Sonntag, 6. November 2016

Sonntagsbrunch mit der Autorin Heike Abidi


Ich habe heute die Ehre, eine Autorin vorzustellen, die sich sowohl im Jugendbuchbereich als auch mit Unterhaltungsromanen einen Namen gemacht hat. 

Nun freue ich mich, dass Heike Abidi bei mir zu Gast ist und sich Zeit für meine Brunch-Fragen nimmt. Und mit weit mehr als zwanzig Buchveröffentlichungen beweist Heike eindrücklich, dass auch Unterhaltungsliteratur gefragt und wichtig ist. 

(c) Ivonne Ntatis

Liebe Heike, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:Kaffee oder Tee? Danke, gern beides. Und wenn’s geht, noch ein Wasser dazu ☺

Milch, Zucker, schwarz? Tee nur gesüßt, Kaffee mit Sojamilch und Zucker. Oder noch lieber: mit Honig.

Herzhaft oder süß? Herzhaft! Ein Stück Käse führt mich eher in Versuchung als Schokolade … Aber beim Brunch darf auch gern ein bisschen was Süßes dabei sein.

Warm oder kalt? Kalt und sonnig ist herrlich, sommerlich mild ebenfalls – nur alles über 27 Grad ist mir zu heiß. Und auf Eisregen und Schneematsch stehe ich auch nicht unbedingt … Oder geht’s noch immer um Essen und Trinken?
Nee, ging schon noch um's Essen, aber das hängt ja auch oft vom Wetter ab. Im Winter isst man lieber warm. 

1. Knüpfen wir mal gleich bei meinem Eingangs-Sermon an. In deiner Vita beschreibst du so herrlich deinen Kampf mit dem Gefühl, keine wichtige „Botschaft“ zu haben und endest mit einer Epiphanie: „Auf einmal wusste ich, was meine Botschaft ist: Ich will unterhalten! Einfach nur unterhalten. Ist Unterhaltung nicht etwas Wunderbares?“ Damit sprichst du mir aus dem Herzen. Was antwortest du Leuten, die Unterhaltungsliteratur als reinen Kommerz oder Realitätsflucht abtun?

Zum Glück bin ich noch nie auf solche Leute gestoßen. Die meisten Menschen lieben ja Unterhaltung – sei es in Buchform, sei es im Kino, bei Fernsehserien, Games oder Rollenspielen … Vermutlich ist Unterhaltung sogar ein menschliches Grundbedürfnis, denn schon unsere Ahnen in grauer Vorzeit waren große Geschichtenerzähler. Das hatte viele Funktionen – zum Beispiel gab man dabei Erfahrungen und Traditionen weiter und stärkte mit dem Gemeinschaftserlebnis die Identität der Gruppe. Außerdem fördern Geschichten die Fähigkeit, über den eigenen Tellerrand zu blicken, den Horizont zu erweitern, sich in andere hineinzuversetzen und Empathie zu entwickeln. Das ist meiner Meinung nach auch heute noch die wichtigste Funktion der Unterhaltungsliteratur: zu erkennen, dass nicht nur der eigene Lebensentwurf seine Berechtigung hat. Wer liest, wird sozialer, toleranter, emotional intelligenter.

2. Du wusstest schon mit 8 Jahren, dass du gerne Schriftstellerin werden möchtest, hast aber erst mit 40 ernstgemacht. Du schreibst in deiner Vita, es sei immer daran gescheitert, dass du dich mit der Handlung schwergetan hast. Wie hältst du es heute damit? Bist du jemand, der seine Bücher bis ins Detail vorher plottet oder bist du eine Bauchschreiberin, die sich hinsetzt und losschreibt?

Ich bin ganz eindeutig eine Plotterin. Bevor ich den ersten Satz schreibe, steht schon die komplette Story, inklusive der Kapiteleinteilung. Oftmals stimme ich mich bereits in dieser Projektphase mit dem Lektorat ab. Das reduziert später die Änderungen am fertigen Manuskript auf ein Minimum. Denn einmal muss man an der Story feilen, entweder vorher oder hinterher. Hinterher ist es viel mühsamer. Ich plotte also auch aus Faulheit, könnte man sagen. Und damit ich mich beim Schreiben ganz aufs Formulieren und Erzählen konzentrieren kann. Die Geschichte erfinden und die Geschichte erzählen sind bei mir zwei völlig separate, aufeinander folgende Arbeitsschritte.

3. Du hast als Werbetexterin gearbeitet. Hilft dir die Erfahrung in dieser Branche beim literarischen Schreiben oder empfindest du sie eher als hinderlich?

Es ist die beste Schule überhaupt! Beim Werbetexten habe ich gelernt, nicht fürs eigene Ego, sondern für die Leser zu schreiben. Außerdem pünktlich fertig zu werden, mit Korrekturen erwachsen umzugehen und nie etwas abzugeben, womit ich nicht selbst zufrieden bin – denn wenn die Qualität nicht stimmt, ist man schnell weg vom Fenster. Als selbstständige Werbetexterin genauso wie als Autorin. Meine Bücher wären vermutlich völlig anders, wenn ich zuvor nicht so viele Jahre als Werbetexterin gearbeitet hätte … Es gibt mehr Parallelen als Unterschiede – wenn man von der Textlänge einmal absieht.

