Sonntag, 10. Juli 2016

Sonntagsbrunch mit der Autorin Jessie Weber


Mein heutiger Brunch-Gast kommt aus dem hohen Norden zu mir, nämlich aus dem wunderschönen Kiel. Die Romanautorin Jessie Weber ist gleich in mehrfacher Hinsicht Kollegin, denn neben ihren Veröffentlichungen bei Forever by Ullstein (Töchter der Tide, Töchter der Stürme und Töchter der Meere), die uns verbinden ist Jessie seit Kurzem Mitglied der Romance Alliance. Ich freue mich jetzt riesig, euch dieses sympathische Nordlicht vorstellen zu dürfen.  




Liebe Jessie, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee? 
Kaffee!
Milch, Zucker, schwarz?
Mit Milch bitte! Wenn es ein Cappuccino wäre, dann am liebsten mit viel Milchschaum und Karamellsirup.
Herzhaft oder süß? 
Herzhaft!
Warm oder kalt? 
Beides wäre toll.

1. Du schreibst nicht nur über das Meer, die Seefahrt und den Handel zur See, du kennst dich auch als gelernte Schifffahrtskauffrau (ein Wort mit fünf f) sehr gut damit aus. Arbeitest du noch in deinem Brotjob oder schreibst du mittlerweile hauptberuflich?

Ich habe sogar zwei Brotjobs, Sekretärin in einer Hausverwaltung und in einem Gartenbaubetrieb. In meinem gelernten Beruf habe ich nie gearbeitet. Die Ausbildung war sehr interessant, aber der Schichtdienst ist nicht familienfreundlich. Hauptberuflich Autor zu sein wäre ein Traum, der leider momentan noch nicht zu verwirklichen ist. 

2. Auf deinem Blog kann man bestaunen, was du neben Büchern noch so produzierst, nämlich wundervolle Motivtorten für jeden Anlass. Wie bist du zu diesem Hobby gekommen?

Ich hatte im Internet eine Scheidungstorte gesehen, die ich superlustig fand. Als sich dann die Scheidung meiner Kollegin über Jahre hinzog, habe ich ihr versprochen, dass sie eine Torte bekommt, wenn sie endlich geschieden ist. Das war meine erste Motivtorte, und seitdem bin ich infiziert!

3. Nicht nur als Autorin von historischen Romanen bist du mit vergangenen Zeiten befasst, sondern auch als aktive Mittelalterdarstellerin. Was fasziniert dich so an dem Blick in die Vergangenheit?

Vielleicht ist es eine Flucht vor der Wirklichkeit, in eine ganz andere Welt, die natürlich romantisch verklärt dargestellt wird. Aber es macht einfach großen Spaß, sich vorzustellen, wie die Menschen damals gelebt haben, wie sie sich gekleidet und gesprochen haben. Wenn wir auf Mittelaltermärkte fahren, fliehen wir ein paar Tage aus dem wirklichen Leben. Das ist besonders für die Kinder sehr lehrreich, denke ich. Bevor es Frühstück gibt, muss erstmal Wasser geholt und Feuer gemacht werden. „Kühlschrank auf und los“ ist da einfach nicht drin. Und auch der Smartphone-Akku ist meist schnell leer. Da muss man sich andere Beschäftigung suchen. 

4. Auch für Frankreich hast du eine große Schwäche. Was gefällt dir so besonders gut an unseren Nachbarn mit dem Baguette unter dem Arm?

Frankreich ist ein wundervolles, vielseitiges Land, von dem ich nie genug bekomme. Ich war schon fast in jeder Region im Urlaub und kann es trotzdem kaum erwarten, wieder hinzukommen. Die Atlantikküste mit ihren gewaltigen Gezeiten, die Schlösser entlang der Loire, überall Burgen, eine schöner als die andere, Paris - meine Herzensstadt - mit ihren wundervollen Gebäuden und Museen, Brücken, Cafés und geheimen Lieblingsplätzen … Und wenn man die Autobahn von Lyon aus herunter in die Provence fährt, zwischen Sonnenblumen- oder Lavendelfeldern hindurch, bis ans Mittelmeer mit seinen traumhaften Buchten und dann von Marseille aus mit dem Schiff zum Château D'If, auf den Spuren des Grafen von Monte Christo - was kann es Schöneres geben?
Und ich kann die legendäre Arroganz der Franzosen überhaupt nicht bestätigen! Mir ist nie jemand unfreundlich gegenübergetreten. Wenn ich mit meinem stümperhaften Französisch anfange, antwortet man mir ungefragt auf Englisch :-) Und außerdem: Ein Volk, das mehr Geld für hochwertige Lebensmittel ausgibt als für Autos, kann doch nur sympathisch sein!

5. Bisher erschienen sind von dir vor allem historische Romane. Könntest du dir auch ein moderneres Setting vorstellen oder planst du, dem Genre treu zu bleiben?

Ich liebe es, historische Romane zu schreiben, und plane auch erstmal in diese Richtung. Ich habe aber auch schon eine Idee für einen Jugend-Fantasy-Roman. Es könnte also durchaus auch einmal in eine andere Richtung gehen!

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Ein Buch, das mich sehr berührt hat und das ich immer wieder lesen kann, egal in welchem Alter und Stadium meines Lebens, ist „Wer Liebe verspricht“ von Rebecca Ryman. Ich fand und finde es großartig. So ein Buch zu schreiben wäre toll …

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Jede Geschichte beginnt bei mir mit dem Bild eines Menschen, das plötzlich da ist, ganz deutlich vor meinem inneren Auge. Das Schönste ist, herauszufinden, wer dieser Mensch ist, und seine Geschichte aufzuschreiben. Zuzusehen, wie dieser eine Mensch immer größere Kreise zieht, und zu wissen, dass er mir allein seine Geschichte erzählt.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Die Zeit dafür zu finden. Wenn ich weiß, dass ich nur 1-2 Stunden zur Verfügung habe, kann ich mich nicht fallenlassen. Aber mehr als diese Zeit am Stück zu finden ist schwierig, wenn man fast Vollzeit arbeitet, eine Familie hat und auch seine Freunde noch ab und zu treffen möchte.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Andauernd! In „Töchter der Stürme“ zum Beispiel gibt es einen Mordanschlag, der überhaupt nicht geplant war. Eigentlich hatte die Person schon genug gelitten, aber plötzlich passierte es. Irgendwie unheimlich …

10.  Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Ja. Ich muss zugeben, dass ich mit Kritik nicht gut umgehen kann. Ich bin da sehr zartbesaitet. Aber ich versuche, das nicht zu sehr an mich heranzulassen. Natürlich können meine Bücher nicht jedem gefallen, das ist ganz klar. Und das akzeptiere ich auch und versuche, aus Kritik zu lernen. Schlimm ist für mich, wenn mein „Handwerk“ kritisiert wird - Recherche, Glaubwürdigkeit usw. Diese Dinge sind mir nämlich sehr wichtig!

Liebe Jessie, vielen Dank für deinen Brunch-Besuch und das nette Gespräch. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deinen Romanen und jede Menge guter Ideen. 

Vielen Dank für die Einladung, liebe Doro! Es war sehr nett, mit dir zu brunchen.

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