Sonntag, 8. Januar 2017

Sonntagsbrunch mit der Autorin Theresia Graw


Mit Theresia Graw wird es beim Sonntagsbrunch heute wieder romantisch. Die Münchner Autorin ist ebenfalls Mitglied bei DeLiA, der Vereinigung deutscher Liebesromanautorinnen und –autoren, hat in den 90er-Jahren einige Kinderbücher und seit 2014 insgesamt drei Romane bei Blanvalet veröffentlicht. Seit 1997 ist sie außerdem als Redakteurin und Moderatorin beim Bayerischen Rundfunk tätig. Da ich mich beim Schreiben des Fragebogens vertan habe, kommt ihr heute sogar in den Genuss von 11 Fragen statt der üblichen 10. :-)

(c) Silke von Waldhoff

Liebe Theresia, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee?  

- morgens Kaffee, tagsüber (Früchte-)Tee

Milch, Zucker, schwarz?
- Milch

Herzhaft oder süß?
- Süß

Warm oder kalt?
- warm

1. Geboren bist du in Oberhausen, nach dem Studium (zunächst in Bonn, dann in München) hat es dich allerdings nach Bayern verschlagen. Was bringt eine Westfälin nach Bayern?
 

Strenggenommen bin ich ja Rheinländerin, weil Oberhausen offiziell zum Rheinland gehört. ;-) (Auch wenn der Rhein von meinem Elternhaus neun Kilometer entfernt liegt.) Die Stadt München gefiel mir einfach so gut, als ich nach einem Skiurlaub in Österreich mal einen Abstecher dorthin machte. Während meines Studiums in Bonn dachte ich dann, weshalb nicht mal ein paar Jahre im schönen Süden wohnen? ... Der Wechsel meines Studienorts hat geklappt, und ich habe mich hier sofort wohlgefühlt. Tja, aus ein paar Jahren sind dann ein paar Jahrzehnte geworden und es kommen hoffentlich noch einige weitere Jahrzehnte dazu!

2. Was magst du an deiner Wahlheimat München und worüber schüttelst du vielleicht manchmal auch den Kopf?

- Das Leben spielt sich draußen ab, in den Biergärten und Straßencafés, im Englischen Garten, an der Isar... Sobald die Sonne rauskommt und die Temperaturen nicht allzu arktisch sind (und manchmal selbst dann!) sitzen die Leute draußen. Das mag ich sehr! Und natürlich die bekannten Vorzüge: Dass es wunderschöne Seen in der Nähe gibt, die Berge, Italien... Wenn nur nicht immer alle Leute gleichzeitig unterwegs dorthin wären!!
Was ich nicht mag: München ist furchtbar teuer. Vor allem fürs Wohnen muss man unglaublich viel Geld ausgeben. Nur vom Schreiben zu leben – das ist für die meisten Autoren hier leider nicht möglich. Vor allem, wenn sie auch noch eine Familie haben. Schade!

3. In deinem aktuellen Roman „Wenn das Leben Loopings dreht“ geht es um eine Frau, die zufällig fremde Liebesbriefe liest und von dieser Liebesgeschichte derart in Bann geschlagen wird, dass ihr eigenes Leben vollkommen auf den Kopf gestellt wird. Wann hast du selbst deinen letzten Liebesbrief geschrieben und was macht für dich einen guten Liebesbrief aus?

- Emails, SMS und kleine Post-It-Zettelchen mit Herzchen drauf gelten vermutlich nicht als Liebesbrief – oder? Dann – muss ich gestehen - habe ich wohl schon länger keinen mehr geschrieben... Insofern waren die Zeiten, in denen es noch keine Handys gab, erheblich romantischer. Ich erinnere mich noch gut daran: Jeden Tag einen langen Brief an den Liebsten in der Ferne zu schreiben, und jeden Tag sehnsüchtig auf den Postboten zu warten, auf dass er einen neuen Brief von IHM bringen möge... Zauberhaft! Damals war Kommunikation etwas sehr Kostbares! Die Erinnerung daran hat mich sicherlich auch zu meinem Roman „Wenn das Leben Loopings dreht“ inspiriert. Das Wichtigste an einem guten Liebesbrief: Leidenschaft, Ehrlichkeit – aber bitte gelegentlich auch gern eine Prise Humor!!