4. Deinen Autorenfotos sieht man an, du hast Spaß an Mode und Styling. Unter dem Namen Maya Seidensticker hast du auch drei Jugendbücher veröffentlicht, die sich mit dem Thema befassen. Du nimmst die jugendlichen Leserinnen (und Leser) mit auf eine Zeitreise durch die Modegeschichte. Was ist für dich das Faszinierende an Mode?

Mode im Sinn von kurzlebigen Trends haben mich noch nie interessiert. Ich fand es schon als Kind albern, dass in einem Jahr Miniröcke total in waren und im nächsten absolut out. Dasselbe mit Schlaghosen, Plateauschuhen, Hosenröcken … Ich finde, man sollte einfach tragen, was man mag, was einem steht, was zu einem passt.

Als ich jünger war, betrachtete ich Mode lange Zeit als etwas, womit man Schwächen kaschiert. Heute ist es für mich eher der Spiegel meines Gemüts. Mit dem, was ich trage, kann ich ausdrücken, wie ich mich fühle. Mein Stil ist Teil meiner Identität. Ich liebe übrigens kräftige Farben (vor allem Türkis!), schöne Muster, auch mal außergewöhnliche Kombinationen.
Jaaaa, Türkis!!! Bin voll bei dir. 

5. Ich habe deinen Internetauftritt mit einigem Neid betrachtet. Pressemappen zu den jeweiligen Büchern, wunderhübsche Autorenfotos, alles hochprofessionell. Hut ab! Wie wichtig ist gutes Marketing in deinen Augen für den Bucherfolg und welchen Rat würdest du jungen Autorinnen und Autoren in Sachen Marketing mit auf den Weg geben?

Marketing ist in erster Linie Aufgabe des Verlags. Die Pressemappen zu unseren Anthologien kommen ja auch von Eden Books. Aber natürlich ist es heute Standard, als Autor bzw. Autorin eine eigene Website zu haben, außerdem ein Profil bzw. eine Seite beim Facebook, Google+, Instagram, Twitter, Lovelybooks … Das kostet ein bisschen Zeit, aber wenn man regelmäßig dranbleibt, läuft das im Grunde so nebenbei. Mein Rat? Eine dilettantisch gemachte Website kostet nicht viel weniger als eine gute, und tolle Fotos müssen nicht teuer sein. Auch hier zählt der erste Eindruck, und wenn der Internetauftritt laienhaft wirkt, dann überträgt der Betrachter das unweigerlich auf die Bücher. Als meine Autorinnenseite noch vor dem Erscheinen meines ersten Romans online ging, kommentierte eine Freundin: „Das sieht aus, als wärst du eine Bestsellerautorin.“ Ich hoffe, das ist eine self-fulfilling prophecy ;)

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Pippi Langstrumpf

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Das Feedback von Leserinnen und Lesern, die sich von meinen Geschichten gut unterhalten fühlen, die ich vielleicht sogar zum Lachen, Weinen, Träumen oder Nachdenken gebracht habe. Und natürlich der Moment, wenn sich aus einer Idee eine konkrete Story entwickelt und sich plötzlich eins zum anderen fügt wie ein Puzzle.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben? 

Die Geduld. Von der Idee bis zum Exposé dauert es manchmal nur ein paar Wochen. Bis dann ein Verlag anbeißt und einen Vertrag anbietet, sind es wieder Wochen oder gar Monate. Das Schreiben selbst kostet natürlich noch einmal so viel Zeit. Aber noch länger dauert es meist zwischen Manuskriptabgabe und Veröffentlichung … Da braucht es schon einen langen Atem.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest? 

Überraschenderweise schon. Obwohl ich ja den Plot komplett durchplane, nehmen sich manche Figuren erstaunlich viele Freiheiten. Einmal hat sich ein absoluter Fiesling zum Sympathieträger gemausert und ein andermal eine relativ unauffällige Nebenfigur zum heimlichen Liebling …

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um? 

Eigentlich kann ich ziemlich gut mit Kritik umgehen. Ich erwarte gar nicht, dass meine Bücher jedem gefallen müssen – das wäre ja auch ein total unrealistischer Anspruch. Wenn meine Testleserinnen, meine Agentin, meine Lektorin, die Leserundenteilnehmer und die anderen Rezensenten überwiegend positiv reagieren, bin ich zufrieden. Dann ertrage ich auch einen Verriss ziemlich gelassen.

Liebe Heike. Ich freue mich ganz besonders, dich heute hier auf meinem Blog zu Gast gehabt zu haben und danke dir für deine Zeit. Ich wünsche dir weiterhin ganz viel Erfolg mit allen deinen Buchprojekten.

Danke, gleichfalls, liebe Doro! ich habe mich gefreut, dabei sein zu dürfen, und wünsche dir, deinem Blog und deinen Büchern alles Gute!

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