Freitag, 8. Juli 2016

Auf der Soapbox: Jan Colt mit "Bei der Wurstfrau beschwert sich auch keiner"


Meine Rubrik "Soapbox" soll Indie-Autoren, Self-Publishern und Ebook-only Autoren eine Plattform bieten, sich den Lesern zu präsentieren. Die Idee dazu habe ich mir von der Tradition der "Soapbox Speeches" geliehen. Man steigt einfach auf eine Kiste und hält eine Rede über das, was einem am Herzen liegt. Hier klettern die Autoren selbst auf die Kiste und stellen ihr Buch in ihren eigenen Worten vor. Ich mische mich nicht ein. In etwa 500 Wörtern dürfen sie euch Lesern hier ihr Werk vorstellen und schmackhaft machen. Wer sein Buch hier vorstellen möchte, kann mich gerne kontaktieren.

Heute erklimmt die Soapbox der Autor Jan Colt und stellt uns ein Buch "Bei der Wurstfrau beschwert sich auch keiner" (Part 1) vor. 





Jan Colt: Bei der Wurstfrau beschwert sich auch keiner - Part 1


ÜBER DEN TITEL
Meeresrauschen statt weiß-blauer Berge: Felix Rahrbach hat einen Entschluss gefasst und verlässt München für seinen neuen Job in Richtung Kopenhagen. Doch bevor ihn der Norden mit Krabbenbrötchen und Carlsberg empfängt, steht Felix eine zweiwöchige Abschiedstour quer durch Deutschland bevor. 
Alte Freunde, ungeplante Bekanntschaften und das Rezept für den Weltfrieden sind dabei nur einige Faktoren, die seinen Plan für einen Neuanfang ins Wanken bringen.

Part 1 von insgesamt drei Teilen.

Textauszug aus dem Roman:

Handliche Geschenke sind heute nichts mehr Wert. Das feuchte Cellophan des Präsentkorbes drückt sich an mein Gesicht. Mit ausgestreckten Armen balanciere ich den Korb vor mir her, während der bereits einsetzende Nieselregen den letzten Hauch meiner Würde wegspült. Eine aus Marzipan geformte Currywurst entdecke ich in den Tiefen meines Abschiedsgeschenkes. Die Frage, ob dies das geringste Übel oder im besten Falle das Ende der Geschmacklosigkeit ist, traue ich mich Frauke nicht zu fragen. Es wäre auch zu viel verlangt, ihre Konzentration auf den torkelnden Gang zu stören. Nachher fällt sie noch unglücklich und ich müsste mich entscheiden, was meinen rettenden Einsatz mehr verlangt: Frauke oder der Präsentkorb? Kurzzeitig überlege ich, ob die Böschung neben ihr abschüssig genug ist und es einen Versuch wert wäre, den Korb unbemerkt verschwinden zu lassen. Ich verwerfe den Gedanken jedoch wieder schnell, als sich durch die nasse Folie der gelbe Schriftzug vom „Scotch“ abzeichnet.
Viele Kollegen haben den Wechsel vom Büro zum verabredeten Absacker nicht geschafft. Bisher ist noch niemand da. Zusammen mit Frauke eröffne ich damit den kleinen Reigen des letzten Abends und platziere dekorativ den nassen Korb auf dem löchrigen Polster des Sessels.
„Ey, dit is nass. Stell mal uff den Tisch da.“
Ich habe die vage Vermutung, dass die zierliche Kellnerin mich meint.
„Da woll‘n die Leute doch och noch sitzen.“
Ich weiß nicht, welche Menschen sie meint. Mir möchte auf Anhieb niemand einfallen, der sich über leichte Nässe auf dem Sitz beklagen könnte und dafür die anschmiegsamen Metallfedern durch die klaffenden Polsterlücken in Kauf nimmt. Es scheinen aber mehrere Menschen zu sein, die sie kennt.
„Haste jehört?“
Da ich durch meine beschlagene Brille nur die Hälfte wahrnehme und leichte Überforderung durch die zarte Bedienung verspüre, wuchte ich den Korb auf das danebenstehende Holztischchen.
Nichts zu sehen, aber umso mehr zu hören, ist nicht immer von Vorteil. Der hölzerne Klang der herunterfallenden Schublade lässt in meinem Kopf Szenarien entstehen, die noch weit über den wütenden Mob der Nassen-Sessel-Liebhaber aus der Verwandtschaft unserer Kellnerin hinausgehen.
„Oh… das war nicht mit Absicht. Das lässt sich doch bestimmt wieder… hier…“
Ich beuge mich über den Sessel und taste den dem Boden ab in der Hoffnung, das gute Stück nicht für immer zerstört zu haben. Ich greife vieles – nur nicht die Schublade.
„Keen Problehm. War schon kaputt und hält kaum noch. Bist ja nicht der Erste heut.“
Aha, das ist… ach was soll’s. Die Diskussion über Vor- und Nachteile eines kaputten Polstermöbels gegenüber einem ebenso zerstörten Nachttisches möchte ich gar nicht erst anfangen. Sie kennt bestimmt ein paar Leute, denen auch so etwas ganz gehörig auf den Zeiger gehen könnte. Aber so richtig. Wohlmöglich noch denjenigen, die sich in den feuchten Sessel setzen und schockiert sind, wenn beim Abstellen des Glases die Schublade eben nicht aus der Halterung fällt. Nein, den Schlag Mensch will man nicht gegen sich haben.

ÜBER DEN AUTOR

Jan Colt, geboren 1984 in der ostdeutschen Provinz, lebt in Hamburg und wuchs mit den klassischen Eckpfeilern einer ordentlichen Erziehung auf: Gewürzgurken aus dem Spreewald, Frank Schöbels Weihnachtsalbum und Urlaube am FKK-Strand. Bevor es ihn in die Hansestadt an der Elbe verschlug, wurde Berlin für mehrere Jahre seine zweite Heimat.

Die Lust am Schreiben zeigte sich schon frühzeitig und schlug sich in bebilderten Geschichten nieder, die keiner lesen wollte. Außer seine Eltern. Aus erziehungsrechtlichen Pflichten. Doch der Wunsch, Ideen auf das Papier zu bringen, ließ ihn nie wirklich los.

Mit BEI DER WURSTFRAU BESCHWERT SICH AUCH KEINER veröffentlicht Colt seinen ersten Roman in drei Teilen.

Ihr könnt Jan Colt auch gern bei Twitter besuchen!


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