Sonntag, 21. August 2016

Sonntagsbrunch mit der Autorin Stefanie Schankat



Heute darf ich wieder eine liebe Forever by Ullstein-Kollegin zum Brunch begrüßen. Stefanie Schankats Roman „Bevor der Regen kam – Eine Liebe in Malawi“ erschien Mitte April bei Forever und handelt von tiefen Gefühlen und großer Liebe über Kontinente hinweg. Ich freue mich, dass Stefanie heute Zeit gefunden hat, mit uns zu brunchen und uns ein wenig über ihr Leben und ihren Roman zu erzählen.





Liebe Stefanie, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee?
Milch, Zucker, schwarz?
Herzhaft oder süß?
Warm oder kalt?


Kaffee bitte, mit Milch und ohne Zucker und dazu am besten etwas Süßes. Ich liebe Kuchen. 
Warm und kalt. 

1. Reisen und Internationalität ziehen sich als roter Faden durch deine Biografie. Du hast viel Zeit im Ausland verbracht und lebst heute mit einem finnischen Ehemann in London. Welche Beziehung hast du zu deiner Heimat Deutschland oder würdest du dich als „Kosmopolitin“ sehen?

Ich habe bis auf eine kleine Unterbrechung mein ganzes Erwachsenenleben im Ausland verbracht, die Stationen waren früher kürzer, jetzt lebe ich allerdings für meine Verhältnisse schon sehr lange in England. 

Wie definierst Du Heimat? Ist Heimat ein Ort, oder vielmehr ein Gefühl?  

Natürlich ist Deutschland insoweit meine Heimat, als ich dort geboren und aufgewachsen bin; mit Deutschland verbinde ich Kindheitserinnerungen, bestimmte Gerüche, Geräusche, Verhaltensmuster, gewisse Rituale, Gewohnheiten. Deutsch ist meine Muttersprache, die ich immer noch am besten beherrsche, in der ich Wörter wie „Hain“, „Anger“ oder „Wald und Flur“ kenne.  
Aber wenn man mit Heimat eher ein Gefühl verbindet, ein Gefühl des Zuhauseseins, ein Wohlfühlgefühl in der näheren Umgebung, im Haus, in dem man sich eingerichtet hat mit den Dingen, die einem lieb und teuer sind, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz, dann habe ich meine Heimat bisher an allen Orten gefühlt, an denen ich bisher gelebt habe. 
Ich bin wohl eine Weltbürgerin, „Kosmopolitin“, wenn du möchtest, deren nationale Identität über die Jahre verblasst ist; ich denke nicht in „Flaggen“, das fällt mir z. B. besonders bei internationalen sportlichen Wettbewerben auf. Ich fühle mich keinem Land wirklich zugehörig, und das ist für mich ein Gefühl großer Freiheit. Natürlich hat diese Freiheit ihren Preis, wie eigentlich alles im Leben. Wo werde ich mich niederlassen, wenn ich einmal alt bin? Nach Jahrzehnten des Nomadenlebens fehlt dann eben doch die Verankerung. Es gibt keinen Ort auf dieser Welt, von dem ich sagen könnte, dass er mich wie ein Magnet immer wieder anzieht. Aber vielleicht kommt das noch, wer weiß?

2. Dein Roman spielt in Afrika und Europa, der männliche Hauptdarsteller ist Amerikaner. Also wirklich eine Liebe über Kultur- und Ländergrenzen hinweg. Was sind die Schwierigkeiten einer solchen Liebe und was die Stärken?


Im Buch ist es, wie Du richtig sagst, eine Liebe über Kultur- und Ländergrenzen hinweg. Wenn man diese Liebe dann in einer langen Beziehung lebt (in meinem Buch ist das ja nicht der Fall), erfährt man schon die Vor- und Nachteile einer binationalen Beziehung, aber im Grunde genommen ist der Unterschied zu einer mononationalen Partnerschaft gar nicht so groß.  Sicher, sprachlich stößt man dann und wann schon an seine Grenzen und möchte vielleicht gelegentlich so richtig in seiner Muttersprache loslegen. Ansonsten zählen Übereinstimmung in Lebensanschauungen, gemeinsame Wertvorstellungen. Wenn das gewährleistet ist, spielen Ländergrenzen keine Rolle. Und das Zusammentreffen verschiedener Kulturen sehe ich generell immer als eine große Bereicherung an. Toleranz ist natürlich auch hier das Zauberwort. 

3. Als großer Finnland-Fan interessiere ich mich natürlich für deine Zeit in Helsinki. Was hat dich dort besonders beeindruckt oder überrascht – und: sprichst du Finnisch?
(Zur Erklärung für meine Leser: ich liebe den Klang der Sprache, habe es aber bisher im Selbststudium nie geschafft, über ein paar Wörter und Phrasen hinauszukommen, obwohl ich mich für durchaus sprachbegabt halte.)

