Sonntag, 4. Dezember 2016

Sonntagsbrunch mit der Autorin bibo Loebnau


Auch heute gibt es bei mir wieder einen gemütlichen Sonntagsbrunch. Zu Gast ist bei mir heute eine Autorin, die ich ebenfalls über die Autorenvereiniung DELIA (Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren und –autorinnen) kenne. Dementsprechend geht es in ihren Büchern natürlich auch um große Gefühle und die Irrungen und Wirrungen der Liebe. Ich freue mich, heute mit bibo Loebnau über ihre Bücher, ihr Leben und über ihre Brunch-Präferenzen sprechen zu dürfen.


copyright: Claudia Toman, Traumstoff


Liebe bibo, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee? 


Kaffee!

Milch, Zucker, schwarz? 

Mit Milchschaum.

Herzhaft oder süß? 


Süß – wobei bittere Orangenmarmelade mein Favorit ist.

Warm oder kalt? 


Am liebsten knusprige, warme Bäcker-Brötchen und ein weichgekochtes Ei oder Spiegeleier mit Bacon und Baked Beans. Ich bekomme Appetit, aber vielleicht sollten wir uns erst mal ein bisschen unterhalten, liebe Doro?

1. Die erste Frage liegt für mich irgendwie auf der Hand und ich riskiere jetzt mal, dass du sie nicht mehr hören kannst. Wie kommst du zu deinem Pseudonym „bibo“ und was hat es mit der Kleinschreibung auf sich?

Mein Spitzname ist entstanden, als ich anfing, als Journalistin zu arbeiten und ein sogenanntes Kürzel für meine Artikel brauchte. Aus meinem Mädchennamen „Birgit Borchert“ entstand das kleingeschriebene „bibo“ – und ruckzuck hatte ich meinen Spitznamen weg. Inzwischen nennt mich sogar meine Mutter so ;-) Im Laufe der Jahre hat sich das „bibo“ zu einer Art Markenzeichen entwickelt. Und seit meiner Heirat, vor fast 17 Jahren, heiße ich bibo Loebnau.

2. Dein aktueller Roman „Sonne, Meer und Wolkenbruch“ geht der (für mich) spannenden Frage nach, ob man sich ein zweites Mal in dieselbe Person verlieben kann. Deine Protagonistin trifft im Internet auf ihre erste große Liebe, die sie seit 30 Jahren nicht mehr gesehen hat. Hand aufs Herz, hast du auch schon mal online nach „Verflossenen“ gegoogelt und – was macht für dich den Reiz dieses Gedankenspiels aus?

Dann lüfte ich hier mal das Geheimnis … Ja, ich habe nach einer verflossenen, großen Liebe gegoogelt – und bin fündig geworden … Daraus entstand die Idee für mein Buch. Und der Prolog ist sehr nah an meiner eigenen Geschichte. Allerdings kann die Wirklichkeit mit der Fantasie wohl nur selten mithalten. Aber die Vorstellung fand ich faszinierend. Also habe ich die Story so weitergesponnen, wie sie sich im Idealfall hätte entwickeln können. Wobei ich, im Gegensatz zu meiner Heldin Lea, sehr zufrieden mit meinem realen Leben bin ;-)

3. Ich habe gesehen, dass du auch einen Beitrag zu einer Anthologie („Hinterland“) verfasst hast. Die darin enthaltenen Erzählungen sind alle von der Musik David Bowies inspiriert. Welche Bedeutung haben Bowie und seine Musik in deinem Leben und wie hast du die Nachricht von seinem Tod verdaut? (David Bowie starb am 10. Januar 2016 in New York). 

Ich bin seit meinem fünfzehnten Lebensjahr Bowie-Fan, besitze alle seine Platten und sogar ein paar Bootlegs. Und ich hatte das große Glück, David Bowie zweimal leibhaftig zu treffen. Diese Begegnungen waren so beeindruckend, dass ich sie in meinem ersten Roman „Zoe“ verarbeitet habe. Als ich um eine Erzählung für die Anthologie gebeten wurde, war ich mit Begeisterung dabei und habe „Tiefes Blau“ geschrieben – eine SciFi-Story, die auf Bowies Song „Sound and Vision“ basiert. Zu der Ausstellung „Bowie is …“ bin ich extra nach London geflogen und habe sie mir an zwei Tagen zweimal angesehen. Als die Ausstellung dann 2014 nach Berlin kam, konnte ich sogar ein sehr besonderes Ausstellungsstück beisteuern, das dort dann in der Berlin-Sektion stand: ein blaues Samtsofa aus dem legendären Berliner Club „Dschungel“, in dem Bowie und Iggy Pop in den 70ern und 80ern häufiger zu Gast waren – so wie ich. Inzwischen steht das Möbelstück, auf dem er einst gesessen hat, wieder bei mir zu Hause. David Bowies völlig überraschender und viel zu früher Tod hat mich schwer getroffen. Ich habe sehr um diesen großartigen Künstler und Musiker getrauert. Zum Glück bleiben uns seine Musik und der große Einfluss, den er auf so viele Künstler hatte, noch immer hat und sicher auch zukünftig haben wird.

4. Du bist gelernte Journalistin und hast unter anderem als PR-Redakteurin TV-Shows einiger ganz großer Namen betreut (Hape Kerkeling, Thomas Gottschalk, Anke Engelke...). Das stelle ich mir spannend vor. Was hat dich während dieser Tätigkeit am meisten überrascht oder beeindruckt?

