Sonntag, 18. September 2016

Sonntagsbrunch mit der Autorin Julia Rogasch



Heute begrüße ich wieder eine Kollegin von Forever by Ullstein. Seit August 2016 ist ihr Roman „Honigmilchtage“ als E-Book bei allen großen Händlern zu haben. Die sympathische Hannoveranerin stellt sich heute unseren neugierigen Fragen und plaudert mit uns über das Schreiben und ihr Verständnis von Glück. Ich freue mich sehr, sie begrüßen zu dürfen.





Liebe Julia, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee? Kaffee -alternativ natürlich gerne eine Honigmilch ;-) …
Milch, Zucker, schwarz? Ganz einfach schwarz- allerdings mit Süßstoff 
Herzhaft oder süß? herzhaft
Warm oder kalt? warm

1. Dein Roman „Honigmilchtage“ trägt den Untertitel „Ein Glücksroman“. Da liegt die erste Frage natürlich nahe: was bedeutet für dich „Glück“?

Für mich bedeutet Glück, Zeit zu verbringen mit meiner Familie und anderen lieben Menschen um mich herum, und dass wir alle gesund und sorgenfrei sind. 
Glück bedeutet für mich, Träume wahr werden zu lassen. Den Traum von einer Familie, den Traum vom eigenen Buch…

Vor allem bedeutet Glück für mich aber auch, den Moment zu schätzen. 
Dieser Gedanke gibt mir das gute Gefühl, dass man sein Glück selbst in der Hand hat. 
Das Leben hält jeden Tag sehr viele tolle Momente bereit, die man oft einfach nur erkennen und derer man sich bewusst werden muss. Glück ist für mich, diese – seien sie noch so klein- wahrzunehmen- das lässt mich in mir selbst ruhen und sorgt für Zufriedenheit, die für mich eine gute Basis für vielerlei Glück ist.
Oftmals wird man ja leider erst wachgerüttelt, wie glücklich man eigentlich bis dato war, wenn es einmal weniger rund läuft. 
Die Wahrnehmung dafür, die Glücksmomente des Alltags zu bemerken und positive Erinnerungen, machen mich zufrieden. 
So tankt man vielleicht auch Kraft für weniger glückliche Zeiten, die man nicht immer in der Hand hat wie z.B. Krankheiten oder Schicksalsschläge. 

2. Als du Mutter wurdest, hat dein Arbeitgeber dir die Möglichkeit gegeben, im Homeoffice zu arbeiten. Was sind für dich dabei die größten Herausforderungen?

Offiziell auch einmal „Feierabend“ zu machen. Arbeitszeit und Freizeit gehen gerne mal ineinander über.
So ein Laptop ist schnell aufgeklappt und ein, zwei, fünf Emails sind kurz getippt und das Thema, was man gedanklich auf den kommenden Tag gelegt hatte, wird am Abend dann doch noch schnell angedacht…
Auf der einen Seite ist es eine Herausforderung, selbst zu schauen, dass man sich so organisiert, dass man die berufliche und die private Zeit bewusst trennt.
Auf der anderen Seite ist es oftmals auch ein großer Vorteil, weil man spontan reagieren und Dinge in die Wege leiten und Ideen umsetzen kann ohne großen Aufwand wie Anfahrt, Zeit usw.
Manchmal ist die größte Herausforderung auch einfach ein nachmittäglicher Anruf eines Geschäftspartners, wenn gerade eins meiner Kinder mir in dem Moment lautstark zu verstehen gibt, dass es dringend jetzt meine volle Aufmerksamkeit benötigt oder im Hintergrund lautstärkemäßig gerade die Welt unterzugehen scheint ;-)


3. Dein Roman beschäftigt sich ja unter anderem mit der (manchmal nicht ganz einfachen) Balance zwischen Beruflichem und Privatem. Wie viele von uns jonglierst du „Brotjob“, Schreiben und Familie. Hast du ein Rezept für dich gefunden, dabei die perfekte Balance zu halten?

Mein „Brotjob“ macht mir zum Glück sehr viel Freude und ich räume ihm jeden Tag seine Zeit ein. Dadurch, dass ich im Marketing arbeite, kommen mir viele Ideen auch außerhalb meiner Arbeitszeit vor dem PC und durch das Homeoffice lassen sich diese manchmal ganz schnell umsetzen. Dabei muss ich mich dann aber selber manchmal ausbremsen und umschalten auf „Kinder- & Familienzeit“, sobald meine Kinder und mein Mann zuhause sind. Da neige ich in beruflichen Dingen oftmals zu Perfektionismus und möchte am liebsten alles erledigt haben, was natürlich nicht immer machbar ist.