Ja, ich spreche Finnisch. Ich liebe Grammatik und gehöre wahrscheinlich zu einer Minderheit, die sich während der Schulzeit für Latein begeistern konnte. Ich mag komplizierte grammatikalische Strukturen und Eigenheiten und da ist man mit Finnisch und seinen unzähligen Fällen, 15 sind es, genau an der richtigen Adresse. Du hast ganz Recht, die Sprache ist klangvoll mit seinen vielen Vokalen, ich glaube sogar, die klangvollste in Europa.
Ich habe 7 Jahre in Helsinki gelebt, die Stadt selber gefällt mir gut, eine kleine, übersichtliche europäische Hauptstadt, die mit ihrem Hafen und ihrer vorgelagerten Schärenwelt durchaus ihren Reiz hat. Ich hatte allerdings große Probleme mit dem Klima, den sehr, sehr kurzen Sommern und den langen Wintern. Schnee Anfang Mai war nichts für mich, und jeder weiß, wie sehr das Klima auch seine Menschen prägt. Ein Urlauber, der ein paar Sommerwochen an einem finnischen See auf dem Land verbringt, empfindet das natürlich ganz anders.

4. Wie ist die Idee zu deinem Roman entstanden?

Ich verdanke den Roman meinem Leben. Er steht auf soliden autobiographischen Säulen, und die Idee, meine Geschichte aufzuschreiben, kam mit ihrem Ende. Das Ende war für mich gleichzeitig der Anfang einer Reise, die ich noch einmal unternommen habe. 

5. Planst du bereits weitere Romane oder sind sogar schon welche in Arbeit und – wenn ja – bleibst du dem Genre treu?


Es ist eher zufällig ein Liebesroman geworden, weil ich eben eine Liebesgeschichte erzähle, die mein Leben geschrieben hat, wobei es sicherlich auch ein etwas Genre-untypischer Roman ist. 

Ich persönlich lese bis auf gelegentliche Krimis überhaupt keine Genre-Literatur.  Da bewundere ich vor allem die oft sehr aufwendige Recherche und die zahlreichen Handlungsstränge, die dann irgendwann miteinander verknüpft werden. Ansonsten fällt es mir schwer, die teilweise doch sehr eng gestrickten Erwartungen der Genreliteratur erfüllen zu müssen. Sie ist oft sehr leichtfüßig und austauschbar. 
Der Weg, den ich für mich persönlich sehe, geht schon eher in Richtung „literarisches Schreiben“, und dabei betone ich „Richtung“. Und ja, ich bastle an einem neuen Roman und bin gespannt, wohin er mich führt.


6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Da muss ich überlegen. Es gibt viele Bücher, mit denen ich Schlüsselerlebnisse hatte, von denen ich gewisse Textstellen immer noch auswendig sagen kann. Ich lese auch sehr gerne Hochliterarisches, Bücher, die ich inspiriert und dankbar zurück ins Regal stelle und die noch lange nachwirken.  Aber ein Buch, das ich gerne geschrieben hätte? Vielleicht  „Das verborgene Wort“ von Ulla Hahn. Durch dieses  Buch habe ich mich tröstlich einen Sommer lang geheult. Ich mag ihre Prosa sehr, aber natürlich auch ihre Gedichte. Gedichte spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in meinem Leben. Wenn es mir schlecht geht, lese ich ein Gedicht oder sage es auf. Mascha Kaléko, Rose Ausländer, ich bin auch ein großer Fan von Sarah Kirsch.

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Das Schönste am Schreiben ist natürlich das Abtauchen in eine andere Welt, oder sagen wir es besser so, das Erschaffen einer neuen Welt, in der man sich dann so richtig ausleben kann. Aber das Jonglieren und Experimentieren mit Worten ist mir ebenso wichtig, die sprachliche Umsetzung einer Handlung. Sprache muss auch Aussage sein. Und wenn ich einen Absatz als besonders gelungen empfinde, ihn mir laut vorlese und dann in Gedanken „absegne“, ja, das ist ein großes Glück. 

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Die größte Schwierigkeit besteht augenblicklich darin, mir einen festen Rhythmus zuzulegen. An sich bin ich ein sehr ordnungsliebender Mensch, der an Strukturen glaubt, weil sie Halt geben. Aber Kreativität und Selbstdisziplin, das ist so eine Sache. Oft kommt sie in Schüben und zu den unmöglichsten Zeiten. Nicht selten springe ich nachts auf und schreibe einen Satz auf, den ich gut finde, aus Angst, ich könnte ihn am nächsten Morgen wieder vergessen haben.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Nicht nur Personen, auch Schauplätze. Ich erinnere mich noch gut daran, wie mir vor einigen Wochen kurz nach dem 100-jährigen Geburtstag von Olivia de Havilland die Szene aus ihrem Film „Gone with the Wind“ nicht mehr aus dem Kopf ging, in der sie Clark Gable nach dem Tod seiner Tochter Trost zuspricht. Plötzlich sah der Raum in dem Roman, an dem ich schrieb, ähnlich aus. Das, was leicht und hell werden sollte, hatte auf einmal dunkle, schwere Samtvorhänge vor den Fenstern und draußen goss es in Strömen. In solchen Fällen muss dann die „Delete“-Taste herhalten.

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Da dies mein erster Roman ist, ich also zum ersten Mal „öffentlich“ bin, fällt es mir immer noch schwer, mit Kritik umzugehen. Das hat wohl auch damit zu tun, dass mein Roman ein sehr persönliches Buch ist. Aber ich glaube, dass man auch da hineinwachsen kann, und seit meiner Publikation im April habe ich schon sehr viel dazugelernt.  

Liebe Stefanie, ich freue mich sehr, dich kennengelernt zu haben und freue mich auf regen Austausch mit dir. Natürlich wünsche ich dir jede Menge Musenküsse und viel Erfolg mit deinem Schreiben.


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