4. Dein Roman „Glück ist nichts für schwache Nerven“ dreht sich, wie der Titel bereits erahnen lässt, um die Suche nach dem Glück. Deine Protagonistin hat eine dicke Pechsträhne hinter sich und bekommt nun einen Hinweis auf ihren unbekannten Vater. Kurzerhand entschließt sie sich, ihm inkognito auf den Zahn zu fühlen und macht sich auf eine turbulente Suche nach ihrem persönlichen Glück. Was bedeutet Glück für dich?

- Ich habe das große Glück in einem – trotz allem – sicheren und gut funktionierenden Land zu wohnen, mit den liebsten Menschen an meiner Seite und einem Beruf (bzw. zwei Berufen), den ich sehr mag. Das ist ein großes Glück und auf dieser Welt beileibe keine Selbstverständlichkeit. Aber beim Thema Glück ist auch noch etwas Anderes wichtig. Ich glaube Pearl S. Buck hat das gesagt: „Die meisten Menschen versäumen das kleine Glück, weil sie auf das große vergeblich warten.“ So sehe ich das auch. Ich versuche, mir die kleinsten alltäglichen Freuden bewusst zu machen. An jedem Tag gibt es solche kleinen Glücksmomente, man muss sie nur wahrnehmen: Wenn einem an einem verregneten Montagmorgen jemand an der Bushaltestelle freundlich „Guten Morgen“ sagt. Wenn die Nachbarin mein Paket annimmt, während ich nicht zuhause bin. Wenn man aus dem Haus tritt und genau in dem Moment hört es auf zu regnen... Freuen wir uns an dem, was wir Gutes erfahren, auch wenn es vielleicht nur ganz kleine Häppchen sind. In der Summe ist das dann schon eine ganz schön große Portion Glück!

5. In „Das Liebesleben der Suppenschildkröte“ geht es um die Chancen in der Liebe jenseits der 40. Zyniker behaupten ja gern, es sei für Frauen Ü40 leichter, von einem Blitz getroffen zu werden. Deine Protagonistin verschweigt dem Objekt der Begierde kurzerhand ihre zwei Kinder. Wie schätzt du selbst die Chancen ein, als Frau im besten Alter noch einmal die große Liebe zu finden?

- Man kann sich in jedem Alter verlieben. Und wie! Ich erzähle in diesem Zusammenhang immer gern, was meiner Lieblingstante passiert ist. Sie war jahrelang Witwe, bis sie mit über 70 die Liebe ihres Lebens kennenlernte! Seit etlichen Jahren sind sie und ihr neuer Partner nun zusammen glücklich und das beste Beispiel dafür, dass Liebe nichts mit dem Alter zu tun hat. Man muss nur mit offenen Sinnen durch die Welt gehen!

6. In deiner Kurzvita heißt es, dass du gern „Happy End“-Geschichten schreibst, weil du als Nachrichtenredakteurin bereits genug mit dem Ernst des Lebens zu tun hast. Das gilt vermutlich umso mehr in der letzten Zeit. Kannst du dir vorstellen, auch einmal etwas Politisches zu schreiben oder bleibst du beim Happy End als Gegengewicht zu chaotischen Zeiten?

