Sonntag, 25. Juni 2017

Sonntagsbrunch mit der Autorin A.C. Scharp





Heute habe ich wieder einen Gast beim Sonntagsbrunch. Dieses Mal eine Autorin, die sich sehr geheimnisvoll hinter einem geschlossenen Pseudonym verbirgt, was ja per se schon einmal meine Neugier weckt. Ich freue mich und bin gespannt darauf, was A.C. Scharp uns über ihr Leben, ihre Bücher und den Rest verraten mag. 



Liebe A.C. , für alle Autoren gibt es zunächst die obligatorischen Brunch-Fragen:


Kaffee oder Tee? 

Milch, Zucker, schwarz?

Herzhaft oder süß?

Warm oder kalt? 

Kaffee mit zwei Süßstoff. Viele finden das bestimmt Igitt. Aber das mache ich schon seit 30 Jahren so.

Wenn ich mal die Zeit habe zu frühstücken, dann auf jeden Fall herzhaft. Brötchen mit Frischkäse, Ei und Curryketchup ist mein Favorit.

Na wunderbar, wahrscheinlich halten mich die Leser jetzt schon für pervers. :-)


1. An dieser Stelle stelle ich für gewöhnlich eine Frage zu etwas, das ich in der Autorenvita gelesen habe. Du hältst dich sehr bedeckt und gibst nichts Persönliches preis. Warum hast du dich dazu entschieden?

Obwohl ich humorvoll schreibe und auch im wirklichen Leben gerne lache, bin ich dennoch ein ziemlich introvertierter Mensch. Ich möchte in meinem Wohnort keine Aufmerksamkeit erregen.

Ich möchte keine Gefälligkeitsrezensionen und natürlich auch keine von Leuten, die mich nicht mögen. Davon hast du im Leben immer welche, vor allen Dingen, wenn du schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hast, wie ich.

Außerdem möchte ich das schreiben, was mir durch den Kopf geht, ohne mir Gedanken darüber machen zu müssen, ob ich jemandem damit auf die Füße trete, den ich vielleicht nur vom Sehen kenne.

A.C. steht übrigens für Ann Cathrin.

2. Von deinen Büchern sagst du, es seien unbefangene, respektlose Bücher für optimistische Nihilisten. Was genau muss ich mir darunter vorstellen?

Achtung, jetzt wird es philosophisch. Ich wollte mit dieser Aussage die Ambivalenz des Seins ausdrücken. Noch Fragen? ;-)

Nein, im Ernst. Die Aussage widerspricht sich. Das habe ich natürlich bewusst so formuliert. Der Nihilist hält alles für sinnlos und lehnt daher Werte und Ziele ab. Wie kann er dann optimistisch sein? Was nützt ihm das?

Ich habe die Hoffnung, dass sich die Menschen in einer mittlerweile ethisch beunruhigend verdorbenen Welt trotzdem ihren Optimismus bewahren. Und natürlich meine Bücher lesen.

3. In deinem ersten Roman ging es um Bürger eines kleinen Ortes, die gegen eine Biogasanlage protestieren. Leider sind sie viel zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. Nimmst du damit ein wenig die vielzitierten "Wutbürger" aufs Korn?

Es ist heutzutage alles so ernst geworden, man kann kein Straßenschild mehr versetzen ohne, dass sich sofort eine Bürgerinitiative bildet. Die Leute haben anscheinend immer noch viel Zeit, sich mit Kinkerlitzchen zu beschäftigen.

Wahrscheinlich ginge vieles leichter über die Bühne, wenn die Leute sich nicht so wichtig nehmen würden. Das merkt man speziell bei solchen Gruppen. Früher oder später kommt immer der Zeitpunkt, an dem die Charaktere kollidieren, obwohl sie eigentlich ein gemeinsames Ziel haben.

4. Dein zweites Buch ist im Mai dieses Jahres erschienen und heißt "Das forensische Gemetzel". Ist da der Name Programm? Magst du ein bisschen was dazu erzählen?

Mit dem Gemetzel habe ich mir den Traum erfüllt, vollkommen eingesponnen in den Kokon eines ungewöhnlichen Themas, die wildesten Ideen herauszuhauen. Ich hatte nicht nur beim Schreiben schon unheimlichen Spaß, sondern auch bei der Überarbeitung.

Der Titel ist auf jeden Fall Programm, da die Figuren sehr kreative Methoden entwickeln, der Probleme in dieser forensischen Psychiatrie Herr zu werden. Von dem Protagonisten gar nicht zu reden.

Das Thema Forensik wird heutzutage kontrovers diskutiert. Ich wollte den Spieß einfach mal umdrehen und die vom Mainstream vorgegebene Sicht der Dinge ad absurdum führen. Auch die Menschen vor den Mauern einer forensischen Psychiatrie haben eine dunkle Seite. Die habe ich in einer Weise herausgearbeitet, die den Leser zum Lachen bringen soll.

5. Wann hast du mit dem Schreiben angefangen und wann und wie fiel der Entschluss, das Ganze auch zu veröffentlichen?

In meiner Jugendzeit habe ich nicht nur Bücher verschlungen, sondern auch haufenweise Notizbücher mit meinen eigenen Geschichten gefüllt. Alles mit Stift und ganz analog. Dann kam mir der Ernst des Lebens dazwischen. Studium, Arbeiten und die Jahre gingen ins Land.

Vor zwei Jahren kam der Wunsch zu schreiben wieder hoch. Um mich zu motivieren, habe ich 2015 beim National Novel Writing Month (NaNoWriMo) mitgeschrieben. Allerdings bemühe ich mich, die Dinge so anzugehen, dass sie Hand und Fuß haben. Dazu gehörte auch, mich theoretisch mit der Kunst des Schreibens auseinanderzusetzen. Dafür habe ich die Klassiker der Schreibratgeber studiert.

Danach habe ich es einfach gewagt. Für Selbstverleger ist es heutzutage ja so einfach wie nie.

6. Bei welchem Buch würdest du dir wünschen, dass du es geschrieben hättest?

Das kann ich gar nicht so beantworten. Dann würde ich mich nämlich in einem Dilemma befinden.

Das Buch, was ich gerne geschrieben hätte, wäre schließlich automatisch ein Buch, was mir ganz besonders am Herzen liegt. Hätte ich es aber geschrieben, würde es mir in meinem Leben fehlen. Dann ist es doch besser, wenn ich es nicht geschrieben habe. Ist doch verdreht logisch, oder? ;-)

7. Was ist für dich das Schönste am Schreiben?

Die Planung und das Plotten. Ich quetsche alles in Exceltabellen, analysiere Szenen, schreibe Szenentracker, drucke kurze Abrisse der einzelnen Szenen auf Karteikarten, mit denen ich eine Pinnwand bestücke und vieles mehr. Irgendwie beruhigt mich das strukturierte Vorgehen unheimlich und gibt mir Sicherheit beim Aufbau der Handlung.

8. Was ist für dich die größte Schwierigkeit beim Schreiben?

Auf Kommando lustig zu sein. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie schwer es ist, etwas Witziges zu schreiben. Humor ist richtig harte Arbeit.

Dabei habe ich festgestellt, dass das durchaus mit meiner Grundstimmung etwas zu tun hat. Vielleicht ist das kein Zeichen von Professionalität, aber leider ist das so. Je mieser ich drauf bin, desto bissiger kann ich werden. Wenn ich gute Laune habe, ist es kurioserweise schwerer für mich, lustig zu schreiben.

9. Passiert es dir, dass sich Charaktere auch schon einmal verselbstständigen und Dinge tun, die du so gar nicht geplant hattest?

Nein. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich einen riesigen Planungsaufwand betreibe. Ich überlasse nichts dem Zufall.

Ich bin ein sehr visueller Mensch. Ich habe das Glück, ein eigenes Arbeitszimmer zu haben. Vor einem neuen Projekt hänge ich einen DIN A0-Bogen auf, auf dem ich mit bunten Filzstiften alle Zusammenhänge zwischen den Figuren visualisiere. Ich erstelle alle Charaktere in dem Spiel "Die Sims" und hänge mir Bilder von ihnen auf. Das hat den Vorteil, dass ich sie optisch so kreieren kann, wie ich das möchte.

Danach lebe ich eine Zeitlang mit den Figuren. Sie begleiten mich den ganzen Tag und kommentieren innerlich die Situationen, in denen ich gerade stecke. So lerne ich sie sehr genau kennen. Das funktioniert für mich besser, als nur ihre Charakterzüge aufzulisten.

Die können sich gar nicht mehr verselbstständigen.

10. Trifft dich Kritik? Wie gehst du damit um?

Klar wäre es schön, wenn man jeden Leser aus den Socken hauen könnte. Das ist natürlich nicht so. Es stört mich aber weniger, als ich im Vorfeld gedacht habe.

Jede Kritik ist willkommen, solange sie begründet ist. Ich ziehe die Dinge heraus, die mir nützlich sind und versuche, das beim nächsten Mal besser zu machen.

Liebe Ann Cathrin, vielen Dank für deinen Brunch-Besuch und weiterhin alles Gute, viel Erfolg und viel Spaß beim Schreiben.

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