Sonntag, 17. Juli 2016

Sonntagsbrunch mit der Autorin Susanne Halbeisen


Heute beim Sonntagsbrunch darf ich wieder eine liebe Forever-Kollegin begrüßen, die ebenfalls Mitglied in der Romance Alliance ist. Die Österreicherin Susanne Halbeisen veröffentlichte ihr Romandebüt "Love Beyond Worlds - Pippa & Duncan" im März 2016 bei Forever by Ullstein. Ich freue mich, sie heute hier zu Gast zu haben und mit ihr über ihr Leben, ihr Schreiben und natürlich über Pippa und Duncan zu sprechen.





Liebe Susanne, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee? Tee (sehr unösterreichisch)
Milch, Zucker, schwarz? Einfach pur
Herzhaft oder süß? Süß
Warm oder kalt? Warm

1. Du bist in der Schweiz geboren und in Österreich in einem kleinen Ort groß geworden. Zum Studieren hast du dich dann nach Berlin begeben. Vermutlich ein starker Kontrast zum Dorf deiner Kindheit. Wie hast du das Großstadtleben so wahrgenommen? 

Berlin war für mich immer schon eine zweite Heimat, weil meine Oma und mein Bruder dort gewohnt haben. So gesehen kannte ich mich schon ein bisschen aus. Und ich konnte zum Glück schon Berlinerisch sprechen … mit Vorarlbergerisch wäre ich nicht weit gekommen. Aber natürlich war das Großstadtleben, noch dazu das Studium, ganz anders als die eher beschauliche Lebensart auf dem Dorf. Für mich war die Anonymität in der großen Stadt in erster Linie befreiend. Man konnte hier sein, wer man wollte, und es hat niemanden gestört. Außerdem konnte man alle möglichen Dinge überall bekommen, die man auf dem Land erst mühsam suchen oder bestellen musste. Englische Fantasybücher zum Beispiel. 

2. Im Studium hat es dich auch nach Neu-Delhi verschlagen. Was hat dich bei deinem Aufenthalt dort am meisten erstaunt oder beeindruckt?

Ich habe in Indien eine ganz andere Perspektive auf mein Leben in Europa bekommen. Mir wurde bewusst, dass praktisch nichts in meinem Alltag selbstverständlich ist, sondern alles mehr oder weniger von meiner Kultur abhängt. In Indien sind ganz andere Dinge wichtig als bei uns und umgekehrt. Das heißt aber nicht, dass eine der beiden Kulturen "Recht hat". 

Ich finde, jeder sollte einmal eine Weile lang in einem Land leben, in dem er nicht dieselbe Hautfarbe hat wie die Menschen um ihn herum. Da erfährt man, wie es ist, der "Andere" zu sein, und überlegt es sich das nächste Mal besser, bevor man vorschnell ein Urteil über Leute fällt. 

3. Du bekennst dich offen zum Bingewatching und hast - wie so viele heute - deine ersten schriftstellerischen Gehversuche in der Fanfiction gemacht. Magst du uns verraten, welche Serien und Filme dich da am meisten zum Schreiben inspiriert haben?

Jetzt wird's also Zeit für den schriftstellerischen Seelen-Striptease ;-) Angefangen habe ich mit elf Jahren, damals habe ich Fanfiction zum Musical "Cats" geschrieben. Das war ein sehr dankbares Fandom: Jede Menge vorgefertigte Figuren, aber kaum Handlung. Zwei Jahre später habe ich zum ersten Mal Harry Potter gelesen und mich nach Hogwarts geschrieben. Aber den größten Einfluss hatten die Herr-der-Ringe Verfilmung auf mich. Über dieses Fandom habe ich so viele Menschen getroffen, die mich heute noch begleiten. Ich sehe die Filme jedes Jahr einmal an und lese auch den Roman spätestens alle drei Jahre wieder. 

4. Den Anstoß für deinen ersten Roman gab dir der NaNoWriMo (National Novel Writing Month). Für alle Uneingeweihten: das ist eine Initiative, die Menschen anspornen soll, einen Roman zu schreiben, indem ein Zeitraum von 30 Tagen und ein Ziel von 50.000 Wörtern gesetzt werden und alle zur selben Zeit schreiben, sich on- und offline zu "Wortsprints" und Workshops treffen, etc. 
Empfindest du es als hilfreich, eine bestimmte Deadline oder Zielmarke zu haben oder setzt dich das unter Druck?

Deadlines mag ich nicht besonders, aber mit Zielmarken arbeite ich ständig. Wenn ich mich gerade in einer ersten Draftphase befinde, setzte ich mir einen täglichen Wordcount. Sonst habe ich das Gefühl, in der Luft zu hängen und einfach so vor mich hinzuschreiben. Der Wordcount hilft mir, mich täglich neu zu motivieren. 

5. Dein Roman "Love Beyond Worlds" wurde von einem Urlaubserlebnis inspiriert. Magst du uns ein bisschen darüber erzählen, wie die Idee zu dem Roman entstand?

Ich war im Sommer 2014 zum zweiten Mal bei einer Ghost-Tour in Edinburgh dabei. Es war ein tolles Erlebnis, aber ich habe mich im Laufe der Tour ein wenig über mich selbst geärgert. Bei der ersten Tour ein paar Jahre zuvor hatte ich mich viel mehr gegruselt, aber diesmal wollte es mir nicht so richtig gelingen. Ich begann dann in meinem Kopf herumzurätseln, was passieren müsste, damit ich mich wirklich erschrecke. Leider ist dann doch kein gutaussehender, durchsichtiger Schotte aufgetaucht … aber träumen darf man ja ;-)

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

"Momo" von Michael Ende. Das ist eines der wenigen Bücher, die es schaffen, tiefe philosophische Gedanken herüberzubringen, ohne dabei oberlehrerhaft zu wirken. Und das Buch schafft es jedes Mal, mich zu trösten, wenn es mir nicht gut geht. 

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben? 

Wenn ich so tief in die Geschichte eintauche, dass ich alles um mich herum vergesse. Mein Freund arbeitet manchmal im gleichen Raum wie ich und beschwert sich dann hinterher, dass ich nicht gemerkt habe, dass er zwischendurch mal weg war. 

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben? 

Ich plane sehr viel voraus, bevor ich mit dem Schreiben beginne. Da passiert es leider häufig, dass ich mir eine Szene zwar genau ausgemalt habe, aber aus irgendeinem Grund landen dann nicht alle Details auf dem Papier. Zum Glück habe ich tolle Testleser, die mich dann auf die Lücken aufmerksam machen können. 

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest? 

Nein, ich führe da ein strenges Regiment. Ich höre aber oft von anderen Autoren, dass es ihnen so geht. 

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Ja, Kritik trifft mich mehr, als mir lieb ist. Ich versuche aber immer, daraus etwas zu lernen und mir klar zu machen, dass mein Werk kritisiert wurde, nicht ich persönlich. So richtig gelingt mir das natürlich nicht immer, aber ich denke, da muss man als frischgebackene Autorin einfach durch. 

Liebe Susanne, ich danke dir, dass du Zeit gefunden hast, mit uns zu brunchen. Wir hoffen, dass auf "Love Beyond Worlds" noch viele tolle Romane von dir folgen werden und wünschen dir immer zahlreiche Musenküsse. 

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