Sonntag, 16. Oktober 2016

Sonntagsbrunch heute mit dem Autor Claus Karst


Heute freue ich mich auf einen Brunch-Gast, der ein echtes Ruhrpott-Gewächs ist und dessen Vita beweist, dass es nie zu spät ist, um Kindheitsträume wahr werden zu lassen. Zu Gast ist heute nämlich der Autor Claus Karst. Nach zahlreichen Veröffentlichungen in Anthologien erschien sein erster Roman („Treffpunkt Hexeneiche“) im Jahr 2010. In diesem Jahr erschienen der Thriller „Finisterre – Eine Spurensuche“ und die Kriminalnovelle „Diabolische Spiele“. Claus Karst ist Vorstandsmitglied der Autorenvereinigung DELIA (Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren und –autorinnen) sowie Mitglied des Autorenkreises Ruhr-Mark und des Literaturkreises des Literaturhotels Franzosenhohl, Iserlohn.

Bei einer Lesung in Iserlohn


Lieber Claus, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee?

Milch, Zucker, schwarz?


Morgens auf jeden Fall Kaffee, und zwar jede Menge. Ein Drittel ist der Kaffeebecher allerdings immer mit Milch gefüllt. Nur bei einem Espresso kommt auch mal Zucker in die Tasse. Abends trinke ich eher Tee.

Herzhaft oder süß?


Das ist etwas stimmungsabhängig. Ich bin seit Kindheit so erzogen, das gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Daher mache ich mir nie Gedanken darüber. Und durch meine vielen Auslandsaufenthalte habe ich mir eine gewisse Neugier auf Unbekanntes angeeignet. Allerdings werde ich z. B. zum Geburtstag immer kistenweise mit Mon Chéri beschenkt, die bei mir nicht alt werden. Daher gelte ich offensichtlich als Süßer. Aber mal im Ernst: Ein Essen ohne Dessert ist für mich kein Essen.

Warm oder kalt?

Kalt mag ich gar nicht. Hitze kann ich dagegen gut vertragen. Zu Berufszeiten war ich viel in arabischen Ländern unterwegs, was mir immer recht gut bekommen ist.

1. Ich habe dich angekündigt als Ruhrpott-Gewächs. Geboren bist du in Kettwig (Essen) und aufgewachsen in Werden. Heute lebst du im Sauerland. In deiner Vita schreibst du, die Region habe dich geprägt. Wie zeigt sich das?

Der Ruhrpott verfügt in meinen Augen über die offenste Gesellschaft in unserem Land. Hier lebten durch die Zechen schon immer Menschen aus vielen Ländern zusammen, die miteinander klarkommen mussten, dies auch schafften. Toleranz wird uns mit der Muttermilch bereits verabreicht. Nach meinem berufsbedingten Umzug ins Sauerland habe ich die Unterschiede sehr deutlich kennengelernt. Werden ist für mich immer Heimat geblieben, auch wegen der Folkwang-Musikhochschule, wo ich in jungen Jahren in einem Chor gesungen habe.

2. Du wolltest immer schon einen künstlerischen Beruf ergreifen, hast dich aber dann doch zunächst für etwas „Solideres“ entschieden und erst recht spät deinen Traum weiter verfolgt. Warum hast du es nicht früher bereits versucht?

Ich habe mich nicht selbst für etwas Solideres entschieden, sondern bin entschieden worden. Ich bin schon früh mit dem Theater durch einen Onkel in Berührung gekommen, der Intendant und Regisseur war. Für mich war immer klar, ich gehe zum Theater, vielleicht gar zur Oper, was ich noch lieber gemacht hätte. Die Übernahme der Kosten für die Ausbildung hat mir mein Elternhaus allerdings verweigert. Nach meiner kaufmännisch-technischen Ausbildung bin ich beim erlernten Beruf geblieben, zumal ich früh geheiratet habe. Die Liebe, besonders zur Oper ist jedoch geblieben. Ich kann mit Stolz zurückblicken auf die Tatsache, 140 verschiedene Opern live erlebt zu haben, zum Teil auch im Ausland. Operetten und Musicals nicht mitgezählt. Inzwischen singe ich wieder, in zwei Chören und in einer Musicalkompanie, für die ich auch ein Libretto geschrieben habe.