Als Mama und für die Familie voll und ganz da zu sein, macht mich sehr glücklich und für eine gelungene Balance brauche ich ganz viel „Familienzeit“.
Daher habe ich mich natürlich unglaublich gefreut, dass mir das Homeoffice ermöglicht wurde. 
So kann ich meinen Tag genau so gestalten, wie ich es mir erträumt habe und Familie und Job unwahrscheinlich gut miteinander vereinbaren- da habe ich großes Glück gehabt.

Vormittags ist die Zeit für meinen Job, abends für das Schreiben. Und alles, was ich vormittags mal nicht schaffe, kann ich dank Homeoffice mal auf den Abend oder auch mal auf einen Sonntag schieben, wenn mein Mann da ist. 
Wobei das Arbeiten am Wochenende auch die Ausnahme sein soll, wenn wir als Familie zuhause sind.
In allem versuche ich, gegenüber meinen Kindern diesen Satz nie zu vernachlässigen: „Dein Alltag ist ihre Kindheit.“ Dieser Satz treibt mich an, nie die Balance außer Acht zu lassen.

Und für das Schreiben finde ich immer ein Fenster an Zeit. Wobei ich im Prinzip den ganzen Tag auch als Autorin „denke“ und Situationen sammele, die mich inspirieren.

Wenn es mir gelingt, vormittags, wenn die Kinder in der Schule und im Kindergarten sind, meinen „Brotjob“ zu erledigen, nehme ich mir abends, wenn die Kinder schlafen, bewusst die Zeit für meine große Leidenschaft, das Schreiben. 

Das Schreiben bedeutet für mich Freizeit, Abschalten und Arbeit in einem und nimmt, neben der „Haupt-Schreibzeit“ am Abend auch zu ganz unterschiedlichen Zeiten am Tag Raum ein. Manchmal ist es dann nur eine Notiz für eine Schreibidee, manchmal eine Recherche. Das konzentrierte Schreiben und Überarbeiten findet meist dann abends statt bei mir. 

Mein Rezept für die perfekte Balance: 

-ein Teil „Job“, gemischt mit kleinen Auszeiten für mich zwischendurch (ein Kaffee, ein leckeres Brötchen beim Italiener an der Ecke mit meinem Mann oder eine Honigmilch)

-ein Teil „Pflichten“ wie Hausarbeit, Hausaufgaben, Einkäufe, usw.

-ein Teil „Familie“: Spielen, Lachen, Kuscheln, Treffen mit Freunden der Kinder und draußen sein mit meinen beiden Schätzen, sowie Zeit mit meiner Familie (vor allem die Zeit, wenn mein Mann auch da ist) und Freunden. 

Dieser Part darf nie zu kurz kommen, sonst funktionieren alle anderen Bereiche deutlich weniger gut… Er ist meine (Glücks-)Basis für alles.

-ein Teil „Zeit für das Schreiben“. 
Dies ist der Part, der dann am besten funktioniert, wenn mir die Balance zwischen Familie & Job gelingt und ich mich mit freiem Kopf dem Schreiben widmen kann.
Dies ist auch der Part, an dem ich viel für mich selbst tue, aus dem ich ganz viel Kraft schöpfe und der mein persönliches Glücks-Kleeblatt aus „Familie, Job, Schreiben & ICH“ komplett macht.

4. Hast du schon weitere Schreibprojekte in der Pipeline?

Ich arbeite an einer Fortsetzung meiner „Honigmilchtage“ und einem weiteren Projekt über die Liebe und die Freundschaft.

5. Mit „Honigmilch“ verbinde ich persönlich Schmuddelwetter und Einkuscheln auf dem Sofa. Verrätst du uns, was es mit dem Titel auf sich hat?

„Honigmilch“ ist für die Protagonisten meines Buches eine Art Seelenbalsam, etwas, was den Figuren ein „Wohlfühl-Gefühl“ beschert und sie zur Ruhe und Zufriedenheit kommen lässt. Für mich übrigens auch.
Für den einen ist Honigmilch einfach ein leckerer Genuss, für die anderen eine Erinnerung an kuschelig gemütliche Momente bei den Großeltern.
Einkuscheln auf dem Sofa bei Schmuddelwetter- das sind doch Glücksgefühle pur, oder? 
Diese sucht Carla und denen begegnet sie immer wieder, ebenso wie weniger glücklichen Momenten.
Der Titel „Honigmilchtage“ war dann die Idee meiner Lektorin, weil er eine gewisse Entwicklung beschreibt, die Carla im Buch erlebt. Ich war sofort begeistert von dieser Idee und dem Titel.
Carla „braucht“ und genießt auf ihrem Weg viel Seelenbalsam und die Honigmilch begleitet sie und ihre Freunde durch viele Zeiten hin zu ihrem persönlichen Glück. 

