Freitag, 28. April 2017

Auf der Soapbox: Isaak Rosenblatt mit "Isarsilber"


Meine Rubrik "Soapbox" soll Indie-Autoren, Self-Publishern und Ebook-only Autoren eine Plattform bieten, sich den Lesern zu präsentieren. Die Idee dazu habe ich mir von der Tradition der "Soapbox Speeches" geliehen. Man steigt einfach auf eine Kiste und hält eine Rede über das, was einem am Herzen liegt. Hier klettern die Autoren selbst auf die Kiste und stellen ihr Buch in ihren eigenen Worten vor. Ich mische mich nicht ein. In etwa 500 Wörtern dürfen sie euch Lesern hier ihr Werk vorstellen und schmackhaft machen. Wer sein Buch hier vorstellen möchte, kann mich gerne kontaktieren.

Heute erklimmt die Soapbox der Autor Isaak Rosenblatt und stellt uns sein Buch "Isarsilber" vor:


Isaak Rosenblatt: Isarsilber

ÜBER DAS BUCH

Am Ufer eines bayrischen Sees wird ein Toter gefunden: hinterrücks erschlagen. In Berlin wird ein Bauunternehmer vermisst. Am Ufer des bayrischen Sees steht ein Designmuseum, das nachts eine Zweitexistenz als Edelbordell führt. In Berlin entsteht ein neues Opernhaus: Leuchtturm der Kultur und jüngstes Wahrzeichen der Stadt.
Dass der Prunkbau an mangelnder Finanzierung zu scheitern droht, kennt man; dass dann aber doch gebaut wird, weil in jenem heimlichen Etablissement die männliche Prominenz der Republik gern verkehrt – diesen Zusammenhang kennt man nicht. Und welche Rolle spielt dieser flatterhafte Amerikaner, der dem Bauherrn und Chef von Berlin einen Gefallen schuldet?
Und überhaupt, das Isarsilber – was mag das sein? Objekt der Begierde, wie einst, in mythischer Vorzeit, das Gold aus dem Rhein?

Titel: Isarsilber ( ….und nicht etwa Rheingold)
Genre: Kriminalsatire
Umfang: ca. 300 Normseiten
ISBN:  978-3-7393-7758-2 Tolino e book
Zielgruppe: politisch und gesellschaftlich interessierte Erwachsene

Weitere Leseproben findet ihr hier!

