu spüren bekommen. Während mir „Strawberry Icing“ oder „Willkommen auf Birkenhof“, das bei Hey!Publishing erschienen ist, geradezu leicht von der Hand gegangen ist, hat sich die Geschichte um Jan und Sina gezogen wie Kaugummi. Ich bin lange nicht auf einen grünen Zweig gekommen. Im Grunde lag es an Fragen, die Sinas Vergangenheit betrafen, die ich nicht eindeutig im Vorfeld geklärt hatte. Das hat mich beim Schreiben eingeholt und mich wochenlang regelrecht lahmgelegt.

Dieses Loch hat mir einmal mehr klargemacht, wie wichtig es ist, eine Geschichte, bevor überhaupt ein Wort geschrieben wurde, sehr gut zu kennen und auch eine plausible und lückenlose Vorgeschichte der Protagonisten zu haben.


9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Oh ja. Protagonisten können manchmal sehr unvorhergesehen reagieren und machen Sachen, bei denen ich mitten beim Schreiben denke: „Hey, Moment! SO war das nicht geplant.“ Manchmal lasse ich sie gewähren, manchmal muss ich sie wieder zur Vernunft rufen und ihre „Faxen“ streichen. ;o)

Hier ein paar Beispiele:

In „Strawberry Icing“ zicken sich Antonia und Alexander bei Tonis Ankunft in Waynesboro ordentlich an. Er lässt ihre Koffer im Schnee stehen und geht ohne seine Hilfe anzubieten ins Haus. Antonia müht sich mit den Koffern ab und fällt hin, weil sie mit ihren High Heels im Schnee stecken bleibt.

Ursprünglich kam Alexander hinausgelaufen, hat ihr aufgeholfen und einen Waffenstillstand angeboten … Der war zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht geplant und war auch einfach noch zu früh. Deshalb habe ich „mit ihm geschimpft“ und sein Angebot schnell wieder gelöscht, bevor Antonia es annehmen konnte ;o)

Ein anderes Beispiel hat sich in „Hinter den Wolken“ ereignet. Am Anfang der Geschichte befindet sich mein Protagonist Jan mit seinem besten Freund Oliver in einem Stripclub. Da ist diese super heiße Bedienung ‚Lexi‘. Auf dem Weg zur Toilette sieht er, wie sie durch eine Tür in einen Hof verschwindet (sie hat Pause). Artig geht Jan aufs Klo, doch als er rauskommt, folgt er ihr (der Schuft). Eigentlich sollte er zurück zu seinem Kumpel, doch ich habe ihn einfach mal in den Hof gehen lassen … Das Ergebnis solltet ihr euch nicht entgehen lassen – ;o)


10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Natürlich trifft mich Kritik, mein Herz ist ja nicht aus Stein. Ich glaube es gibt niemanden der sagt: „Du findest, meine Geschichten sind Müll? Klasse!“

Aber ich mag Kritik. Lob ist für das Ego unwahrscheinlich wichtig, bringt mich aber in meiner Entwicklung als Autorin (und auch als Mensch) nicht weiter. Nur Kritik lässt mich besser werden. Denn Kritik wird meist mit Beispielen belegt, oder ich fordere sie ein. Bei mir heißt es also meist: „Du findest, meine Geschichte ist Müll? Okay – Warum?“ Und diese Antwort fällt meist nicht schön aus. Ich höre (oder lese) mir alles in Ruhe an (durch), daraufhin schlafe ich ein paar Tage darüber und dann ändere ich es (oder eben nicht).

Für mich ist Kritik sehr wichtig. Was natürlich nicht heißen soll, ihr sollt mir jetzt kritisches Feedback geben. Ich freue mich weiterhin über Lob und die Weiterempfehlungen meiner Geschichten.


Vielen Dank, liebe Daniela, dass du dich meinen Fragen gestellt und so nett mit uns geplaudert hast. Ich wünsche dir jede Menge freier Schreibzeit (trotz Kind) und gute Ideen und weiterhin viel Erfolg.

Vielen Dank auch dir, liebe Doro, dass du dir die Zeit genommen hast. Ich bin froh, dich kennengelernt zu haben.

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