- In der Tat ist es so, dass ich mich in meinem Hauptberuf als Journalistin den ganzen Tag fast ausschließlich mit schlechten Nachrichten befassen muss. Und das vorige Jahr war, wie wir alle wissen, in dieser Hinsicht eine echte Herausforderung, beruflich und seelisch. Ich bin eigentlich ein fröhlicher und optimistischer Mensch, aber der Horror von 2016 hat mich wirklich an die Grenzen dessen gebracht, was ich ertragen konnte. Insofern bin ich froh, dass ich zuhause ab und zu auch mal „den Schalter umlegen“ und etwas schreiben kann, bei dem die Sache ein glückliches Ende nimmt. Deshalb bleibe ich vorerst bei meinen Gute-Laune-Büchern. Aber man weiß ja nie, was mir in den nächsten Jahren noch alles einfällt.

7. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

- Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Ich freue mich einfach, wenn ich ein schönes Buch gelesen habe, und bin froh, dass sich jemand so eine schöne Geschichte ausgedacht hat.

8. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Das hat ein bisschen mit meiner Antwort auf Frage 6 zu tun: Mit meinen Romanen kann ich mir eine eigene Welt erschaffen und dafür sorgen, dass meine Figuren trotz aller Probleme, mit denen sie zu kämpfen haben, am Ende glücklich werden, - und damit hoffentlich auch meine Leser. Überhaupt ist dieser Prozess faszinierend: Zuerst ist es nichts als eine kleine Idee, die nur ich kenne, die sich im Laufe der Monate zu einem langen Roman entwickelt und schließlich als Buch in den Läden liegt. Viele fremde Menschen lesen dann meine Geschichte, tauchen ab in die Handlung, fiebern mit meinen Figuren mit, denken darüber nach, verfassen vielleicht eine Rezension oder schreiben mir, wie ihnen das Buch gefallen hat. Zu erleben, wie meine eigenen Gedanken auf Reisen gehen und anderen Menschen Freude machen, das ist ein wunderbares Gefühl.

9. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

- Zeit dafür zu finden! Da ich als Journalistin im Schichtdienst arbeite, kann ich mir leider nicht jeden Tag eine bestimmte Zeit fürs Romanschreiben freihalten. Es gibt auch Phasen, in denen ich wochenlang nicht dazu komme. Das bringt mich manchmal arg aus dem Schreibfluss. - Manchmal, wenn es im Text gerade besonders gut läuft, möchte ich am liebsten tagelang durchschreiben und nichts Anderes mehr machen. Es muss großartig sein, für Wochen oder Monate in seinem Manuskript abzutauchen und keine anderen Verpflichtungen zu haben. Andererseits: Das Schreiben ist schon ein recht einsames Geschäft. Da tut es mir auch gut, mich zwischendurch mal wieder mit der Realität und meinen Mitmenschen auseinanderzusetzen!

10. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

 
- Das ist mir bis jetzt noch bei jedem Buch passiert! Ich schreibe immer ein umfassendes Exposé, bevor ich das eigentliche Manuskript verfasse, aber noch nie habe ich das zu 100 Prozent umgesetzt. Das ist ja das Spannende beim Verfassen eines Romans, dass sich während des Schreibprozesses so viel verändert, noch so viel Neues dazukommt. Ich staune jedes Mal. In „Wenn das Leben Loopings dreht“ – Achtung Spoiler! – hatte ich ursprünglich geplant, dass meine Heldin Franzi einen Saugroboter zum Geburtstag geschenkt bekommt. So wie sich meine Geschichte entwickelte, wurde mir dann aber schnell klar, dass es ein automatischer Rasenmäher sein musste. Und er ist es dann auch geworden. - Dass beides ein ziemlich dämliches Geburtstagsgeschenk ist, brauche ich hier ja eigentlich nicht extra zu erwähnen... ;-)

11. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

 
- Wenn man einen Roman veröffentlicht, muss man damit leben, dass er nicht allen Menschen gleich gut gefällt. Natürlich macht es mehr Spaß, eine positive Rezension zu lesen als eine kritische. Aber es gehört eben beides dazu. Und Kritik kann ja auch durchaus konstruktiv sein und mir Anregungen geben für mein nächstes Buch.

Liebe Theresia, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Brunch-Interview genommen und dich meinen neugierigen Fragen gestellt hast. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deinen Büchern

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