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Die Bücher von Ildiko von Kürthy. Ich würde gerne mit einem solch selbstironischen Witz formulieren können. Ich bin ein großer Fan ihrer Bücher.
Außerdem natürlich Harry Potter- wer hätte das nicht gerne geschrieben? ;-)
Auch wenn ich gestehen muss, keine einzige Seite davon je gelesen zu haben. 

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Abzutauchen in die Welt der Charaktere und mit ihnen zu fühlen, zu lachen und zu weinen. Eine Welt um sie herum zu gestalten, die so verrückt oder so schön sein kann, wie ich es mir und den Figuren wünsche. 

Dass den Themen und Inhalten, über welche geschrieben werden kann, keine Grenzen gesetzt sind und quasi jede noch so banale und lustige Alltagssituation Grundlage für eine große Story sein kann, das fasziniert mich. So kann man jeden Tag nach dem Motto „Carpe diem“ betrachten, da jeder Tag mit seinen vielen Situationen und Momenten die Grundlage sein kann für eine neue Idee, die aufgeschrieben werden muss. Das finde ich großartig.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Im wuseligen Alltag die Zeit zu finden, ein paar Stunden zu schreiben. 
Mein kleines Notizbuch ist daher überall dabei, weil die Ideen sonst einfach mal verloren gehen in all‘ dem Trubel. Ich wünsche mir oft, noch mehr Zeit zum Schreiben zu haben, um den Schreibfluss ausnutzen zu können ohne Zeitdruck und Unterbrechungen oder Müdigkeit am Abend. Oftmals fällt es mir schwer, gerade in den Phasen, in denen es um Kreativität geht, dann genau diese abzufragen, wenn die Zeit da ist und ich vor dem Laptop sitze. 
Außerdem gerate ich gerne ins Ausschweifen und es das Kürzen fällt mir unglaublich schwer…merkt man kaum, oder…? ;-) 

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Das passiert mir definitiv- in meinem Roman „Honigmilchtage“ hat sich vieles einfach so von selbst entwickelt und ich saß manchmal selbst überrascht vor meinen Zeilen und war gespannt, wie es weitergeht. Das haben mir die Charaktere dann manchmal (fast) ohne mein Zutun gezeigt. Auch, wenn ich sie manchmal schütteln wollte und sagen „Hey, so geht das nicht! Mein Plan für Dich war ein anderer… Jetzt sitze ich hier mit Deinem Dilemma!“ 

10.  Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Kritik ist mir sehr wichtig und ich bin dankbar dafür, wenn jemand sich dafür Zeit nimmt.
Es ist aber dennoch nicht immer so, dass ich sofort gut damit umgehen kann.
Es war unheimlich aufregend, mein „Buch-Baby“ plötzlich der Öffentlichkeit zu stellen und es war schon erstmal ein mulmiges Gefühl, wenn sich jemand kritisch äußerte.
Das ist aber etwas, woran ich wachsen möchte als Autorin und auch persönlich und nur so werde ich auf meine Schwächen aufmerksam, die mir selbst beim Schreiben nicht so bewusst sind.
Kann ich die Kritik nachvollziehen, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, kann ich gut damit umgehen. 
Ist die Kritik für mich absolut nicht nachvollziehbar, auch wenn ich mich persönlich zurücknehme, fällt es mir deutlich schwerer. 
Auch, wenn Inhalte oder Textstellen, die mir sehr am Herzen liegen und bei denen ich mich selbst beim Schreiben mit einem Lächeln im Gesicht vor Augen habe, vom Leser kritisiert werden, trifft es mich schon manchmal mehr, als mir lieb ist. 

Liebe Doro, ganz herzlichen Dank für Deine Fragen und dass ich dabei sein durfte bei Deinem Sonntagsbrunch.

Liebe Julia. Vielen Dank, dass du Zeit für diesen Brunch gefunden hast. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und Spaß beim Schreiben und immer mindestens eine Prise Glück dazu. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen