Montag, 5. Juni 2017

Offtopic: Sechs Wochen ohne Zucker - kleine Zwischenbilanz


Im April wurde bei mir eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse diagnostiziert (Hashimoto Thyreoiditis). Sie ist einer der Gründe, warum ich es einfach nicht schaffe, von meinem Gewicht herunterzukommen und auch immer so schnell wieder zulege, wenn ich es mal schaffe, ein bisschen zu reduzieren. Und weil das ja nicht reicht, habe ich zusätzlich noch seit bestimmt 20 Jahren PCOS (polyzystisches Ovarialsyndrom), das häufig - und eben auch bei mir - mit einer Insulinresistenz einhergeht. Mit den Einzelheiten und Details möchte ich euch da gar nicht langweilen, ich fasse es ganz kurz zusammen.
Ein hormonelles Ungleichgewicht führt dazu, dass zum einen der Zyklus gestört ist (viele finden es schwer, mit PCO schwanger zu werden, ich hatte Glück) und zum anderen führt die Insulinresistenz dazu, dass man schnell Gewicht zulegt und es nur schwer wieder loswird. Kurzum, da wollte das Universum ganz sicher gehen, dass ich auch ja dick werde. *grins*


Beide Erkrankungen sollen durch eine Low Carb-Ernährung oder ketogene Ernährung positiv beeinflusst werden können. Diese Ernährung soll beim Gewichtsverlust helfen und die Entzündungswerte im Körper senken. Deshalb habe ich Ende April damit begonnen. Seit sechs Wochen lebe ich vollständig zuckerfrei, seit fünf Wochen dauerhaft in (nahrungsbedingter) Ketose. Was das nun wieder ist? 
Vereinfacht erklärt, der Körper braucht Glucose und legt sich davon Speicher an. Wenn wir aktiv sind, bedient sich der Körper sowohl daraus als auch aus der Glucose, die über Nahrung zugeführt wird. Wenn man nun den Nachschub abkappt, fängt der Körper zunächst an, seine Speicher zu leeren. Dabei verliert er Wasser (das macht gerne mal so 3-4 Kilo Gewichtsverlust aus und das kennen wir von den Hauruck-Diäten - erst mal also nur Wasser, kein Fett, was man verliert). Kommt dann immer noch nichts nach, muss der Körper sich was anderes überlegen. Er bildet in der Leber Ketone als Brennstoff und dafür - so die Theorie - bedient er sich der körpereigenen Fettreserven. Man versucht also, den Körper dazu zu bringen, dass er mal endlich das verbraucht, was er sich für schlechte Zeiten angelegt hat. Dabei nimmt man extrem wenig Kohlenhydrate zu sich, viel Fett und etwa ein Fünftel der Kalorien aus Eiweiß.

Meine erste Zwischenbilanz nach sechs Wochen ohne Zucker sieht so aus: Erst einmal ist es schwer, denn überall "lauert" das Süße, vor allem, wenn man zwei kleine Kinder hat. Am heißesten Tag des Jahres bisher hätte ich liebend gerne mit ein Eis geschleckt, aber ich war eisern. Dabei steckt Zucker auch in vielen industriell verarbeiteten Lebensmitteln, in denen man ihn so erst einmal gar nicht vermuten würde. Das macht es schwer. Man ist gezwungen, viel mehr frisch zuzubereiten. Man sollte möglichst viele Lebensmittel verwenden, die auch unsere Urgroßeltern noch direkt als solche erkannt hätten. Das braucht Zeit und ist auch teurer als Nudeln mit Tomatensauce. 


Mit der Zeit finde ich aber zeitsparende Routinen. Zum Beispiel mache ich gerne Salat und schnippel da auch ein gekochtes Ei mit rein. Da kann man den ganzen Salat aufschneiden, waschen, trockenschleudern und den Rest geschnitten in einer Dose im Kühlschrank aufbewahren. Auch Eier kann man dann schon mehrere kochen und sie hartgekocht aufbewahren. 
Bevor ich meinen Mann kennenlernte, habe ich sieben Jahre vegetarisch gelebt (ovo-lacto). Noch immer bin ich kein Fan von großen Fleischbergen und mag auch Eier nur sehr bedingt. Rührei find ich tendenziell eher eklig. Das macht Frühstücken echt schwierig. Am liebsten habe ich früher Müsli gefrühstückt. Geht ja nun nicht.
Jetzt gibt es Porridge aus Hanf- und Chiasamen oder Overnight Hemp. Ein bisschen flüssige Sahne drüber, Mandeln und Zimt... eine meiner zwei erlaubten Obstportionen... 

Geht alles. 

Mit dem Gewicht ist es recht frustrierend. Ich habe anfangs relativ zügig abgenommen, dann ging es aber wieder rauf. *heul* Die Tendenz ist jetzt seit letzter Woche aber wieder fallend und es keimt leise Hoffnung bei mir auf. Unterm Strich sind es jetzt 5 Kilo, die weg sind. Da ich davon reichlich habe, sieht man es meiner Meinung nach noch nicht so unbedingt. Aber die Jeans passen wieder besser.
Was mir extrem aufgefallen ist, ist die Haut. Ich hatte in letzter Zeit viel Last mit Hautunreinheiten und -irritationen. Auf dem Handrücken hatte ich eine Stelle extrem trockene Haut, die ständig juckte und rot wurde. Da ich Neurodermitis habe (ja, ich habe wirklich laut HIER geschrien, als der Nervkram verteilt wurde :-D), hat mich das nicht weiter gewundert. 


In der ersten Zeit ohne Zucker wurde es erst einmal schlimmer und ich hatte das Gefühl, jetzt kommt nochmal alles raus. Jetzt heilt die Haut ab, die Hautunreinheiten werden weniger, Rötungen, entzündete Stellen... und eben auch diese juckende, trockene Stelle auf der Hand. Alles heilt ab und verschwindet. Könnte natürlich auch an mehr Sonne und frischer Luft liegen, aber ich habe schon in vielen Erfahrungsberichten gelesen, dass Leute diese Erfahrung gemacht haben, wenn sie Zucker weggelassen haben. 

Meine Geschmacksnerven sind jetzt schon sensibler, was Süße angeht. In vielen LCHF (low carb, high fat)-Rezepten wird Süßstoff zugegeben, den ich eigentlich fast immer weglasse. Ich habe ganz wenig künstliche Süße verwendet. Wenn es hochkommt mal ein Teelöffelchen Xucker (Xylitol) oder ein Tröpfchen Stevia (wobei ich da den Nachgeschmack nicht so dolle finde). Das meiste schmeckt auch so süß genug. Meine Kinder hatten neulich Kirschen und ich habe auch zwei probiert (Schwarzkirschen). Die waren mir schon fast zu süß. 


Ich bin also soweit zufrieden und jetzt auch wieder etwas hoffnungsvoller. Wenn es jetzt nicht wieder nach oben springt, sondern langsam und stetig gewichtsmäßig nach unten geht, wäre das ein Traum! Ich versuche es schon so lange mit allem möglichen Kram und es ging tendenziell immer weiter rauf. Und jetzt zeigt sich ein leiser Hoffnungsschimmer, dass ich endlich mal ein "Anpackende" habe. Die Kombination Aktivität, ketogene Ernährung und Schilddrüsenhormone hat jedenfalls die Aufwärtsspirale beim Gewicht zumindest mal vorerst gestoppt, was schon mal ein Teilerfolg wäre. Wenn es jetzt tatsächlich noch abwärts ginge... ich wäre überglücklich!

Lasst euch sagen: Dicke sind nämlich keine disziplinlosen Lappen, die sich nicht zusammenreißen können, wie viele so gerne glauben. Es ist nur einfach um ein vielfaches schwerer, Gewicht abzunehmen oder sein Gewicht zu halten und man muss wesentlich disziplinierter sein als Menschen mit einem "normalen" Stoffwechsel und guten Genen. Die können sich auch mal einen Ausrutscher-Tag leisten, der ohne gravierende Folgen bleibt, wenn sie sich am nächsten Tag wieder zusammenreißen. Bei mir ruiniert ein Ausrutscher-Tag auch gerne mal die Früchte von zwei Wochen eiserner Disziplin und man kann wieder von vorne anfangen. 



Meine Hoffnung: dass sich der Stoffwechsel auf die Dauer auch wieder etwas normalisiert, je länger ich diese Ernährung durchhalte und ich dann bald auch mal "Cheat Days" einbauen kann, also Tage, in denen ich auf das Programm pfeifen darf und alles essen, wonach mir gerade der Sinn steht (natürlich in Maßen, bevor jetzt jemand "Siehste?!" oder "Jo-Jo-Effekt!" oder sowas brüllt). Dann kann ich das Ganze hier glaube ich auch dauerhaft durchhalten. 
Drückt mir bitte die Daumen. Ich wünsche mir so sehr, dass es endlich mal bergab geht - mit dem Gewicht. Mit der Gesundheit natürlich bergauf. :-)

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