Erwerben könnt ihr das Buch unter anderem HIER

LESEPROBE

Wir wollen keine ungerechte Sprache anwenden. Wir erkennen die Notwendigkeit der Geschlechtergerechtigkeit bis ins sprachliche Detail hinein ohne Einschränkung an. Und was heißt Geschlechter-, wir setzen uns für jede Gerechtigkeit ein, so wie wir uns auch für die Wahrheit einsetzen und Ihnen, nachdem Sie sich freundlicher- und dankenswerterweise entschlossen haben, unsere Aufzeichnungen zu lesen, nichts vorenthalten (dazu später mehr). Wir lehnen es ab, „Neger“ zu sagen (auch wenn wir es aus kindischem Trotz dann doch manchmal tun), und ebenso lehnen wir es ab, den Mann sprachlich etwa höher zu setzen als die Frau, wie es der Mensch jahrhundertelang getan hat, und umgekehrt: Auch die Frau gehört nicht über den Mann. Ist klar. Aber alle Lösungen, die in der letzten Zeit gefunden wurden, die „LeserInnen“, die „Leserinnenundleser“, die „Leser und ‑innen“ und so weiter – die sind doch recht unhandlich. Und, geben wir’s zu, nicht wirklich schön. Und während sie zwar die erwünschte genderspezifische Satisfaktion gewähren, bringen sie doch auch immer etwas Pedantisches in einen Satz – der lesende Mensch möchte wissen, wie die Geschichte weitergeht, oder er denkt über die psychische Beschaffenheit der gerade im Vordergrund stehenden Person nach, schüttelt den Kopf und fragt sich, wie man nur so pervers sein kann oder so gierig oder so skurril … Wie auch immer: Er, der lesende Mensch, ist eigentlich mit anderem beschäftigt, und wenn dann ein Ungetüm wie beispielsweise „Multiplikatorinnen und ‑toren“ daherkommt, stolpert er und denkt sich womöglich: Was für ein Korinthenkacker, dieser Rosenblatt, muss er tatsächlich jedem Zeitgeist hinterherrennen? Gut möglich. Aber das muss nicht sein! Die deutsche Sprache besitzt doch noch ein drittes, neutrales Geschlecht! Das, außer bei bestimmten als geschlechtsneutral empfundenen Jugendversionen des Menschen, wie „Baby“, „Kind“, „Mädchen“, bisher nicht für Personen verwendet wurde. Wir tun das jetzt, erst mal nur versuchshalber; wir führen eine dritte, geschlechtsneutrale und darum wahrlich gerechte Version ein, die sich auf den Wortstamm beschränkt, wir sagen: „das Les“. Und meinen damit alle weiblichen und männlichen Personen, die dankenswerterweise unseren Ausführungen folgen. Wir bleiben auch beim Singular – es liest ja doch meist ein jedes für sich und ist allein, während es liest! – und sprechen Sie, liebe Leserinnen und Leser, fortan als „liebes Les“ an.
 Sie sehen dann ja, ob Sie damit zurechtkommen.
Wenn ja, können Sie diese Lösung (die wir, nebenbei bemerkt, genial finden: handlich, praktisch, unaufdringlich und vor allem eines: gerecht!) auf alle anderen Begriffe anwenden, die eine Geschlechterunterscheidung erfordern, auf Berufsbezeichnungen zum Beispiel; wir geben sie frei. Und wir bestehen nicht darauf, dass Sie den Urheber nennen: Niemals werden wir Sie als Plagi verfolgen! (Anfangs ist die neue geschlechtergerechte Lösung vielleicht noch ein bisschen gewöhnungsbedürftig, aber das wird sich rasch geben: Das Plagi zum Beispiel meint die Plagiatorin und den Plagiator. Eigentlich ganz klar, oder?) Wenn Sie mithelfen, unsere Lösung zu verbreiten, praktisch Multiplik zu werden, ist uns das Lohn genug!
Ein Wort noch zur Bildung des neuen Begriffs: Der Wortstamm genügt. Bei den meisten Begriffen geht das ganz gut – das Lehr, das Bäck, das Stud, das Pfarr, das Putz, das Schriftstell, das Polit, das Ingeni (Letzteres besonders schön, weil das in dem Beruf ursprünglich angelegte, aber in Vergessenheit geratene „Genie“ wieder mehr in den Vordergrund rückt) (leider, hören wir, wird das Ingeni aussterben und durch das Bachel, sprich Bätschel, ersetzt werden!). Und so weiter. Natürlich wird hier und dort ein kurzes Zögern eintreten – was zum Beispiel machen wir mit dem Müllmann? (Gibt es eine Müllfrau?) In solchen Fällen können wir aus einem Pluralbegriff einen singularen Neologismus bilden: das Leut. Das Müllleut. Oder, wenn Ihnen das nicht gefällt: das Abfallentsorg. – Sie sehen, liebes Les, es ist ganz einfach. Nutzen Sie die wunderbaren Wortschöpfungsmöglichkeiten, entlassen Sie Ihre Fantasie aus dem Korsett der politischen Korrektheit! Sie sehen ja, dass Sie darum keineswegs ungerecht, diskriminierend oder sonstwie unangenehm werden und sich infolgedessen zur Zielscheibe verdienter Kritik machen müssen!  


ÜBER DEN AUTOR




Isaak Rosenblatt wurde 1957 in Tel Aviv geboren und kam als Zweijähriger mit seinen Eltern nach München. Sein Studium der Philosophie und der Komparatistik schloss er mit einer Dissertation über „Nordische und griechische Mythologie im Vergleich“ ab. Nach erfolgreicher Tätigkeit in der britischen Automobilindustrie betreibt er heute in Starnberg eine Personal- und Managementberatung. In seiner Freizeit restauriert er klassische Automobile; seit einigen Jahren schreibt er Romane und lehrt nebenbei als Gastprofessor an der Theologischen Universität Graz.

HIER könnt ihr mehr über Isaak erfahren.


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