Sonntag, 16. April 2017

Sonntagsbrunch mit dem Autor Axel Hollmann

Heute darf ich einen Kollegen vorstellen, den ich bereits in der realen Welt auf der Messe in Frankfurt, bei Facebook und bei einer Lesung in der virtuellen Welt Second Life treffen durfte und der außerdem für Midnight by Ullstein, das "Schwester-Imprint" von Forever by Ullstein, schreibt. Axel Hollmann schreibt aber nicht nur Thriller und Krimis. Gemeinsam mit Freund und Schreibkollegen Marcus Johanus betreibt er den YouTube Channel "Die Schreibdilettanten" mit Tipps und Tricks und Geschichten aus dem Nähkästchen von Autoren für Autoren.

Lieber Axel, für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:

Kaffee oder Tee?
Milch, Zucker, schwarz?
Herzhaft oder süß?
Warm oder kalt?


Gute Frage, dass hängt ein wenig von der Tageszeit ab. Morgens gibt es bei mir einen Hagebuttentee zum Schreiben. Später einen Latte Macchiato (beides ohne Zucker, der Latte Macchiato mit Milch, ist ja klar ;-)) Da es jetzt früher Nachmittag ist, bevorzuge ich einen Schwarzen Tee. Heiß und bitter.

1. Du sagst von dir selbst, du warst früher ein typischer Nerd, nur dass es den Begriff damals noch nicht gab. Sci-Fi und Fantasy-Romane, Dungeons & Dragons und immer die Nase in einem Buch. Was war bzw. ist für dich das Faszinierende gerade an Fantasy und Sci-Fi?

Ich glaube es war mein geschichtliches Interesse, dass mich an ja meist mittelalterlich angehauchten Fantasy-Welten interessiert hat. Wahrscheinlich bin ich deshalb auch ein großer Fan von „Game of Thrones“ (By the way: „Martin, wann erscheint endlich der nächste Band?“) Was die SF-Literatur für mich besonders macht: Die Antworten auf die Frage „Was wird sein?“. Die SF war da schon immer weiter als die Technik. Dennoch, viele Dinge, die es zunächst nur im SF-Roman gab, sind inzwischen in unseren Alltag eingekehrt.

2. Du hast dich dem Thriller-Genre zugewandt, weil dich Thomas Harris mit seinem (mittlerweile) Klassiker Das Schweigen der Lämmer quasi angefixt hat. Was macht Thriller so populär? Schlummert in jedem von uns irgendwo ein kleiner Hannibal Lecter?

Das Schweigen der Lämmer ist meines Wissens nach der Urvater der Serienkiller-Romane, einer Gattung, die sich noch immer in jedem Buchladen breit macht. Um ehrlich zu sein, kann ich der „Faszination des Bösen“ nichts abgewinnen. Dementsprechend ist es auch nicht Hannibal Lecter, der mich an dem Roman interessiert, auch wenn er vielleicht vordergründig die interessanteste Figur der Geschichte ist. Mein Interesse gilt Agent Sterling, die so ganz anders als die klassischen Krimi-Ermittler ist. Nicht tough und abgebrüht, sondern eine junge Frau, die sich als unerfahrene FBI-Agentin in einer Männerwelt behaupten muss.

3. Könntest du dir auch vorstellen, etwas vollkommen Anderes zu schreiben - einen Liebesroman oder ein Fantasy-Epos?

Auf jeden Fall! An einem SF-Roman werde ich mich bestimmt einmal versuchen, vielleicht auch an einer Fantasy-Story (tatsächlich war mein erster Roman, der ich beendet habe, ein Mittelalter-Horror-Fantasy-Crossover). Und ja, auch mit der Idee, einen Liebesroman zu schreiben, habe ich schon gespielt. Auch wenn ich nicht weiß, wie Leserinnen auf einen männlichen Liebesromanautor reagieren.

4. Euer Vlog "Die Schreibdilettanten" erscheint wöchentlich. Gehen euch da nie die Ideen aus?

Manchmal schon. Aber zum Glück haben wir ja noch unsere Hörer und Zuschauer, die uns regelmäßig mit neuen Ideen versorgen. Und wir haben festgestellt, dass es auch interessant ist, alte Folgen noch einmal aufzugreifen. Immerhin gibt es uns jetzt 5 Jahre und in dieser Zeit haben Marcus und ich uns natürlich auch als Autoren weiterentwickelt, bzw. neue Einsichten gewonnen.

5. Auf was dürfen sich deine Leserinnen und Leser als nächstes aus deiner Feder freuen?

Ich habe ein abgeschlossenes Projekt, das aber noch nicht veröffentlich ist. Zur Abwechslung dieses Mal keine Story, die in meiner Heimatstadt Berlin spielt, sondern eine Geschichte, die den Leser über drei Kontinente jagt. Und im Moment sitze ich an der Fortsetzung eines älteren Romanprojekts.

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?
1984. George Orwell. Eines meiner absoluten Lieblingsbücher.

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Ich denke, es ist die Freiheit, die man als Autor hat. Ich kann mir ausdenken, was ich will. Ideen verfolgen, die ich für interessant halte.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?
Mich zu motivieren, wenn es den Anschein hat, als würde ich beim Schreiben auf der Stelle treten.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?
Da ich Outliner bin und wirklich sehr, sehr intensiv plane: Nein.

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Kritik trifft mich ungemein. Selbst wenn mein Freund und Writing-Buddy Marcus etwas an einem neuen Manuskript auszusetzen hat, bin ich fix und fertig. Und wenn es dann mal eine miese Rezi bei Amazon gibt: Autsch! Allerdings, inzwischen ist mir klar geworden, dass Geschmäcker einfach verschieden sind. Du kennst das doch bestimmt auch: Da ist dieses neue Buch, dass von allen Kritikern hoch gelobt wurde und sich wie geschnitten Brot verkauft, alle sagen, es wäre super – nur du fragst dich: Was soll das? Ich habe fünf Seiten gelesen und würde es am liebsten in die Mülltonne werfen. Macht man sich das als Autor klar, dann kommt man auch mit Kritik klar. Na ja, irgendwie halt.


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