Schon als Journalistin habe ich viele nationale und internationale Schauspieler, Moderatoren und andere Künstler interviewt und dann elf Jahre lang die großen Shows bei Sat.1 als PR-Redakteurin betreut. Gerade zu Anfang war es sehr beeindruckend, mit diesen Stars aus Kino und Fernsehen so nah zusammenzuarbeiten, sie backstage und bei privaten Gelegenheiten zu erleben. Die Erfahrungen waren oft spannend, aber manchmal auch etwas enttäuschend. Erstaunlich ist die Erkenntnis: je größer der Star, desto entspannter und umgänglicher sind die meisten – zum Beispiel Madonna oder Thomas Gottschalk – sobald man an deren Managern vorbei ist ;-) Das sind halt Profis. Doch von all den Stars, die ich im Laufe der Jahre kennengelernt habe, hat sich nur mit einem eine echte, tiefe Freundschaft entwickelt – mit Hape Kerkeling. Er ist ein wunderbarer Mensch, der praktisch eins zu eins ist – vor und hinter der Kamera. In meinem Roman „Schorsch Clooney, die Landluft und ich“ habe ich viele der lustigen und schrägen Geschichten, die ich in elf Jahren hinter den Kulissen des Showbusiness erlebt habe, verarbeitet. Allerdings habe ich die Akteure so verfremdet, dass sie sich hoffentlich nicht wiedererkennen, denn nicht immer sind die Geschichten besonders schmeichelhaft … ;-)

5. Grandios find ich ja auch schon die Titel deiner Romane: „Zoe – Sind denn alle netten Männer schwul?!“ und „Schorsch Clooney, die Landluft und ich“. Einen griffigen Titel zu finden, der neugierig macht und gleichzeitig schon einen kleinen Einblick gibt, was man von dem Buch erwarten kann, finde ich unglaublich schwierig. Ich selbst tu mich da oft echt schwer. Fliegt dir als PR-Frau so etwas zu oder zernagst du auch erst einmal ein 10er Pack Bleistifte, bis dir etwas Gutes einfällt?

Noch schwieriger, als einen knackigen Titel für ein Buch zu finden, finde ich den Klappentext. Über 300 Seiten in wenigen Sätzen auf den Punkt zu bringen, und den Leser neugierig zu machen, ist nicht leicht. Der Titel zu meinem ersten Roman „Zoe – Sind denn alle netten Männer schwul?!“ stammt tatsächlich von mir und „Sonne, Meer und Wolkenbruch“ auch. Also scheine ich ein gewisses Talent für Titel, die zum Inhalt des Buches passen, zu haben. An beiden habe ich nicht sehr lange rumgedacht, sie waren einfach plötzlich da. Aber „Schorsch Clooney, die Landluft und ich“ hat sich eine Autorenkollegin einfallen lassen. Ich fand den Titel perfekt und sehr viel besser als meinen Arbeitstitel.

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Ich bin ein großer Fan des amerikanischen Autors Christopher Moore. Seine Fantasie, der schwarze Humor und die lockere Schreibe begeistern mich. Sein Buch „Die Bibel nach Biff“ hätte ich sehr gerne selbst geschrieben.

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Dass man während des Schreibens komplett in eine andere Welt eintauchen kann, in der die Figuren, die man sich ausgedacht hat, ein Eigenleben entwickeln und man ihnen als Autor dann folgt und sich selbst überraschen lassen kann, wie sie die Geschichte vorantreiben. Trotz eines Exposés, das ich unerlässlich finde, genieße ich die Freiheit, beim Schreiben immer mal einen unvorhergesehenen Schlenker zu machen und zu sehen, was sich daraus entwickelt. Das ist für mich jedes Mal ein großes Wunder und ich liebe es.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Aus einer ersten Idee eine Geschichte zu entwickeln, die einen Spannungsbogen und interessante, lebendige Figuren hat, die die Leser in ihren Bann ziehen. Wenn das Grundgerüst endlich steht, geht mir das eigentliche Schreiben recht gut und flott von der Hand, weil ich selbst viel Spaß dabei habe.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Ja, genau. (siehe Frage 7)

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Da man als Künstler mit seinem Werk immer versucht, sein Bestes zu geben und oftmals sehr Persönliches in meine Bücher einfließt, trifft mich eine negative Kritik natürlich schmerzlich. Am liebsten möchte ich dann sofort mit dem Kritiker direkt sprechen und erklären, warum er sich irrt ;-) Doch Bücher (genau wie Filme oder Gemälde) sind nun mal Geschmackssache – was der eine großartig und berührend findet, lässt den anderen völlig kalt. Im Vorfeld einer Veröffentlichung ist konstruktive Kritik unerlässlich und sehr hilfreich. Manchmal steckt man so in seiner Geschichte drin, dass man gar nicht merkt, dass für einen Außenstehenden vielleicht nicht alles so klar und logisch ist, wie es im eigenen Kopf beim Schreiben erscheint. Da bin ich dann sehr dankbar für Kritik, die mich weiterbringt. Man lernt ja ständig dazu.

Liebe bibo, ich danke dir sehr für deine Zeit und freue mich, dass du Lust hattest, dich meinen neugierigen Fragen zu stellen. Ich wünsche dir auch weiterhin viel Freude am Schreiben und Erfolg mit deinen Projekten. 

Vielen Dank für die wirklich interessanten Fragen, liebe Doro. Und jetzt brauche ich unbedingt zwei Spiegeleier mit Bacon und Baked Beans! ;-)

Das klingt gut. 

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