3. Du schreibst satirische und fantastische Kurzgeschichten, zeitkritische Glossen, Kindergeschichten, Krimi und Thriller. In welchem Genre fühlst du dich als Autor am meisten zu Hause?

Ich kann mich mit starren Genres überhaupt nicht anfreunden. Ich ignoriere auch jeden literaturwissenschaftlichen Anspruch. Meine Romane sind beispielsweise als Krimis vermarktet worden, obwohl ich persönlich sie nicht als solche betrachte. Nur weil auch Leichen vorkommen, ist ein Buch noch lange kein Krimi. Im Grundsatz schreibe ich, was ich meine, schreiben zu müssen. Zum Glück bin ich davon wirtschaftlich nicht abhängig, kann mir das also leisten.

4. Du moderierst auch ein monatliches Literatur-Magazin im Bürgerradio Iserlohn. Würde dich als Autor auch das Hörspiel-Genre reizen?

Ich habe ein Hörspiel geschrieben, das wir auch im Radio aufgeführt haben. Wie ich bereits erwähnte, sind mir Theater-Libretti auch nicht fremd.

5. Du bist überzeugter Pazifist. Wie verträgt sich das mit dem literarischen Morden in Thriller und Krimi?

Auch ein überzeugter Pazifist kann das Weltgeschehen nicht ignorieren. Aber ich muss mit einem Blick auf das Fernsehprogramm und auch die Bücherregale in den Buchhandlungen schon sagen, dass mir die Krimi- und Thrillerlandschaft inzwischen zum Hals heraushängt. Vor allem die düsteren skandinavischen Krimis und die fliegenden Autos in den amerikanischen sind mir zutiefst zuwider. Allerdings schreibe ich zurzeit selbst gerade an einem Politthriller, bei dem mir allerdings das Thema und nicht das Genre wichtig ist.

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Ich hätte gerne den Faust geschrieben, weil ich den Mephisto so liebe. Er ist in meinen Augen der größte Komiker, den die Literatur je in Szene gesetzt hat. Deshalb hat mein letztes Buch „Diabolische Spiele“ auch mit diesem Thema zu tun. Oder aus der Neuzeit das Buch von Markus Zusak „Die Bücherdiebin“.

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Das Schönste am Schreiben ist für mich, das Produkt fertig zu haben. Allerdings muss ich sagen, dass besonders meine Geschichten niemals wirklich fertig werden. Wenn immer ich mir mal – aus welchem Grund auch immer – eine vornehme, ändere oder korrigiere ich wieder etwas.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Schreiben macht mir keine Schwierigkeiten. Ich schreibe meine Geschichten im Kopf vor. Am nächsten Tag haue ich dann das Vorgedachte in die Tasten. Ich bin ein sehr schneller 10-Finger-blind-Schreiber, weil ich das auf der Wirtschaftsoberschule bereits gelernt habe.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Das kann sehr gut passieren. Selbst einen Roman schreibe ich aus dem Bauch heraus ohne stringentes Konzept. Ich bin immer selbst gespannt darauf, was dabei herauskommt.

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Nun, ein Schriftsteller ist Künstler, und Künstler ohne jede Eitelkeit gibt es nicht. Sehr häufig ist Kritik nicht berechtigt, weil der Kritiker subjektiv urteilt, ohne sich objektiv mit der Sache beschäftigt zu haben. So wird mir öfter nachgesagt, meine Sprache sei etwas „altertümlich“, nur weil ich bisweilen Wörter benutze, die heute nicht mehr gebräuchlich sind. Mit solcher Kritik kann ich ganz gut leben.

Lieber Claus, ich danke dir sehr, dass du dir die Zeit genommen hast und wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deinen Werken.

Herzlichen Dank, liebe Doro, dass Du mir die Möglichkeit gegeben hast, mal ein paar Dinge offen auszusprechen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen